Unfall

53-jährige Hagenerin kracht in Loch im Balkonboden

Ungläubiger Blick von Holger Nitsch: In dieses Loch des Balkonbodens ist seine Freundin gekracht.

Ungläubiger Blick von Holger Nitsch: In dieses Loch des Balkonbodens ist seine Freundin gekracht.

Foto: Michael Kleinrensing

Eilpe.   Eine 53-Jährige stürzt durch ein Loch in ihrem Balkon und verletzt sich schwer. Das Loch tat sich plötzlich auf. Das hat Folgen für viele Mieter.

Strahlender Sonnenschein, schönster Frühling, 13 Uhr: Holger Nitsch (54) sitzt im Wohnzimmer, als er den lauten Schrei seiner Lebensgefährtin hört. Der gehbehinderte Mann rappelt sich auf und humpelt in Richtung Balkon. Und was er dort erblickt, erinnert an Loriots Opa Hoppenstedt, der an Weihnachten durch ein Loch in der Decke beinahe in der Wohnung der Nachbarn gelandet wäre.

Doch lustig ist keineswegs, was sich im Außenbereich im ersten Obergeschoss abgespielt hat. Unter Heide Eckhardt hat sich wie aus dem Nichts der Balkonboden aufgetan. Die 53-Jährige steckt auf Hüfthöhe fest, als sei sie auf einer Eisdecke eingebrochen. Alleine kann sie sich nicht mehr befreien.

Schock nach dem Sturz in eine Loch

„Ich bin dann ganz vorsichtig an die Schwelle der Balkontür getreten und habe versucht, sie wieder hochzuziehen“, sagt Holger Nitsch, „das war gar nicht so einfach.“ Schließlich gelingt es dem 54-Jährigen, seine Lebensgefährtin aus dem Loch zu ziehen.

„Sie war völlig geschockt, hat am ganzen Leib gezittert. Dazu hatte sie starke Rückenschmerzen und Schürfwunden.“ Holger Nitsch ruft einen Krankenwagen. Nach der Erstbehandlung in der Wohnung wird Heide Eckhardt in eine Klinik gebracht.

„Meine Freundin war rausgegangen, um den Balkon zu fegen“, sagt Holger Nitsch. „Mit so etwas rechnet man ja nicht. Aber nach diesem Vorfall kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass sie jemals wieder auf diesen Balkon treten kann.“ Der ist vor 17 Jahren erst im Nachhinein an das Mehrfamilienhaus an der Straßburger Straße angebaut worden. Ein Stahlkonstruktion mit verkleideten Platten. „Nachbarn haben schon mal von Rissen berichtet“, sagt Holger Nitsch.

Ähnliche Konstruktion an Häusern

Nachbarn sind auch Monika Strack (Erdgeschoss links) und ihr Sohn Christian (Dachgeschoss). „Ich bin sofort von der Arbeit nach Haus gekommen, als Christian mich angerufen hat“, sagt die Frau, die direkt unter Heide Eckhardt wohnt. „Ich wolle eigentlich noch Blumen kaufen und die Töpfe auf meinem Balkon bepflanzen. Zum Glück habe ich das noch nicht gemacht.“ Denn die Balkone, so hätten Mitarbeiter des Vermieters LEG aus Düsseldorf mitgeteilt, dürften vorerst nicht mehr betreten werden.

Das gilt nicht nur für das betroffene Haus, sondern auf für zahlreiche weitere Immobilien an der Straßburger, der Mülhauser, der Freiburger und der Hohlestraße. Alles sind vor mehr als 50 Jahren errichtet worden, an allen ist im Nachhinein eine ähnliche Balkonkonstruktion angebaut worden.

Bauordnungsamt sperrt sämtliche Balkone

Neben Polizei und Rettungskräften waren auch Mitarbeiter der Bauordnung der Stadt Hagen und des Vermieters LEG vor Ort. „Der Boden besteht aus einer zugelassenen Platte“, so Stadtsprecher Carsten-Thilo Raab, „nach ersten Eindrücken haben sich Risse gebildet, durch die Feuchtigkeit eingedrungen ist.“ Das Bauordnungsamt hat jetzt die Balkone sämtlicher Wohnungen gesperrt. Der Vermieter wiederum wird die Platten (kunststoffbeschichtetes Holz) an allen betroffenen Wohnungen austauschen. „Die Ausschreibung geht so schnell wie möglich raus“, sagt LEG-Sprecherin Astrid Mendolia, die betonte, wie leid ihrem Unternehmen das Unglück tue. Darüberhinaus stellt sie allen betroffenen Mietern Mietgutschriften in Aussicht.

>>HINTERGRUND: 130.000 WOHNUNGEN

  • Die LEG ist mit rund 130 000 Mietwohnungen nach eigenen Angaben eines der führenden Immobilienunternehmen.
  • Sie erzielte 2015 Erlöse aus Vermietung und Verpachtung von rund 645 Millionen Euro.
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