Religion

Weitere Veränderungen für Gladbecker Kirchgemeinden

Pfarrerin Brigitte Ellgaard (vor einem Kirchenfenster in St. Stephani) geht in den Ruhestand.

Pfarrerin Brigitte Ellgaard (vor einem Kirchenfenster in St. Stephani) geht in den Ruhestand.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Evangelische und katholische Gemeinde müssen sich auf strukturelle und personelle Veränderungen einstellen. Auch Kirchstandorte sind betroffen.

Veränderungen im seelsorgerischen wie im Bereich der Kirchenmitglieder werden im kommenden Jahr zu strukturellen Veränderungen der Evangelischen Kirchengemeinde in Gladbeck führen. Veränderungen ergeben sich aber auch für die katholische Kirche in Gladbeck, da das angestoßene Entwicklungskonzept der Pfarrei St. Lamberti mit der Aufgabe von Kirchgebäuden weiter voranschreiten wird.

Konkret wird die Evangelische Gemeinde die Pfarrerinnen Gabriele Anicker (Alt-Rentfort) und Brigitte Ellgaard (Zweckel) verabschieden, die in Ruhestand gehen. Zudem tritt Dietmar Chudaska für eine weitere Amtszeit als Superintendent nicht mehr an. Er behält zunächst seine Pfarrstelle in Rentfort-Nord, will aber 2020 nach den Osterferien ein Studiensemester zur Selbstreflexion einlegen.

„Kein Gemeindebezirk in Gladbecker wird aufgegeben“

„Fakt ist aber“, unterstreicht Pfarrer Frank Großer, „dass kein Gemeindebezirk aufgegeben werden soll und die Gemeindearbeit in allen Stadtteilen weiter läuft“. Es müsse aber damit gerechnet werden, so der Vorsitzende des Presbyteriums, „dass die zurzeit sieben Pfarrstellen nicht in gleicher Zahl erhalten bleiben“. Hintergrund ist der Berechnungsschlüssel der Evangelischen Landeskirche. Wenn eine Planstelle wiederbesetzt werden soll, muss dies beim Landeskirchenamt beantragt werden. Ausschlaggebend ist dann die Anzahl der Mitglieder der Ev. Stadtkirchengemeinde. Großer: „Je 2500 bis 3000 Gemeindemitglieder ergeben eine volle Pfarrstelle.“ Legt man die knapp 18000 Mitglieder der Ev. Kirchengemeinde Gladbeck zugrunde, so ergibt sich eine Anzahl von noch sechs Pfarrstellen.

Sich auf einen veränderten Stellenschlüssel einzustellen, sei nichts Ungewöhnliches, sagt Frank Großer. Anpassungsprozesse habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, etwa als Pfarrer Cornelius Bury die Gemeinde verließ. Die Zuschnitte der Gladbecker Seelsorgebezirke werden dann neu verteilt, so dass dieser oder jener Straßenzug einem anderen Pfarrer zugeordnet werden könnte als bisher. Frank Großer ist zuversichtlich, diesen Prozess „gut hinzukriegen, da wir uns ja ohne enges Kirchturmdenken als evangelische Gesamtgemeinde der Stadt begreifen“.

Enges Kirchturmdenken ist auch bei der katholischen Gemeinde Vergangenheit

Enges Kirchturmdenken ist auch bei der katholischen Pfarreigemeinde St. Lamberti Vergangenheit. Im Sommer 2015 war das Pfarrentwicklungskonzept vorgestellt worden. Mit der Botschaft, ab 2020 nur noch an drei Kirchgebäuden in Gladbeck festhalten zu wollen: St. Lamberti in der Stadtmitte, St. Josef in Rentfort und St. Marien in Brauck.

E

inen drastischen Schnitt werde es dazu aber im kommenden Jahr nicht geben, beruhigt Antonia Gemein, Pressesprecherin der Pfarrei. „Wir bleiben an allen neun Standorten weiter präsent. Nicht überall mit einem Kirchgebäude, aber in Räumlichkeiten, um Gemeindearbeit zu leisten.“ Auch die aufgegebenen Kirchgebäude sollen noch so lange wie möglich genutzt werden. An diesen Orten fänden zwar keine regelmäßigen pastoralen Kernaufgaben mehr statt, aber gelegentliche Gottesdienste seien denkbar.

Das Jugendheim St. Johannes bleibt für die Gemeindearbeit erhalten

Das gilt für die folgenden Kirchen: St. Johannes in Gladbeck Ost, die 2021/22 abgerissen werden soll, um Neubauten für dezentrale Wohngruppen des St.-Suitbert-Hauses des Caritasverbandes Platz zu machen.

Das Jugendheim bleibt für die Gemeindearbeit bestehen. Die Herz-Jesu-Kirche in Zweckel wird im Pilotprojekt über das Generalvikariat des Bistums Essen weiter entwickelt. Angedacht ist, im Kirchgebäude eine Kindertagesstätte einzurichten. Für Heilig-Kreuz in Butendorf arbeitet Pfarrer Jochen Walter an Plänen, die direkte Nachbarschaft des Gebäudes zum Ärztehaus zu nutzen und die Kirche zum Medizinischen Zentrum umzuplanen. Räumlichkeiten für die Gemeindearbeit sollen weiter vorgehalten werden. In Rentfort-Nord ist es das Bestreben, St. Franziskus an einen Investor abzugeben, der das Areal entwickelt.

Im vergangenen Jahr haben die Pastoren Andreas Lamm und Oliver Laubrock die Pfarrei verlassen. Für die knapp 27000 Gemeindemitglieder sind so die Pastoren Propst André Müller, Jochen Walter und Georg Rücker als Seelsorger tätig. Sie werden noch von Pastor Ulrich Pfeifer unterstützt, der vor seinem Ruhestand steht und von Kaplan Harald Hotop, der nach bestandenem Pfarreiexamen wohl absehbar Gladbeck ebenfalls verlassen wird. Antonia Gemein: „Da wir in der jüngsten Zeit aber sehr stark auf das ehrenamtliche Modell gesetzt haben und das Pastoral von Gemeindereferentinnen und Referenten mitgetragen wird, können wir in allen Stadtteilen weiterhin gute Gemeindearbeit leisten.“

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