Erschreckender Vorfall

160 Personen wüten wie wilde Horde im Hagener Restaurant

Buffetsturm im Restaurant Kaisergarten. Dieses Bild aus der Überwachungskamera des Restaurants zeigt, wie ein Teil der 160 Personen großen Gruppe über das Buffet herfällt.

Buffetsturm im Restaurant Kaisergarten. Dieses Bild aus der Überwachungskamera des Restaurants zeigt, wie ein Teil der 160 Personen großen Gruppe über das Buffet herfällt.

Buschey.   Der Muttertag wird dem Betreiber des Kaisergartens am Buschey in übler Erinnerung bleiben. 160 Personen mischten den Betrieb auf.

Seit 27 Jahren ist Jun Wei Huang leidenschaftlicher Gastronom und führt seit drei Jahren das chinesische Restaurant Kaisergarten am Buschey. Ein Vorfall am Muttertag machte ihn und sein Personal einfach nur sprachlos. Im Restaurant herrschte Ausnahmezustand.

Zwei Männer hatten einige Tage zuvor persönlich beim Geschäftsführer um eine Reservierung für 20 Personen gebeten. Nach Huangs Angaben handelte es sich dabei um zwei Südosteuropäer. Jun Wei Huang (40) habe den Herrschaften, die einen guten Eindruck machten, ein Angebot unterbreitet. Sie hätten versucht, noch den Preis für ein „all you eat and drink“ in Höhe von 30 Euro zu „drücken“ – jedoch: ohne Erfolg. Der Geschäftsführer habe den kleinen Saal reserviert.

Am besagten Reservierungstag habe im China-Restaurant am Stadtgarten Hochbetrieb geherrscht, etwa 300 Gäste hätten gespeist und den Muttertag genossen.

Gegen 16 Uhr aber seien laut Huang plötzlich 160 Südosteuropäer, davon etwa 30 Kinder, auf das Restaurant zugekommen. Ohne ein Wort mit dem Personal zu wechseln, hätten sich die „Gäste“ in Richtung Büfett bewegt. „Meine Mitarbeiter hatten Angst, ich bat die Gesellschaft zunächst in den Saal zu gehen, aber sie machten was sie wollten. Sie waren nicht aufzuhalten“, berichtet Huang fassungslos.

Das Essen sei mit den Händen aus den Büfett-Vorrichtungen genommen worden. Ganze Platten seien mit zum Tisch genommen worden. Die Wege für die anderen Gäste seien blockiert worden. „Sowas habe ich noch nie erlebt. Das Essen war für 400 Gäste ausgelegt, alles war innerhalb weniger Minuten leer.“ Doch die Gäste hätten noch einen oben draufgesetzt: „Sie gingen hinter die Bar, zapften sich ihre Getränke teilweise selbst“, so der Gastronom. „Das Benehmen ist nicht in Worte zu fassen – ein Alptraum.“

Spuk nach drei Stunden vorbei

Angesichts der Gesellschaft, die Personal und Gäste in Schockstarre stehen ließ, war dem Geschäftsführer das Wohl der anderen Gäste wichtig: „Die Gäste mussten nicht zahlen, wir hatten vollstes Verständnis. Sie haben nicht die Leistung erhalten, die sie gebucht hatten.“ Etwa 80 Gäste seien in der Zeit an der Tür gebeten worden, ein anderes Mal zu kommen, weil das Team mit der Situation überfordert gewesen sei.

Nach drei Stunden sei der Spuk vorbei gewesen. Nur ein Teil der wilden Gesellschaft bezahlte die vereinbarte Summe – der andere Teil prellte die Zeche. „Wir haben im Anschluss alles leergeräumt, gewaschen und ein frisches Büfett hergerichtet.“ Finanziell sei der Tag für den Gastwirt eine Katastrophe gewesen: „Mir war wichtig, dass die normalen Gäste wiederkommen und uns nicht schlecht in Erinnerung haben.“

Betreiber schlichtweg überfordert

Warum er nicht die Polizei gerufen habe? „Ich war einfach überfordert mit der Situation – ich wollte die Situation nicht noch weiter eskalieren lassen und habe auf die Vernunft der Gesellschaft gehofft“, so Huang abschließend.

Mittlerweile hat der Kaisergarten-Chef die Vorfälle auf der Facebook-Seite des Restaurants öffentlich gemacht und sich bei allen Gästen entschuldigt. Zahlreiche Gäste reagieren unter dem Posting, darunter auch Sandra Lessner-Schminke, die an besagtem Tag Gast war. „Die Leute waren draußen im Eingangsbereich schon sehr aggressiv. Und dann im Innenbereich kam man sich wie bei einer Raubtierfütterung vor“, sagt sie. Auch andere Kunden reagieren geschockt, aber mit viel Verständnis für das Restaurant-Team. Eine Kundin schreibt: „Keine Chance, sich ohne Hilfe gegen so einen ,Überfall’ zu wehren. Ein großes Verlustgeschäft an diesem Tag, reinstes Chaos und ein riesiger Saustall.“ Eine andere Kundin schreibt: „Wir wurden an die Theke gedrängt. Resultat: verdreckte Kleidung und mein Fuß geprellt.“

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