Kyrill

35 000 Festmeter Holz in Breckerfeld aufgearbeitet

Wie hier in Zurstraße hat Kyrill das Stadtgebiet Breckerfeld hart getroffen: Viele Straßen müssen wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

Wie hier in Zurstraße hat Kyrill das Stadtgebiet Breckerfeld hart getroffen: Viele Straßen müssen wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

Foto: erstin Kappis

Breckerfeld.   Die Sturm-Nacht hat das Bild in Breckerfeld verändert: „An vielen Stellen war der Wald einfach verschwunden“, so Ex-Förster Bernhard Michalczik.

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Auch zehn Jahre nach Kyrill erinnert sich Ruheständler Bernhard Michalczik, damals staatlicher Förster für die Wälder im Breckerfelder Umland, genau: „Als die Unwetterwarnungen vor ,Kyrill’ für unseren Raum immer dringlicher wurden, da zogen die im Breckerfelder Raum ganz normal tätigen Holzeinschlagunternehmen am Nachmittag ihre Waldarbeiter und Rückemaschinen aus den Wäldern ab.“ Bereits die Vorboten von Kyrill machten die Arbeit zu gefährlich.

Am Freitagmorgen konnte Förster Michalczik, der in Hagen noch heute wohnt, sein Forstrevier nicht auf dem normalen Weg über die L 528 erreichen. Er musste über Ennepetal fahren. „Der Blick in die Landschaft war für mich furchtbar. An vielen Stellen war der Wald über Nacht einfach verschwunden.“

Norbert Lohoff und Rudi Lemke bildeten damals als Wehrführer die Einsatzleitung. Sie hatten schon am Donnerstag in den Nachmittagsstunden ihre Einheiten in Bereitschaft versetzt. Norbert Lohoff erinnert sich: „Hilferufe erreichten uns fast im Minutentakt.“ Von Donnerstagabend bis zum Samstag wurden von dort aus alle Einsätze von Andreas Bleck und Peter Ganick koordiniert.

Im Abschlussbericht der Breckerfelder Wehr vom Sonntag, 21. Januar, 2007, listeten Lohoff und Bleck alle Fakten auf: 58 Aktive waren an 120 Stellen im Einsatz. „Viele Hilfeleistungen im Vorbeifahren haben wir gar nicht mitzählen können“, so Andreas Bleck. In der eigentlichen Sturmnacht war die Wehr zum Teil bis nach Mitternacht im Einsatz. Am Morgen des Freitag galt es, weitere Kräfte koordiniert einzusetzen. Breckerfeld als Ganzes war nur über Priorei und Dahlerbrück erreichbar – allerdings zum Teil eingeschränkt, da die B 54 wegen einiger Baustellen durch den von der A 45 abfließenden Zusatzverkehr oft verstopft war.

Beim Freischneiden und Fortschaffen der Bäume auf den übrigen Zufahrtsstraßen war nicht nur die Feuerwehr im Einsatz. Auch der Bauhof Breckerfeld, private Forstunternehmen, Waldbauern, das Technische Hilfswerk (THW-Ortsverband Schwelm) und später der Landesbetrieb Straßen NRW halfen mit. Da immer wieder uneinsichtige Verkehrsteilnehmer die gefährlichen Aufräumarbeiten behinderten, ordnete das Ordnungsamt an einigen Stellen Straßensperren an und rief die Polizei zu Hilfe.

Aus ganz Europa im Einsatz

Kyrill richtete nicht nur Schäden in der freien Landschaft an. Die Aktiven der Wehr mussten auch an anderen Stellen helfen: Hallentore von Gewerbebetrieben wurden aus der Verankerung gerissen, eine Scheune stürzte ein, Werbeanlagen waren beschädigt, herunter gefallene und abgerissene Freileitungen mussten gesichert werden. Norbert Lohoff: „Am Ende waren wir froh und dankbar, dass alle Einsatzhelfer auch über die Feuerwehr hinaus ohne Schäden aus den Einsätzen zurückkamen.“

Bernhard Michalczik ist froh, dass es der Forstbetriebsgemeinschaft Breckerfeld-Waldbauer und dem Fortsamt gelungen ist, die große „Holzernte“ mit einer großen Kraftanstrengung zu bewältigen: „Am Ende musste eine Holzmenge von rund 35 000 Festmetern in kurzer Zeit aufgearbeitet und vermarktet werden.“ Der größte Schaden mit rund 10 000 Festmetern erlitt der Schöpplenberger Wald.

Ohne den Einsatz mehrerer Harvester-Maschinen und Forstunternehmen aus ganz Europa (in Breckerfeld kamen einzelne aus Skandinavien, Österreich,der Schweiz und Polen) und die seit den 90er-Jahren durch die Forstbetriebsgemeinschaft und die Flurbereinigung geschaffene Wegestruktur hätte das Sturmholz wohl nicht vermarktet werden können. Die meisten Sturmflächen wurden inzwischen wieder neu bepflanzt.

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