Notfälle

Augenärzte stellen Notdienst ein: Hagener müssen nach Bochum

Die augenärztliche Notfalldienstpraxis für Hagener Patienten befindet sich jetzt in Bochum.

Die augenärztliche Notfalldienstpraxis für Hagener Patienten befindet sich jetzt in Bochum.

Foto: Kleinrensing

Hagen.   Die niedergelassenen Augenärzte in Hagen bieten keinen Notdienst mehr an. Außerhalb der Sprechzeiten müssen Patienten jetzt nach Bochum fahren.

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Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat den augenärztlichen Notdienst in Hagen abgeschafft und eine zentrale Notfalldienstpraxis in Bochum eingerichtet. Die Hagener Augenärzte bieten ab sofort keinen Notdienst mehr an.

Wer außerhalb der regulären Sprechstunden einen Augenarzt benötigt, muss jetzt nach Bochum fahren. In der Augenklinik des St.-Josefs-Hospitals Altenhagen werden nur noch akute Notfälle behandelt, deren Beschwerden keinen Aufschub dulden.

Gesetz schreibt Neuorganisation vor

Bislang haben die Augenärzte in Hagen gemeinsam mit Kollegen aus dem benachbarten Ennepe-Ruhr-Kreis den Bereitschaftsdienst selbst organisiert und sich dabei abgewechselt. „Im Prinzip sind wir gut zurecht gekommen“, sagt die Hagener Augenärztin Dr. Andrea Lützenbürger: „Die Neuorganisation des Notdienstes ist politisch gewollt.“

Das bestätigt Dr. Eckhard Kampe, bei der KVWL zuständig für die Organisation des Notdienstes. Das Terminservice-Versorgungsstrukturengesetz (TSVG) schreibe den Medizinern vor, sämtliche Notdienste bis spätestens 2022 zu zen­tralisieren. Die augenärztliche Notfalldienstpraxis am Knappschaftskrankenhaus in Bochum sei nun Anlaufstelle für alle Patienten aus Hagen, Herne, Bochum und dem EN-Kreis.

Viele Ärzte älter als 65

Patienten, die außerhalb der Praxisöffnungszeiten, zum Beispiel an Wochenenden oder Feiertagen, einen Augenarzt aufsuchen wollten, müssten jetzt nicht mehr recherchieren, welcher Mediziner Dienst habe, sondern könnten sich direkt an die neue Praxis in Bochum wenden bzw. würden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst ( 116/117) dorthin verwiesen.

Im Grunde sei an der Zentralisierung des Notdienstes, die am 1. Februar in Kraft getreten ist, kein Weg vorbei gegangen, so Kampe. Viele Ärzte hätten das 65. Lebensjahr, ab dem sie keine Notdienste mehr übernehmen müssen, überschritten. Andererseits fänden sie keinen Nachfolger für ihre Praxen. Demzufolge gebe es immer weniger Ärzte, die am Notdienst teilnehmen: „Wir müssen also möglichst große Gruppen zusammenfassen, um überhaupt noch einen vernünftigen Notdienst aufrechterhalten zu können.“

Nach Bochum verweisen

Aber auch die neue Notfalldienstpraxis hat ihre festen Öffnungszeiten (siehe Box). Ist sie geschlossen, müssen sich Patienten an die Augenklinik des Knappschaftskrankenhauses wenden, die dann für die Notfallversorgung zuständig ist.

Im Hagener St.-Josefs-Hospital werden dagegen nur noch Notfälle aufgenommen, die sofort behandelt werden müssen: „Wir können nicht anders, als Patienten mit geringeren Beschwerden nach Bochum zu verweisen“, berichtet Professor Martin Hermel, Chefarzt der Augenklinik in Hagen: „Erstens sieht das System das so vor. Außerdem haben wir nicht genug Personal, um den Notdienst gewährleisten zu können.“

Auch Dr. Hermel verwies darauf, dass es Ausdruck politischen Willens sei, den ambulanten Notdienst in zentralen Praxen zu organisieren.

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