Prozess

260.000 Euro Beute: Falsche Polizisten in Hagen vor Gericht

Viel Bargeld hatten die  vier Männer, die sich vor dem Landgericht Hagen verantworten mussten,  laut Anklage ergaunert.

Viel Bargeld hatten die vier Männer, die sich vor dem Landgericht Hagen verantworten mussten, laut Anklage ergaunert.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen/Wuppertal/Schalksmühle.  Eines der älteren Opfer stellte 30.000 Euro einfach vor die Haustür: Wie sich die falschen Polizisten das Geld ergaunert haben sollen.

Die vier Männer aus Schwerte hatten offenbar keine Skrupel und kannten wohl auch keinen Respekt vor dem Alter: Sie gaben sich als „Polizisten“ aus und brachten sechs Senioren um ihr gesamtes Erspartes. Der Gesamtschaden, den sie angerichtet haben sollen, beläuft sich auf 260.000 Euro.

Um 8.56 Uhr schlendert der 22-Jährige, der sich als einziger von den vier Angeklagten auf freiem Fuß befindet, lachend in Saal 201 des Hagener Landgerichts. Er grinst erst in eine TV-Kamera, die auf ihn gerichtet ist und wendet sich dann seinem Verteidiger zu.

Nacheinander werden die drei anderen Angeklagten in Handschellen in den Saal geführt. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Um 9.04 Uhr bittet Vorsitzender Richter Marcus Teich die Fotografen und Fernsehteams, die Kameras auszuschalten. Axel Nölle, Staatsanwalt aus der Abteilung für Organisierte Kriminalität, verliest die Anklageschrift.

„Krimineller Bankmitarbeiter“

Die Vorwürfe lauten auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug. Die vier Angeklagten sollen in sechs Fällen hilflose alte Menschen, die zuvor telefonisch unter Druck gesetzt worden waren, um deren gesamtes Vermögen gebracht haben. Mit bislang unbekannten Hintermännern aus der Türkei, so die Anklage, hätten sie sich zu einer Betrügerbande zusammengeschlossen, um Senioren aus dem ganzen Bundesgebiet zur Herausgabe von Bargeld zu bringen.

Es begann stets mit einem Anruf, in dem man sich als „Polizei“ ausgab und vor „kriminellen Machenschaften eines Bankmitarbeiters warnte“. Die betagten Leute, oft über 80 und 90 Jahre alt, wurden aufgefordert, ihre Ersparnisse umgehend in bar abzuheben, um das Geld vor dem Zugriff des kriminellen Bankmitarbeiters zu schützen. Polizeibeamte würden das Geld später bei ihnen abholen – so der Anrufer.

Zahlreiche Senioren, durch den Anruf aufgewühlt, beunruhigt oder gar in Panik versetzt, machten sich sofort auf den Weg zu ihrem Geldinstitut und hoben ihr gesamtes Vermögen ab.

So im April 2018 eine alte Dame aus Hamburg: Sie räumte 162.000 Euro von ihrem Konto und übergab das Geld an ihrer Haustür den falschen Polizisten, die es „sicherstellten“. Eine Frau aus Bonn überreichte zwei Tage später 25.000 Euro, ein Senior aus Wuppertal drei Tage später 20.000 Euro, eine Frau aus Düsseldorf auch 20.000 Euro.

Geld in Plastiktüte vor der Haustür

Als angebliche „Polizisten“ vor Ort sollen neben einem jungen Türken (22) auch zwei junge Deutsche (22 und 18 Jahre alt) aufgetreten sein und jeweils hohe Bargeldsummen in Empfang genommen haben. Das ergaunerte Geld hätten sie an einen in Schwerte wohnenden Italiener (46) abliefern müssen, den vierten Angeklagten. Dieser Mann soll das Geld an die Banden- Hintermänner in die Türkei weitergeleitet haben. Die „falschen Polizisten“ hätten für jeden Fall, in dem sie den Senioren erfolgreich das Ersparte abknöpfen konnten, Prämien in Höhe zwischen 250 und 1.000 Euro erhalten.

Ein älterer Herr aus Schalksmühle war besonders arglos gewesen und hatte sein gesamtes Vermögen in Höhe von 30.000 Euro in einer Plastiktüte vor seiner Haustür abgestellt. Er sah zu, wie die falschen Polizisten aus Schwerte das Geld dort abholten. Das Verfahren vor dem Landgericht Hagen soll am 4. Novemberfortgesetzt werden. Dann können sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern.

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