Justiz in Hagen

Auto-Betrüger aus Hagen wandert ins Gefängnis

Mit technischen Hilfsmitteln, die an die Diagnosebuchse eines Fahrzeugs angesteckt werden, kann der Tachostand manipuliert werden.

Mit technischen Hilfsmitteln, die an die Diagnosebuchse eines Fahrzeugs angesteckt werden, kann der Tachostand manipuliert werden.

Foto: ADAC / dpa

Hagen.  Einen besonders dreisten Autobetrüger hat das Hagener Schöffengericht hinter Gitter geschickt. Hier die ganze Geschichte.

Dieser Auto-Betrüger (27) aus Altenhagen arbeitete so raffiniert, dass selbst ein erfahrener Kfz-Händler auf ihn hereinfiel. Doch jetzt ist Schluss mit den Tricksereien: Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, Betrugs und Urkundenfälschung zu anderthalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung.

„Silvano Giordano“ aus Brescia gibt es nicht. Mit dem erfundenen Namen und einem entsprechend gefälschten italienischen Ausweis bot der Hagener im Internet einen weißen „Toyota RAV4 Europe“ zum Kaufpreis von 25.899 Euro an. Das war am 29. August 2017. Ein Toyota-Händler (54) aus dem oberbergischen Nümbrecht zeigte Interesse und verabredete sich mit dem smarten Verkäufer. Zu einem Preis von 24.600 Euro wurden sich beide handelseinig, das Geld floss in bar. Beim Vertragsabschluss legte der Hagener seinen gefälschten Ausweis vor. Dabei fiel auch nicht auf, dass der freundliche Mann gar kein Italiener ist, sondern in Wahrheit nordafrikanische Wurzeln hat.

Autohändler bleibt zunächst auf seinem Schaden sitzen

Die Firma des Toyota-Händlers beliefert regelmäßig einen Vertragspartner in Holland. Nachdem das Fahrzeug dorthin weiterverkauft worden war, wurden kurz darauf die Manipulationen erkannt: Motor-Nummer und Fahrzeug-Nummer passten nicht zueinander, und die Personalien des Verkäufers waren falsch. Ermittlungen ergaben: Der weiße Toyota war nur einen Monat zuvor in Madrid gestohlen worden. Daraufhin beschlagnahmte die Kriminalpolizei den Wagen aus Spanien. Der deutsche Autohändler, der das geklaute Fahrzeug ahnungslos angekauft hatte, war zunächst der Geprellte. Er sollte auf seinem Schaden von 24.600 Euro sitzen bleiben.

Doch dann kam ihm Ende Januar 2018 das Glück zur Hilfe. Wieder bot der falsche „Silvano Giordano“ aus Altenhagen im Internet ein Auto zum Verkauf an. Diesmal einen Ford Focus, Laufleistung 84.000 Kilometer, Preis 6850 Euro. Eine Finanzwirtin (41) aus dem hessischen Rabenau zeigte Kaufinteresse. Zusammen mit ihrem Mann (54) kam sie am 23. Januar 2018 nach Hagen. Auch sie bezahlte in bar. Doch bereits auf dem Rückweg wuchsen Zweifel. Eine Überprüfung des Kfz-Checkheftes ergab, dass das Fahrzeug bereits beim Vorbesitzer 95.000 Kilometer Laufleistung hinter sich hatte, nunmehr waren es bereits nahezu 119.000 Kilometer. Der Tacho musste also, in betrügerischer Absicht, erheblich zurückgedreht worden sein – um stolze 34.000 Kilometer.

Schöffengericht bescheinigt professionelle Vorgehensweise

Doch diesmal gelang es der Kripo, mit Hilfe des Vorbesitzers des Fords, die wahre Identität von „Silvano Giordano“ herausfinden: Hausdurchsuchung an der Altenhagener Straße, morgens um 8 Uhr. In der Wohnung der Eltern, im Kinderzimmer, wo der 27-Jährige noch schlief, entdecken die Beamten einen Stapel ungültiger Fahrzeugscheine, zahlreiche neue TÜV- und Umweltplaketten, fremde Führerscheine, fünf Handys und verschiedene Autoschlüssel. Im Kleiderschrank des arbeitslos gemeldeten jungen Mannes wurden außerdem ein Geldbündel von 6700 Euro gefunden und der gefälschte Ausweis auf den Namen „Silvano Giordano“. „Eine professionelle Vorgehensweise“, bescheinigte das Schöffengericht dem falschen Italiener, „alles raffiniert geplant und aufwendig vorbereitet.“ Eine Chance zur Bewährung sei nicht mehr gegeben.

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