Neu Deutsche Welle

Ausstellung mit der Botschaft „Lebt eure Träume“ in Hagen

Die ersten Besucher: Die Ausstellung „Hagen, Popstar, Glück“ im Osthaus-Museum ist bis zum 23. September im Osthaus-Museum zu sehen.

Die ersten Besucher: Die Ausstellung „Hagen, Popstar, Glück“ im Osthaus-Museum ist bis zum 23. September im Osthaus-Museum zu sehen.

Hagen.   Die Ausstellung „Hagen, Popstar, Glück“ im Osthaus-Museum in Hagen ist eröffnet. Kuratorin Heike Wahnbaeck spricht über die Neue Deutsche Welle.

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Der Dachboden muss leer sein. Der Dachboden mit all den Kisten, den Fotos, den Erinnerungen. Es war vor gut vier Jahren, als Heike Wahnbaeck hinaufgeklettert ist und einen Blick in die Kartons geworfen hat. Es war zu Beginn einer Idee, die in einem Abend in der Hagener Kulturreihe Muschelsalat enden sollte. „Komm’ nach Hagen, werde Popstar, mach’ dein Glück“ heißt das Festival, das jetzt aus dieser Idee geworden ist und gestern mit einer Ausstellung im Osthaus-Museum eröffnet wurde. Einen Monat lang geht es in der Stadt um die Impulse, die die Neue Deutsche Welle vor 40 Jahren von Hagen aus geprägt haben. Unsere Zeitung sprach mit der Kuratorin, die mit dem verstorbenen Grobschnitt-Gitarristen „Hunter“ verheiratet war.

Ziehen Sie heute noch Platten aus dieser Zeit aus dem Schrank?

Heike Wahnbaeck: Nicht wirklich. So sentimental bin ich nicht. Bei mir haben sich die Hörgewohnheiten geändert. Viele Stücke, bei denen mein Mann mitgespielt hat, machen mich heute eher traurig.

Hätten Sie als junge Frau gedacht, dass das, was Sie selbst miterlebt haben, ein Museum füllen kann?

An eine Ausstellung habe ich natürlich nicht gedacht. Aber dass die Zeit damals unheimlich intensiv, unheimlich schnell war, dass sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten auftun – das war uns allen irgendwie klar.

Für wen traf das zu?

Hagen Ende der 70er – das war verbunden mit dem Niedergang der Stahlindustrie. Die jungen Menschen zogen in die Wohnungen der Arbeiter. Wer schnell war, wer kreativ war, wer richtig reagiert hat, der konnte damals in ganz verschiedenen Bereichen eine Karriere starten. Das galt nicht nur für die Musiker auf der Bühne, sondern beispielsweise auch für die Techniker dahinter. Dazu kamen Menschen wie Extrabreit-Manager Jörg Hoppe, der später Mitbegründer des Musiksenders VIVA wurde, oder der heutige BMG-Chef Hartwig Masuch, der mit anderen damals das Rockranch-Studio im Stadtteil Vorhalle gründete. Sie haben anderen Leuten Möglichkeiten eröffnet, die es vorher nicht gab.

Was hat diese Zeit für Sie persönlich ausgemacht?

Ich war ja mit einem Musiker zusammen, wir haben in WGs gelebt, waren viel unterwegs. Wir hatten immer andere Musiker um uns herum. Da war immer etwas los. Wenn Nena beispielsweise behauptete, dass sie bessere Frikadellen machen konnte als Hunter, dann haben wir einen Wettbewerb gestartet. Nena hat gewonnen. Aber ich glaube bis heute nicht, dass das korrekt abgelaufen ist.

Was damals in Hagen funktioniert hat, klappt heute nicht mehr. Warum?

Heute sind die Möglichkeiten noch ganz andere. Man muss sich gar nicht mehr wegbewegen. Man kann im Wohnzimmer ebenso sein Studio haben wie seine Produkte vertreiben. Die Wege und die Karrieren sind andere. Und: Niemand geht mehr in einen Laden und trägt ganz stolz eine Platte nach Hause und hört sich die wieder und wieder an. Auch Musik wird heute ganz anders konsumiert.

Mitte der 80er Jahre ebbte der Erfolg junger Musiker aus Hagen ab – wieso?

Neue Deutsche Welle: Die glorreiche Hagener Musikdekade

Es braucht einfach für so eine Entwicklung die richtigen Persönlichkeiten. Menschen, die intuitiv sehen, wo die richtigen Netzwerker sind, die intuitiv Strömungen erkennen. Viele, für die das zutraf, sind ab 1984 aus Hagen weggegangen.

Rund 400 Exponate sind im Osthaus-Museum zu sehen — gibt es für Sie ein Lieblingsstück?

Da ist zum Beispiel die Gitarre von Carlo Karges, der unter anderem für Extrabreit und Nena gespielt und an „99 Luftballons“ mitgeschrieben hat. Carlo war ein Freund von uns, der ja relativ früh verstorben ist. Diese Gitarre mit Spinnennetzmuster hat ein weiterer Freund in den USA ersteigert. Das ist ein wirklich wertvolles Stück. Aber generell freue ich mich, dass so viele Menschen bereit waren, uns Exponate, die für sie häufig einen hohen persönlichen Wert haben, zur Verfügung zu stellen. Wenn so viele Dinge so lange verwahrt werden, zeigt das auch, wie viel die Menschen heute noch mit dieser Zeit verbinden.

Was macht diese Ausstellung aus?

Sie ist nicht nur Rückblick. Sie hat eine Botschaft, die damals wie heute für junge Menschen gilt: Lebt eure Träume und erkennt, wenn sich neue Türen öffnen. Und nehmt euer Schicksal selbst in die Hand.

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