Umwelt

Anwohner bleiben trotz Investition in Lärmschutz skeptisch

Anwohner fühlen sich durch den Lärm der Härterei Schmidthaus gestört. Das Unternehmen investiert, um das Problem zu lösen.

Anwohner fühlen sich durch den Lärm der Härterei Schmidthaus gestört. Das Unternehmen investiert, um das Problem zu lösen.

Foto: Michael Kleinrensing

Breckerfeld.   Einen sechsstelligen Betrag investiert eine Härterei in Breckerfeld in den Lärmschutz. Anwohner bleiben trotzdem skeptisch.

Eine Lösung der Lärm-Problematik rund um die Härterei Schmidthaus zeichnet sich ab. So sehen es zumindest das Unternehmen, das gerade eine hohe sechsstellige Summe investiert, um alle Grenzwerte einhalten zu können, und der Ennepe-Ruhr-Kreises.

Anwohner, die sich über den Krach beschwert hatten bleiben hingegen äußerst skeptisch. Sie fühlen sich weiter gestört und vom EN-Kreis nicht ernstgenommen.

Der Auslöser des Streits

Schockartig, so beschreiben es Friedhelm Nieland, Klaus-Dieter Böhm und Franz-Josef Kersting, trete der Lärm, der von den beiden Werken der Firma Schmidthaus ausgehe, auf. „Man kann sich nicht darauf vorbereiten, sich nicht wehren“, so der Mediziner Böhm. Der Lärm dauere gelegentlich 15 bis 20 Minuten an – trete mehrmals täglich auf. An warmen Tagen häufiger, an kühlen Tagen etwas seltener.

Nachvollziehen kann Schmidt­haus-Geschäftsführer Dirk Schmale (zumindest dieser Tage) den Ärger der Anwohner nicht mehr. „Wir steuern ja gegen. Bei den kühlen Temperaturen derzeit arbeiten wir nur bei geschlossenen Türen. Vor diesem Hintergrund sehen wir die Lärmproblematik momentan gar nicht“, erklärt Dirk Schmale im Gespräch mit der Redaktion.

Zweifel an der Objektivität der Gutachter

Die Härterei hatte einen Gutachter beauftragt, um die Lärmbelastung objektiv zu messen. Die Beschwerdeführer kennen die Ergebnisse nicht. Gleichwohl wundern sie sich, dass das Unternehmen die Expertise in Auftrag gegeben hat und nicht der Kreis. „Da stellt sich doch die Frage, ob die Verantwortlichen nicht wissen, wann gemessen wird.“

Natürlich habe man gewusst, wann gemessen worden sei, erklärt Dirk Schmale dazu. Man habe die Messungen bewusst unter größtmöglicher Lärmbelastung bei geöffneten und geschlossenen Toren durchgeführt. „Wir haben gar kein Interesse daran, Werte zu schönen“, sagt Schmale, der unterstreicht, dass es sich um eine neutrale Expertise handelt. „Wir wollen ja, dass das Geld, das wir ausgeben, so investiert ist, dass das Problem vom Tisch ist.“

Maßnahmen gegen den Lärm

Böhm, Nieland und Kersting, die unter den Nachbarn 47 Unterschriften gesammelt haben und die nach eigener Aussage dazu von vielen Anwohnern auch aus benachbarten Straßen Zustimmung erhalten haben, fürchten, dass sich auch künftig nichts am Lärm ändert. Anfang Dezember, so hatte es ihnen der Kreis in einem Schreiben mitgeteilt, solle sich die Situation bessern. „Davon kann allerdings nicht die Rede sein“, erklärt Friedhelm Nieland. „Künftig dürfen im Werk II an acht Stunden am Tag die Tore offenstehen. Das ist nicht hinzunehmen.“

Dirk Schmale verweist darauf, dass alles Bestellungen erledigt und das Projekt im Zeitplan liege. „Wenn wir alles umgesetzt haben, was wir mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis abgestimmt haben, werden wir alle Richtwerte einhalten“, so Schmale. Eine weitere Begutachtung werde folgen. Hinzu komme, dass man am Werk 2 neben gesteuerten Rolltoren, die ein Öffnen in der Nacht gar nicht und tagsüber nur für maximal acht Stunden zulassen, auf eine zusätzliche Maßnahme setze. Man werde eine „Umhausung“ bauen. Im Werk 1 wird eine schallgedämpfte Absauganlage eingebaut.

Keine direkte Kommunikation

Einen direkten Kontakt zwischen Firma und Anwohnern gibt es nicht. Zu verhärtet scheinen die Positionen. Stattdessen wenden sich die Beschwerdeführer an den Fachbereich Umwelt beim Kreis, an den auch Dirk Schmale sie verwiesen hat. „Vernünftige Gespräche waren nicht möglich“, so Schmale.

„Vom Kreis fühlen wir uns nicht ernst genommen“, sagt Franz-Josef Kersting nach dem letzten Schreiben, in dem Wolfgang Flender, Fachbereich Immissionsschutz die Aufgaben des Kreises und die gesetzlichen Grundlagen umrissen hat. „Man zieht sich auf Paragrafen zurück, anstatt uns zu unterstützen.“

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