Rapper-Prozess

Anwalt von Skandal-Rapper Nuhsan C.: Gericht ist nicht objektiv

Mit einem Großaufgebot ist die Polizei Hagen zum Prozess gegen den Rapper Nuhsan C. angerückt. Die Polizei sicherte den Prozessstart gegen Rapper Nuhsan C. vor dem Landgericht Hagen mit Absperrgittern und zahlreichen Einsatzkräften ab.

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Hagen.  Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist in Hagen der Prozess gegen Nuhsan C. gestartet. Rapper-Freund Kollegah nimmt im Gerichtssaal Platz.

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Mit einem Großaufgebot ist die Polizei Hagen zum Prozess gegen den Rapper Nuhsan C. angerückt. Obwohl auch Kollegah erscheint, hält sich der Fanauflauf in Grenzen.

Die Polizei sicherte den Prozessstart gegen Rapper Nuhsan C. vor dem Landgericht Hagen mit Absperrgittern und 100 Einsatzkräften ab. Viele Hagener Beamte waren vor dem Gerichtsgebäude im Einsatz, eine Hundertschaft hielt sich schon am Mittwochmorgen auf einem nahe gelegenen Parkplatz in Bereitschaft. Zum Einsatz gekommen sind diese Beamten nicht.

Polizei beobachtet vor Rapper-Prozess soziale Netzwerke

„Wir haben in den letzten Tagen die sozialen Netzwerke intensiv beobachtet“, erklärt Polizeisprecher Sebastian Hirschberg. Nuhsan C., der als „Jigzaw“ Karriere machen will, und Kollegah selbst hatten dort immer wieder den Prozess von dem Landgericht Hagen angekündigt und die Fans aufgefordert, nach Hagen zu kommen.

Angesichts des Auflaufs bei der Entlassung von Nuhsan C. aus der Untersuchungshaft und bei einer T-Shirt-Aktion für „Jigzaw“-Fans in der Innenstadt vor einigen Wochen rechnete die Polizei mit einem massiven Andrang. „Wir sind zum Teil von mehr als 1000 Menschen ausgegangen“, so Hirschberg.

Verhandlung startet mit Verspätung

Am Ende waren die 49 Plätze im Saal von Kollegah, Freunden, Fans und einigen Interessierten besetzt. Vor dem Gerichtsgebäude warteten neben Kamerateams rund 30 größtenteils jugendliche Anhänger der beiden Rapper. Auffälligkeiten konnte Hirschberg bis zum Mittag nicht vermelden.

Im Gerichtssaal startete die Verhandlung mit knapp halbstündiger Verspätung: Skandal-Rapper Nuhsan C. (25) muss sich vor dem Gericht um den Vorsitzenden Richter Dieter Krause wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Rapper war nach einem Angriff mit einer Machete im Juli 2017 vor einem Wettbüro am Wilhelmsplatz in Wehringhausen vom Amtsgericht Hagen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt.

Gericht richtet einen Sondersaal für Prozess ein

Nicht zuletzt, weil das Gericht eigens einen Sondersaal für den Rapper-Prozess eigerichtet hat („sicherlich einmalig in der Geschichte der Hagener Justiz“), aber auch aufgrund zahlreicher Hinweise, die er rund um den Prozess erhalten habe, zieht Christof W. Miseré, einer von zwei Verteidigern, die Objektivität des Gerichts in Zweifel. „All das nährt die Befürchtung, dass Rapper und Fans unter Generalverdacht gestellt werden.“

Nuhsan C. selbst, der immer wieder von Richter Dieter Krause zur Zurückhaltung ermahnt werden musste, hatte seine Sicht der Dinge bereits in einem Video in sozialen Netzwerken gepostet.

Nuhsan C.: "Ich wollte Karriere machen"

Vor Gericht wiederholte der Rapper, der bereits als Jugendlicher zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden war, was er im Internet per Sprechgesang mitgeteilt hatte. Tenor: Er sei vom späteren Opfer an diesem Tag ohne jeden Grund beleidigt, verfolgt, brutal gewürgt und schließlich mit gezücktem Messer angegriffen worden und habe sich lediglich in Notwehr verteidigt. „Ihm lief der Schaum aus dem Mund“, so Nuhsan C., „ich wollte keinen Stress, ich wollte Karriere machen.“ Das spätere Opfer sei aber hinter ihm her und habe gerufen „Ich töte dich, ich töte dich“.

Nach der Tat, so Nuhsan C., sei er aus Angst, dass ihm niemand glaube, geflüchtet. Wochenlang fahndete die Polizei nach dem Rapper, der die Ermittler in Videobotschaften verhöhnte.

Vermeintliches Opfer schildert eine andere Version der Geschichte

Eine ganz andere Variante des Geschehens präsentierte das heute 26-jährige Opfer dem Gericht. Der Pole, der als Dachdecker gerade in Hamburg arbeitet, tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Es sei zu einem Streit an jenem Tag in Wehringhausen gekommen. Er selbst habe zuvor Jägermeister zu sich genommen, sei angetrunken gewesen.

Dass er den Streit begonnen habe, wolle er nicht ausschließen. Allerdings bestritt er jeden körperlichen Angriff auf Nuhsan C. Auch ein Messer habe er nicht bei sich gehabt. „Nuhsan hat versucht, mir die Kehle durchzuschneiden“, so der 26-Jährige, der viel Blut verloren hatte und in einer Hagener Klinik notoperiert werden musste, „zwei- oder dreimal hat er mit einer Machete zugeschlagen.“

Nuhsan C. war nach dem Urteil in erster Instanz eingefahren. Anfang Juni kam der Rapper gegen Kaution frei. Die fälligen 40.000 Euro hatte Kollegah in bar eingezahlt und „Jigzaw“ persönlich an der Justizvollzugsanstalt Hagen abgeholt.

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