Nationalsozialismus

Agnes-Miegel-Straße in Haspe wird nicht umbenannt

Die Agnes-Miegel-Straße in Haspe wird nicht umbenannt.

Die Agnes-Miegel-Straße in Haspe wird nicht umbenannt.

Foto: Theo Schmettkamp

Haspe.   Ein Hasper Bürger hatte die Umbenennung ins Spiel gebracht. Grund war die Rolle der Schriftstellerin während der Nazi-Zeit

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Die nach einer umstrittenen Literatin benannte Agnes-Miegel-Straße in der Kipper wird ihren Namen behalten. Das hat die Bezirksvertretung Haspe beschlossen. Dabei berufen sich die Politiker auf eine Umfrage unter den Anwohnern. 104 von 170 hatten geantwortet, 100 sich dafür ausgesprochen, den Namen der Straße nicht zu ändern.

Ein Hasper Bürger hatte die Umbenennung ins Spiel gebracht. Grund dafür war die Rolle der Schriftstellerin in Zeiten der Nationalsozialistischen Diktatur. So unterschrieb Miegel (1879 bis 1964) unter anderem neben 88 weiteren deutschen Autoren das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler. Ihre Einstellung zeigt sich auch in den Zeilen: „Lass in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen; Du und wir, nie mehr zu trennen stehen ein für unser deutsches Land.“

Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Rechtspopulismus sei es wichtig, sich mit der Geschichte intensiv auseinanderzusetzen, argumentierte Rolf Klinkert, der für Hagen Aktiv im Stadtrat sitzt, in der Bezirksvertretung. Dieser Rechtspopulismus sei von Hagen gar nicht weit entfernt. Das habe man am Beispiel von AfD-Ratsfrau Lisa-Kristin Radke gesehen, die sich mit Protagonisten der europäischen rechten Szene habe ablichten lassen (unsere Zeitung berichtete).

Kritische Auseinandersetzung

„Miegel“, so Klinkert weiter, „hat sich auch nach dem Krieg nie vom Nationalsozialismus distanziert. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bürger sich nicht nur aus Bequemlichkeit dafür ausgesprochen haben, den Straßennamen beizubehalten.“

Thomas Huyeng argumentierte, man dürfe nicht jedem Eintrag auf Wikipedia glauben. Schließlich, so der Beigeordnete, der sich selbst als ausgesprochener Willy-Brandt-Kenner bezeichnete, habe sich der Altbundeskanzler mit Miegel getroffen. Wenn die Vorwürfe allesamt zuträfen, hätte er das nie getan.

Die Mehrheit der Politiker verwies darauf, dass man sich bewusst entschieden habe, dem Votum der Anwohner zu folgen. Folglich wurde mit großer Mehrheit der Antrag auf Umbenennung abgelehnt. Einstimmig sprach sich die Bezirksvertretung dafür aus, dass der Fachbereich Bildung ein Konzept entwickeln solle, in dem es um die kritische Auseinandersetzung mit historischen Straßennamen gehe.

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