Bildung

Anmeldungen führen zu Streit zwischen Gymnasien in Hagen

Das Albrecht-Dürer-Gymnasium an der Heinitzstraße.

Das Albrecht-Dürer-Gymnasium an der Heinitzstraße.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Der Beschluss des Schulausschusses Hagen in Sachen dritte Eingangsklasse am AD ist nicht bindend. Der Rat muss am 4. April entscheiden.

Erregt stellten die Leiter der Hagener Gymnasien nach der Sitzung des Schulausschusses ihren Kollegen Bernhard Scheideler zur Rede. Über den Beschluss, dem Albrecht-Dürer-Gymnasium (AD) eine dritte Eingangsklasse zuzugestehen, konnte sich nur einer von ihnen freuen: Scheideler eben, seines Zeichens Leiter des AD: „Ich bin glücklich, dass die Politik dem Wunsch der Elternschaft Rechnung getragen hat.“

Die übrigen städtischen Gymnasien sehen in der Entscheidung dagegen eine Aufkündigung des Schulkonsenses in Hagen und erwägen sogar, sich an die Bezirksregierung, die den Beschluss ohnehin absegnen muss, zu wenden: „Wir wünschen uns Planungssicherheit und Verlässlichkeit“, so Michael Pütz, Leiter des Christian-Rohlfs-Gymnasiums und Sprecher der Hagener Gymnasien: „Ein Anmeldeverfahren sollte in geordneten Bahnen verlaufen. Die Ausnahmegenehmigung für das AD führt dagegen zu Verwerfungen.“

110 Anmeldungen

Gestern wurde zudem bekannt, dass sich auch der Stadtrat am 4. April mit der Angelegenheit befassen muss. Denn die Entscheidung über die Bildung von Mehrklassen liegt laut Gemeindeordnung beim Rat und nicht bei einzelnen Ausschüssen. Daher ist für die Einrichtung der dritten Eingangsklasse ein Ratsbeschluss erforderlich.

Wie berichtet, hatte das AD 110 Anmeldungen für die fünfte Klassen zu verzeichnen und müsste, da es zweizügig ausgelegt ist, 50 Kindern eine Absage erteilen. Angesichts dieser enormen Diskrepanz gestand der Schulausschuss dem Gymnasium wie schon 2007 und 2013 eine dritte Eingangsklasse zu. Scheideler wies die Anwürfe, er habe den Schulfrieden in Hagen gebrochen, zurück: „Ich kann den Zorn meiner Kollegen überhaupt nicht nachvollziehen.“

Strukturelle Änderungen möglich

Es sei zudem nicht richtig, dass das AD im Jahr 2018, als nur 35 Anmeldungen vorlagen, von Überhängen an den anderen Gymnasien profitiert habe: „Uns wurde im Umverteilungsverfahren vom Schulamt nicht ein einziger Schüler zugewiesen. Dass wir schließlich 48 Fünftklässler hatten, war ausschließlich unserer Eigeninitiative zu verdanken.“ Im nächsten Jahr werde es wieder zwei fünfte Klassen geben.

Trotzdem könnte es mittelfristig zu strukturellen Änderungen in der Hagener Gymnasiallandschaft kommen. Mit Blick auf nur 40 Anmeldungen am vierzügig ausgelegten Ricarda-Huch-Gymnasium sagt Jochen Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung, er halte Konsequenzen für möglich: „Wir werden nachdenken müssen.“ Nicole Pfefferer (Grüne) hatte im Schulausschuss gar laut überlegt, das RHG könne eventuell in seiner Existenz gefährdet sein.

RHG-Leiter Stefan Völker war für unsere Zeitung am Mittwoch nicht zu erreichen. Auch die Bezirksregierung Arnsberg hielt sich mit einer Bewertung der konkreten Situation in Hagen zurück.

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