Haspe. Die Organisation für die Hasper Brauchtumswochen steht. Aber auch bei den Traditionalisten steht nach den Festtagen eine Zeitenwende ins Haus.

Es gilt, eine der ältesten Brauchtumstraditionen in Hagen zu bewahren, wenn sich am Samstag, 17. Juni, ab 14.30 Uhr zum 142. Mal der Hasper Kirmesfestzug mit vier Kapellen sowie reichlich ULK-Wagen und Fußgruppen durch den Westen der Stadt schlängelt. Doch die Pflege einer geliebten Tradition bedeutet für den Hasper Heimat- und Brauchtumsverein (HHBV) eben auch, genau das zu tun, was zurzeit allerorten en vogue ist – eine Zeitenwende einzufädeln.

„Die Kirmes genießt nicht mehr den besten Ruf – wir sind auf dem absteigenden Ast“, formuliert HHBV-Vizepräsident Thomas Eckhoff gewohnt unverblümt und selbstkritisch mit Blick auf ähnliche Festivitäten in Voerde und Gevelsberg. „Wir haben nach den schwierigen Corona-Jahren zunächst einmal versucht, wieder etwas Vertrautes anzubieten“, weiß er durchaus, dass sich das einst größte Volksfest in Nordrhein-Westfalen dringend neu erfinden muss, wenn es nicht schleichend im Tal des Vergessens verschwinden möchte.

HHBV-Biergarten wird verlegt

Erste Veränderungen werden bereits in diesem Jahr auf der Kirmesmeile am Ernst-Meister-Platz sowie rund um den Kreisel sichtbar, verspricht Schausteller-Chef Dirk Wagner ein „neues Gesicht“, ohne vor der finalen Abstimmung ins Detail gehen zu wollen. So wird der Biergarten des HHBV mit Bühne und zwei Getränkeständen diesmal nicht vor dem Gotteshaus an der Frankstraße aufgebaut, sondern vor Kopf auf dem Meister-Platz. „Damit möchten wir mehr Leute auf den Platz ziehen“, versprechen sich Eckhoff und Wagner eine bessere Resonanz, obwohl der Kirmes-Spaß in diesem Jahr sogar um einen Tag verkürzt wird.

Die Zylinder der Wolkenschieber bilden in diesem Jahr das Motiv für den Kirmespin 2023. Die Devotionalie für den guten Zweck, die hier von HHBV-Vizepräsident Thomas Eckhoff präsentiert wird, ist bereits allerorten in Haspe erhältlich.
Die Zylinder der Wolkenschieber bilden in diesem Jahr das Motiv für den Kirmespin 2023. Die Devotionalie für den guten Zweck, die hier von HHBV-Vizepräsident Thomas Eckhoff präsentiert wird, ist bereits allerorten in Haspe erhältlich. © WP | Michael Kleinrensing

Aber der HHBV-Vize unterstreicht zugleich, dass mit den im März kommenden Jahres anstehenden Vorstandswahlen erneut eine Verjüngung vorangetrieben werden müsse, um bei den 58 Vereinen mit ihren etwa 1000 Mitgliedern unter dem HHBV-Dach einen Häutungsprozess einzuleiten und sich neu auszurichten. Dabei soll der Fokus nicht bloß auf die Jugend, sondern auch die gezielte Ansprache der Migranten sowie der Hasper Schulen gerichtet werden, damit die Hasper Traditionskultur ins 21. Jahrhundert hinein bewahrt werden kann. Dabei soll unter anderem die Frage beantwortet werden, ob künftig nicht auch Wolkenschieberinnen zu den Traditionsfiguren zählen könnten oder Kirmesbauer Michael Kröner mal von einer Kirmesbäuerin abgelöst wird. Bezirksbürgermeister Horst Wisotzki möchte zudem den Hasper AK’90, dessen Fokus bislang auf dem interkulturellen Familienfest liegt, künftig auch für die Kirmestradition gewinnen.

Noch Restkarten für den Kommers

Doch vor dem eigentlichen Kirmes-Wochenende traditionell am dritten Juni-Samstag, steigt bereits am Samstag, 3. Juni, um 19 Uhr (Einlass: 17.30 Uhr) im Hasper „Boni“, Berliner Straße 110a, der Kirmes-Kommers mit der Inthronisierung des neuen Iämpeströters und Nachfolgers von Armin vom Orde. Für den launigen Abend mit vielfältigem Rahmenprogramm und Rhythmen von DJ Hans (Sauerlandstern Willingen) bis spät in die Nacht gibt es noch Restkarten, die unter thomas.eckhoff@hasper-kirmes.de reserviert werden können.

Zum Wolkenschieberfest lädt der HHBV dann am Freitag und Samstag, 9./10. Juni, zur alten Feuerwache, Enneper Straße 4, ein. Dort steht am Samstag um 15 Uhr dann auch die Vereidigung der Zylinder-Garde an, die am Kirmeswochenende für bestes Wetter sorgen soll.

Im „Boni“ steht dann am Kirmessamstag, 17. Juni, dann um 10.30 Uhr dann noch das traditionelle Erbsensuppenessen (Karten: thomas.eckhoff@hasper-kirmes.de) auf dem Programm, bei dem diesmal mangels dramatischer Sünden niemand befürchten muss, mit dem „Hasper Bolzen“ dekoriert zu werden. Dafür werden Verdienstmedaillen, Ritterwürden und die Heimatkette verliehen, bevor „Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp“ – ähnlich wie bei der Herrensitzung der Blau-Weißen Funken in der Stadthalle – den Saal humoristisch auf links dreht.