Kreißsaal-Schließung

Ab März kommen in Haspe keine Babys mehr zur Welt

Mit der Schließung der Geburtshilfe Ende März 2018 geht in Haspe eine Ära zu Ende, Die übrigen Bereiche der Gynäkologie bleiben unangetastet.

Foto: Hans Blossey

Mit der Schließung der Geburtshilfe Ende März 2018 geht in Haspe eine Ära zu Ende, Die übrigen Bereiche der Gynäkologie bleiben unangetastet. Foto: Hans Blossey

Haspe.   Das Hasper Krankenhaus schließt seine Entbindungsstation. Die Geschäftsführung sieht in Konkurrenz zu Perinatalzentren keine Zukunftschancen.

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Gebürtige Hasper werden künftig zur Rarität: Das Evangelische Krankenhaus auf dem Mops plant Ende März 2018 seine Entbindungsstation zu schließen. Angesichts sinkender Geburtenzahlen, einem anhaltenden Mangel an Hebammen und reichlich Konkurrenz im Umkreis durch Perinatalzentren sowie Geburtshilfestationen mit angegliederter Kinderklinik sehen Markus Bachmann (Vorstand des Ev. Stiftung Volmarstein), Olaf Heinrich (Kaufmännischer Geschäftsführer) und Frank Bessler (Ärztlicher Geschäftsführer) keinerlei Perspektive mehr für die Station. Die übrigen Abteilungen der Gynäkologie bleiben unangetastet.

„Das objektive und subjektive Sicherheitsbedürfnis der werdenden Mütter hat sich massiv verschoben“, macht Bachmann deutlich, dass heute eine klassische Geburtshilfe absolut gesunden Frauen vorbehalten bleibt. „Sobald nur die geringsten Risikofaktoren im Rahmen einer Schwangerschaft auftauchen, bedarf es heute eines höherstufigen Hauses“, sieht Bessler mit Blick auf die Perinatalzentren am AKH, in Witten und Herdecke sowie der Geburtshilfe in Schwelm mit angegliederter Kinderklinik keine realistische Zukunftsperspektive für die Hasper Kreißsäle.

Und die Option, sich selbst zu einem Perinatalzentrum mit Kinderklinik weiterzuentwickeln, sei angesichts der restriktiven Krankenhausplanung durch die Politik, die seit Jahren auf allen Ebenen auf Bettenabbau setzt, für Haspe absolut unrealistisch. „Wir hätten einfach keine Chance, eine Zulassung zu bekommen“, weiß Bachmann.

Kein Hebammen-Nachwuchs

Parallel dazu, so die Krankenhaus-Geschäftsführung, fänden vom leergefegten Hebammen-Markt kaum noch Geburtshilfe-Spezialistinnen den Weg zum Mops, weil diese eher die berufliche Herausforderung in den Perinatalzentren suchten.

Bereits im Sommer mussten die Kreißsäle in Haspe für eine Woche vom Netz gehen, weil durch Ausfälle in dem achtköpfigen Team die Versorgung der Schwangeren rund um die Uhr nicht mehr gewährleistet werden konnte. Eine prekäre Situation, die in Haspe jederzeit wieder eintreten könnte.

100 Babys weniger als 2016

„Mit 500 Geburten im Jahr könnten wir die Geburtshilfe durchaus wirtschaftlich betreiben, wenn es denn eine stabile Mitarbeiterschaft gäbe – aber diese Personalressourcen sind einfach nicht mehr vorhanden“, musste Bachmann am Montagvormittag dem Stationsteam das Aus mitteilen. Trotz stetig steigender Geburtenzahlen in Hagen, sinkt die Zahl der Neugeborenen in Haspe von 600 Fällen 2016 auf voraussichtlich 500 Babys in diesem Jahr. Etwa ein Viertel der Mütter kommt aus dem EN-Kreis, der Rest aus Hagen – 160 davon aus Haspe.

Mit dem Land sowie den Kooperationspartnern am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke sowie am AKH werden die Hasper vertiefende Gespräche führen, um für die Patientinnen einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

„Unsere Ziele bleiben, den werdenden Müttern in der Region weiterhin eine sichere geburtshilfliche Versorgung und den Mitarbeitern eine attraktive berufliche Perspektive zu bieten“, versichert Bessler. Ob die Versorgung am Mops tatsächlich bis Ende März aufrechterhalten werden kann, bleibt freilich offen: „Das liegt jetzt nicht bloß in unserer Hand“, weiß Heinrich.

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