Neue Deutsche Welle

Auf Tour durch Wehringhausen zu vergessenen Musik-Stätten

In der Bismarckstraße 18 war früher die Kneipe Sumpfblüte.  

In der Bismarckstraße 18 war früher die Kneipe Sumpfblüte.  

Foto: Yvonne Hinz

Wehringhausen.   Neue-Deutsche-Welle-Expertin Heike Wahnbaeck zeigt einstige Kultorte der Musikszene in Hagen-Wehringhausen.

Die Stätten, in denen sich vor rund 40 Jahren die Szene traf und Musiker der Neuen Deutschen Welle ein- und ausgingen, ­sehen heute meist unscheinbar aus. Nichts deutet darauf hin, dass hier spätere NDW-Hits entstanden sind und richtungsweisende Musikverträge unterschrieben wurden.

Wir gehen mit Heike Wahnbaeck, die das Festival „Hagen, Popstar, Glück“ organisiert und die Ausstellung „Komm nach Hagen . . . mach dein Glück“ kuratiert hat, auf Tour. Auf Tour zu den vergessenen Stätten.

1. Büro von Wiehagen und Masuch

Wir fahren langsam die Pelmke­straße hoch. Heike Wahnbaeck kennt die Hausnummer des Gebäudes, das wir suchen, nicht mehr, „wenn ich das Haus sehe, weiß ich sofort, dass es das richtige ist“, sagt die NDW-Expertin.

Kurz darauf stoppt sie ihren Wagen, „hier ist es“. Wir haben das Haus, in dem früher das Büro von Wiehagen und Masuch beheimatet war, gefunden. Hier, in einem einst flachen Anbau, waren die Anfänge des Musikverlags von Hartwig Masuch.

Masuch ist mittlerweile Chef der Bertelsmann Music Group (BMG, wir berichteten). „In dem Anbau haben die ,Stripes’ – Nenas erste Band – die ersten Verträge unterzeichnet“, weiß Heike Wahnbaeck.

Vor Jahrzehnten war dort ein kleines Lebensmittelgeschäft beheimatet, später der Musikverlag, dann ein Handwerksbetrieb. Heute befinden sich dort zwei Garagen.

2. Pelmke-Kulturzentrum

Weiter geht’s am Pelmke-Kulturzentrum vorbei, das 1986 eröffnet wurde und auch heute noch Treff der Wehringhauser Szene und vieler Musiker ist.

3. Kneipe Klarsicht

Wir fahren in Richtung Bodelschwinghplatz, besser gesagt zur Augustastraße 58. Dort war früher das „Klarsicht“. „Die Kneipenszene veränderte sich in den 1980er Jahren. In war nun, was cool war“, erinnert sich Heike Wahnbaeck.

„Das Klarsicht war eine der neuen Kneipen in Hagen. Anna Wanisch hieß die Wirtin. Wände, Stühle, Tische, Tassen und Teller – alles war in Weiß und schnörkellos gehalten. Ein Stil, der aus Berlin rübergeschwappt war.“ Hier hätten etliche Konzerte von „Extrabreit“, „Stripes“ und „Kein Mensch“ stattgefunden, „die Musiker der Bands traf man fast jeden Abend hier. Schade, wie erbärmlich das Haus heute aussieht“, urteilt Heike Wahnbaeck.

4. Kneipe Sumpfblüte

Wir halten mit dem Auto vor der früheren Kneipe Sumpfblüte. Der Gastrotreff in der Bismarckstraße 18 wurde damals von „Rainer“ betrieben.

Links neben dem Tresen befand sich eine alte Stahltür, durch die man nicht nur zum ­Toilettentrakt gelangte, sondern um zwei Ecken herum auch in das „Reggae-Büro“ kam, das Extrabreit damals für ein Jahr bewohnte. Dort fand auch ein Extrabreit-Benefizkonzert statt; der Erlös ging an die Hausbesetzer im Haus gegenüber.

Heike Wahnbaeck erzählt aus den wilden Jahren, kennt etliche Anekdoten von damals. Wir fahren weiter.

5. Extrabreit-Büro

„Anfang der 1980er Jahre hatten die Breiten ein Büro in der oberen Etage in der Augustastraße 37. Das übrige Gebäude wurde von der Firma Hahn genutzt“, erzählt die Fachfrau in Sachen NDW und zeigt auf zwei unauffällige Fenster im Dachgeschoss.

„Um die Miete für die Räume zahlen zu können, sind die Breiten – wie alle Musiker damals – nachts Taxi gefahren.“

6. Bodelschwinghplatz

Wir fahren nochmal am Bodelschwinghplatz vorbei, „ja, hier traf sich früher die Szene, hier wurde bis tief in die Nacht diskutiert und man tauschte sich aus.“, sagt Heike Wahnbaeck.

7. Schlachthof

Dann nehmen wir uns den Schlachthof vor. In der Schlachthofstraße herrscht Stille, die meisten Betriebe von einst sind längst geschlossen.

Der morbide Charme des Areals mit Zerlegungsbetrieben hat schon damals häufig als Szenerie für schräge Fotos herhalten müssen. Auch Extrabreit hat den Schlachthof einst für ein Foto-Shooting genutzt. Ennow Stelow lichtete damals Gitarrist Stefan Klein (Kleinkrieg), Drummer Rolf Möller, Gitarrist Ulli Ruhwedel , Bassist Wolfgang Jäger (Hunter) und Sänger Kai Schlasse (Kai Havaii) in skurriler Pose ab. Kai Havaii liegt ausgestreckt auf einem Wagen und erinnert an ein geschlachtetes Schwein.

Wir könnten die Tour durch Wehringhausen noch Stunden fortführen, doch Heike Wahnbaeck muss zurück. Termine rund um die Ausstellung „Komm nach Hagen...mach dein Glück!“ stehen auf dem Programm der Kuratorin.

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