Hohenlimburg

Arzthelferin Vera: Abschied nach 48 Jahren in einer Praxis

Lesedauer: 4 Minuten
Vera Jackiw tritt in Hohenlimburg in der Praxis Schoppmann in den Ruhestand Das Bild zeigt sie mit Blumenstrauß in der Mitte ihres Praxis-Teams.

Vera Jackiw tritt in Hohenlimburg in der Praxis Schoppmann in den Ruhestand Das Bild zeigt sie mit Blumenstrauß in der Mitte ihres Praxis-Teams.

Foto: Frauke Höller

Hohenlimburg.  Am letzten Tag würdigen die Kollegen eine Hohenlimburgerin, die ihr Arbeitsleben in einer einzigen Praxis verbracht hat. Porträt eines Unikats.

Als Vera Jackiw am vergangenen Freitagnachmittag das letzte Mal offiziell als Mitarbeiterin in der Praxis von Dr. Thomas Schoppmann steht, sind die Gefühle geteilt – bei der 63-Jährigen und ihren Kollegen herrscht eine Mischung aus Abschied und Vorfreude auf das, was kommt. Die Hohenlimburgerin hat 48 Jahre lang in der gleichen Praxis gearbeitet und wurde nun in den Ruhestand entlassen. Ein ganzes Arbeitsleben am selben Ort.

Mit 16 Jahren hatte Vera Jackiw ihre Ausbildung in der Unfallchirurgie bei Dr. Hasse in der Freiheitsstraße 2 begonnen. Nachdem ihr ehemaliger Chef die Praxis verließ, übernahm Dr. Bartsch die Praxisräumlichkeiten. Nach seinem plötzlichen Tod begann dann Dr. Thomas Schoppmann in der Freiheitsstraße als Chirurg – für den sie bis zum vergangenen Freitag arbeitete. Damit hat die Hohenlimburgerin 48 Jahre lang in der gleichen Praxis gearbeitet.

Hausarzt kam nie in Frage – das war ihr nicht spannend genug

Für die Ausbildung und den Beruf hatte sie sich ganz bewusst entschieden: „Bei einem Hausarzt zu arbeiten, kam für mich nicht in Frage“, so Jackiw, „das war mir viel zu langweilig. Als Jugendliche habe ich beim Roten Kreuz beim Blutspenden geholfen und dort immer die Nadeln rausziehen dürfen. Dadurch bin ich auf den Job gekommen.“

Die Arbeit hat ihr große Freude bereitet. Sie hing daran. „Als 2014 das Röntgengerät abgebaut wurde, hatte Vera sogar ein kleines Tränchen im Auge“, sagt Dr. Thomas Schoppmann. Und die jetzige Rentnerin war die, die stets Bescheid wusste, was wo zu finden war, sagt der Mediziner: „Vera ist ein Phänomen. Wenn jemand gesagt hat, dass er etwas Bestimmtes sucht, ist sie kurz in sich gegangen und hat die Sache stets gefunden. Sie ist in hohem Maße zuverlässig. Deshalb ist der Satz ‚Musst du Vera fragen‘ ein Klassiker bei uns.“

Wandel und Umstellung in einer digitalen Praxiswelt durchlebt

Dass die Hohenlimburgerin so viel im Gedächtnis behält, liegt vermutlich daran, dass sie in ihrer Zeit in der Praxis ständigen Wandel und Umstellung miterlebt hat. Der Verwaltungsaufwand in Arztpraxen sei enorm gestiegen und die Technik habe sich stark verändert, erklärt auch Dr. Schoppmann: „Als ich die Praxis übernommen habe, hatten wir zwei Computer, heute sind es acht. Das liegt unter anderem an Qualitätssicherungen oder neuen Hygieneplänen.“

Besonders aufgefallen ist der 63-Jährigen in den vergangenen Jahren auch die Veränderung der Art von Unfällen, die in die chirurgische Praxis kommen: „Als wir angefangen haben, hatten wir etwa 3000 Betriebsunfälle im Jahr. Als wir vor sieben Jahren damit aufgehört haben, waren es etwa 400. Das hängt vermutlich mit den stärkeren Sicherheitsmaßnahmen in Betrieben zusammen.“

Es gab nie einen Kollegen, mit dem sie sich nicht verstanden hat

Aber es ist nicht nur die Arbeit, die Jackiw so lange in der gleichen Praxis gehalten hat: „In all den Jahren gab es nie eine Kollegin oder einen Kollegen, mit dem ich mich nicht verstanden habe. Wir hatten immer alle ein gutes Verhältnis miteinander“, erzählt die 63-Jährige. Das ist auch der Grund, warum sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht. „Ich freue mich auf das, was kommt“, hat sie schon einige Pläne für den Ruhestand: „Ich kann jetzt mehr Zeit mit meinem Enkel verbringen und mehr im Garten machen.“

Dass ihre Kollegin Vera sie jetzt verlässt, bedauert das Praxis-Team sehr: „Vera macht die besten Leberwurstbrote der Welt“, sagt Kollegin Stefanie Hahnke. Und auch Jackiw weiß: „Ich werde sie alle vermissen, aber nach Corona holen wir den Abschied mit einem Grillfest nach.“

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