Prozess

Achteinhalb Jahre Haft für Juwelenraub in Hagen

Polizisten bei der Spurensicherung: Vor fast genau sechs Jahren wird der Juwelier Rüschenbeck überfallen. Eine der damaligen Mitarbeiterinnen leidet noch heute unter den Folgen. Foto:Alex Talash

Polizisten bei der Spurensicherung: Vor fast genau sechs Jahren wird der Juwelier Rüschenbeck überfallen. Eine der damaligen Mitarbeiterinnen leidet noch heute unter den Folgen. Foto:Alex Talash

Hagen.   Einer der Räuber kam als Rollstuhlfahrer getarnt: Für den Überfall auf Juwelier Rüschenbeck in Hagen muss ein Täter achteinhalb Jahre in Haft.

Das Gericht überbot den Oberstaatsanwalt noch: Rüschenbeck-Räuber Aleksandar Z. (30) muss für achteinhalb Jahre hinter Gitter. Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Um 16.36 Uhr wurde die Entscheidung verkündet. Von Seiten der Staatsanwaltschaft waren acht Jahre Haft beantragt worden.

Spielschulden und Drogenprobleme hatte der Angeklagte als Grund dafür angegeben, warum er zum Juwelenräuber wurde. In seiner Heimatstadt Belgrad war er seinerzeit für Überfälle auf Juweliere in Deutschland angeworben worden. Im Sommer 2010 reiste er erstmals von Serbien nach Deutschland. Am 8. August wurde die „Kölner Münzstube“ in der Domstadt ausgeraubt, dabei Schmuck im Wert von 55 000 Euro erbeutet.

Auf einer am Tatort zurückgelassenen Tasche fanden die Ermittler DNA-Spuren von Aleksandar Z. – für die Kammer unter Vorsitz von Dr. Bettina Wendtland, die diesen Raubüberfall mit zu verhandeln hatte, gab es deshalb keinerlei Zweifel an der Mittäterschaft des Angeklagten.

Den Überfall auf Juwelier Rüschenbeck in Hagen am 17. Februar 2011 hatte Aleksandar Z. eingeräumt, obwohl dieses Geständnis, wie die Vorsitzende in ihrer Urteilsbegründung betonte, „aufgrund der erdrückenden Beweislage nicht so hoch anzusiedeln ist“. In der Mittelstraße war Schmuck im Verkaufswert von über 850 000 Euro erbeutet worden.

Über eine halbe Stunde Todesangst

Besonders perfide: Mittäter Nenad Vukovic (25), nach dem immer noch international gefahndet wird, hatte sich als behindert getarnt und sich vom Angeklagten in einem Rollstuhl ins Juweliergeschäft fahren lassen. Eine der beiden überfallenen Verkäuferinnen (zur Tatzeit 21 Jahre alt), hatte länger als eine halbe Stunde Todesängste ausstehen müssen. Sie wurde sehr schwer traumatisiert und leidet noch heute, sechs Jahre später, an den schweren Folgen der Tat.

Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli bezeichnete den Verurteilten als „kaltblütig“. Es gehöre zu seiner Profession, zu seinem Geschäftsmodell, schwere Straftaten zu begehen. Pauli: „Er ist nichts anderes als ein Berufsverbrecher.“

>> HINTERGRUND: „Strafrabatt im Urteil“

Aus dem Juwelierüberfall in Köln hatte Aleksandar Z. für sich selbst 20 000 Euro aus der Beute erhalten – für den Überfall auf Rüschenbeck 40 000 Euro. Das Gericht verhängte für die Tat in Hagen 6 Jahre als Einzelstrafen und für die in Köln 5 Jahre, 9 Monate. Mit „Strafrabatt“ ergibt das achteinhalb Jahre.

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