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1500 Umzugskartons: Stadtarchiv residiert jetzt im WBH-Turm

OB Schulz stattete dem Stadtarchiv am Mittwoch einen Besuch ab.

Foto: Michael Kleinrensing

OB Schulz stattete dem Stadtarchiv am Mittwoch einen Besuch ab.

Hagen.   Das Hagener Stadtarchiv hat den Umzug in den WBH-Turm bewältigt. Der neue Standort bietet mehr Platz für das Gedächtnis der Stadt.

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Im Jahr 1814 erschien die erste Zeitung in Hagen. „Hermann“ war sie betitelt“ nach Hermann dem Cherusker, wie der germanische Anführer, der die Römer im Jahre 9 in der berühmten Varusschlacht besiegte, fälschlicherweise genannt wurde. Herausgegeben wurde sie von einem Rektor Stork, seinerzeit Leiter der Hagener Latein-Schule, die wiederum Vorgängerin des Fichte-Gymnasiums war. Das Blatt existierte nur fünf Jahre, dann fiel es der Zensur zum Opfer. Der „Hermann“ ist längst vergessen.

Doch im Stadtarchiv lagert noch ein Exemplar dieser allerersten Zeitung. 205 Jahre ist die Ausgabe jetzt alt und ein Beleg dafür, dass sich das Bürgertum in Hagen für nationale Einheit und gegen die herrschenden adeligen Schichten engagierte. „Hier kann man genau nachvollziehen, wie sich das Leben in Hagen entwickelt hat“, berichtet Ralf Blank, Fachdienstleiter Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen: „Das Stadtarchiv ist gewissermaßen das Gedächtnis der Stadt.“

Unaufhörliches Wachstum

Ein Gedächtnis, das unaufhörlich wächst, unaufhörlich neue Erinnerungen, Urkunden und Akten abspeichert. Und das nicht mehr in der Wippermann-Passage an der Eilper Straße, wo das Archiv jahrzehntelang seinen Sitz hatte, sondern auf vier Etagen im Turm auf dem Gelände des Wirtschaftsbetriebs Hagen (WBH). Über 800 Quadratmeter erstreckt sich allein das Magazin, in dem der „Hermann“ nur eines von unzähligen Archivalien ist.

1500 Umzugskartons mit Akten, Büchern, Fotos und Urkunden haben die Archivare Andreas Korthals und Heinz Dietz vom alten an den neuen Standort transportieren lassen. „Wir verfügen jetzt über mehr Platz und eine bessere, moderne Ausstattung“, sagt Korthals. Die Temperatur beträgt 16 bis 17 Grad, die Luftfeuchtigkeit rund 50 Prozent – ideale Bedingungen für die Aufbewahrung von Akten. Fotonegative und Filme werden in einer eigens dafür hergerichteten Klimakammer aufbewahrt.

Gesetzliche Aufgabe

Die Archivierung von Akten ist eine gesetzliche vorgeschriebene Aufgabe. Rund zehn Prozent der gesamten Verwaltungsproduktion, die von den Mitarbeitern des Rathauses hervorgebracht werden, landen im Stadtarchiv. „Personenstandsdaten und Ratsprotokolle werden dauerhaft aufbewahrt“, sagt Korthals und verweist auf die älteste Dokumentation einer Ratssitzung in Hagen aus dem Jahre 1809.

Zu den zahlreichen personenbezogenen Akten gehört die Ausbildungskarte von Oberbürgermeister Erik O. Schulz, der die neuen Räume des Stadtarchivs gestern erstmals besichtigte und nicht schlecht staunte, als ihm Blank und Korthals sein 30 Jahre altes Bewerbungsfoto vorlegten. „Das Archiv steht ja nicht oft in der ersten Reihe, es gehört zu den hidden champions unserer Stadt“, so Schulz: „Es ist unbestritten notwendig, die Vergangenheit Hagens professionell zu dokumentieren.“

Russische Kosaken

Anders als viele Großstadtarchive in Nordrhein-Westfalen, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, blieb der Hagener Aktenbestand unversehrt, weil er rechtzeitig vor Beginn der Bombardierungen ausgelagert wurde. Die schwärzesten Tage des Hagener Stadtarchivs liegen viel länger zurück. Im Herbst 1813 lagerten russische Kosaken während der Befreiungskriege gegen Napoleon in der Stadt, plünderten das Archiv und nutzten die Akten als Pferdestreu.

Als im Jahr darauf der „Hermann“ erschien, war der Kosakenspuk überstanden. . .

>>Hintergrund: Uralte Dokumente

  • Zu den Schätzen des Stadtarchivs gehören eine deutsche Bibel aus dem 16. Jahrhundert und ein Buch mit Schriften und Tischreden Martin Luthers von 1552.
  • Die ältesten Dokumente sind zwei mit Minuskeln beschriebene Einbände aus dem 13. Jahrhundert. Sie stammen vermutlich aus dem Stift Elsey.

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