Arbeitsgericht

Caritas muss Mitarbeiter nach zweiter Ehe weiterbeschäftigen

Der Caritasverband Hagen, hier die Zentrale an der Hochstraße, muss einen freigestellten Mitarbeiter weiter beschäftigen.

Der Caritasverband Hagen, hier die Zentrale an der Hochstraße, muss einen freigestellten Mitarbeiter weiter beschäftigen.

Hagen.   Der Caritasverband hatte einem siebenfachem Vater gekündigt, weil er zum zweiten Mal heiratete. Zu Unrecht, befand nun das Arbeitsgericht.

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Der Caritasverband Hagen hat vor dem Arbeitsgericht eine heftige Schlappe einstecken müssen. Die katholische Wohlfahrtsorganisation muss einen langjährigen Mitarbeiter (55), den sie fristlos entlassen hatte, weiterbeschäftigen. Der Grund für die Kündigung des siebenfachen Vaters: Sieben Jahre nach seiner Scheidung hatte er erneut geheiratet.

Klage: Caritas Hagen entlässt Vater nach der zweiten Hochzeit

Ein Mitarbeiter der Caritas Hagen ist entlassen worden, weil er nach der Trennung von seiner Frau ein zweites Mal geheiratet hat. Dagegen klagt der siebenfache Vater vorm Arbeitsgericht Hagen. Es spricht Felix Nobbe, Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Klage: Caritas Hagen entlässt Vater nach der zweiten Hochzeit

Bernadette Rupa (58), Vorstandsvorsitzende der Caritas, machte sich am Dienstag bei der 4. Kammer des Arbeitsgerichts unbeliebt: „Wir sind nicht erfreut, sie hier heute nicht zu sehen“, machte Richterin Nicole Pfeiffer aus ihrer Verärgerung keinen Hehl. Denn bereits vor Wochen war der erste Kammertermin geplatzt, weil sich Rupa zu diesem Zeitpunkt in den Urlaub abgemeldet hatte.

Doch beim eigens angesetzten zweiten Verhandlungstermin fehlte die Frau aus der Caritas-Spitze erneut urlaubsbedingt – „obwohl das Gericht sie geladen und ihr persönliches Erscheinen ausdrücklich angeordnet hatte“, stellte Richterin Pfeiffer zerknirscht fest.

15 Jahre lang in Leitungsfunktion

Ein Vierteljahrhundert war der Kläger beim katholischen Wohlfahrtsverband in Hagen angestellt. Ab September 1992 absolvierte er dort sein Anerkennungsjahr als Sozialarbeiter, arbeitete acht Jahre lang in der Caritas-Behindertenwerkstatt und übernahm dann die Leitung des St.-Barbara-Wohnhauses in Altenhagen – eine Einrichtung, in der 36 Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen leben. 15 Jahre lang war er dort der Chef. Im März 2016, so Caritas-Anwalt Wolfgang Brück ohne nähere Erläuterung, habe man ihn aber nicht mehr als Einrichtungsleiter haben wollen. Auch diese Sache landete vor dem Arbeitsgericht und wurde zu Ungunsten der Caritas entschieden.

Zuletzt war der Kläger mit seinem monatlichen Bruttogehalt von 5001,65 Euro (Entgeltgruppe S 16) mit „Rechercheaufgaben und der Konzeptentwicklung für Projekte in der Behindertenhilfe in Hagen“ befasst, als er am 9. August 2017 von der Hagener Caritas die außerordentliche, also fristlose, Kündigung mit sozialer Auslauffrist zum 31. März 2018 erhielt.

Der Grund: Der Mitarbeiter, der in erster Ehe 20 Jahre lang verheiratet war und 2010 geschieden wurde, hatte es gewagt, am 1. Juli 2017 erneut zu heiraten.

Aus Sicht des katholischen Sozialverbands in Hagen der „Abschluss einer unzulässigen Zivilehe, der geeignet sei, ein erhebliches Ärgernis zu erregen und die Glaubwürdigkeit der Kirche zu beeinträchtigen“. Insofern habe Caritas-Chefin Bernadette Rupa dem Kläger gegenüber auch niemals zugestanden (was dieser behauptet), „eine erneute Eheschließung sei unproblematisch“.

Interessen nicht richtig abgewogen

„Damit hat sich die Hagener Caritasvorstandsfrau über die liberale Vorgabe der katholischen Bischöfe deutlich hinweggesetzt“, die diese 2015 in der geänderten Grundordnung des Kirchlichen Dienstes mit großer Mehrheit beschlossen hatten“, betont Kläger-Anwalt Felix Nobbe (Recklinghausen).

Die 4. Kammer des Arbeitsgerichts entschied am Dienstag: Der Kläger muss weiterbeschäftigt werden. Eine Interessenabwägung sei vor Ausspruch der Kündigung nicht hinreichend durchgeführt worden. Insbesondere sei nicht näher dargelegt worden, warum durch die zweite Heirat ein Ärgernis erregt worden sein soll.

Die Caritas wird keine Rechtsmittel einlegen, so Vorstandsmitglied Andrea Gockel zu unserer Redaktion: „Wir akzeptieren das Urteil der Arbeitsgerichtsbarkeit.“ Der Mitarbeiter werde weiter dem Urteil entsprechend beschäftigt. Richterin Nicole Pfeiffer zum Kläger: „Dann hoffen wir, dass es bei Ihnen jetzt angenehmer weitergehen wird.“

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