Urteil

Autohändler muss für zweieinhalb Jahre in Haft

Die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer erkannte im Urteil auf zehn Taten der Steuerhinterziehung, davon drei Taten im besonders schweren Fall.

Die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer erkannte im Urteil auf zehn Taten der Steuerhinterziehung, davon drei Taten im besonders schweren Fall.

Foto: dpa

Hagen/Breckerfeld.   Der Gebrauchtwagenhändler (37), der das ganz große Geld machen wollte, ohne das Finanzamt daran beteiligen zu wollen: Er bleibt hinter Gittern.

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Der Gebrauchtwagenhändler (37), der das ganz große Geld machen wollte, ohne das Finanzamt daran beteiligen zu wollen: Er bleibt hinter Gittern. Wegen Steuerhinterziehung wurde er gestern vom Landgericht zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Wir berichteten: In seiner rumänischen Heimat war er Metzger, Geldwechsler und zweifacher nationaler Rugbymeister. Doch die richtige Karriere begann für den Bukarester im Sommer 2010, als er in die Bundesrepublik übersiedelte und es mit Autoplätzen in Breckerfeld und Dahl zum Millionär brachte.

Grundwissen durchs Internet

Ohne Deutschkenntnisse gründete er eine GmbH, das notwendige Grundwissen dazu hatte er sich über Google verschafft – und auf rumänisch einfach „Firma gründen“ und „Autohandel in Deutschland aufmachen“ in die Internet-Suchmaschine eingetippt. „Ich habe viel Ehrgeiz im Leben“, schwärmte der athletische Angeklagte zum Prozessauftakt Anfang August geradezu stolz von sich selbst. Gestern, nach sieben Verhandlungstagen, wirkte er abgeschlagen, müde und kraftlos.

Die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer erkannte im Urteil auf zehn Taten der Steuerhinterziehung, davon drei Taten im besonders schweren Fall – von den ursprünglich angeklagten 1,2 Millionen Euro Steuerschaden blieben letztlich auf den Cent genau 999. 468,92 Euro übrig.

Mehr als 500 Gebrauchtfahrzeuge hatte der angeklagte Autohändler in kurzer Zeit verkauft. „Sein Erfolgskonzept basierte darauf, Umsatzsteuer ganz oder überwiegend zu sparen“, befand die Kammer. Vorsitzender Richter Andreas Behrens erläuterte in seiner Urteilsbegründung den verbotenen Trick mit der Umsatzsteuer-Ersparnis.

Die gebrauchten Autos wurden zunächst im EU-Ausland, zum Beispiel in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden, angekauft und netto bezahlt. „Dabei wandte der Angeklagte anstatt der gesetzlichen 19 Prozent lediglich die Differenzbesteuerung an“, so Richter Behrens, „er versteuerte also lediglich seine Gewinnspanne. Dadurch konnte er seine Gebrauchtwagen um etwa 17 Prozent billiger anbieten als seine Mitbewerber.“

Am Dortmunder Flughafen verhaftet

Ein andere Steuertrick-Methode hatte der Angeklagte mit Hilfe seines jüngeren Bruders (36) praktiziert. Der hatte in Rumänien einen Autohandel angemeldet und von einer Bonner Firma Fahrzeuge angekauft. Offiziell für die steuerbegünstigte Ausfuhr nach Rumänien – tatsächlich gingen die Wagen nach Hagen und Breckerfeld. „Dem Angeklagten war von Anfang an bewusst, dass das nicht legal sein konnte.“

Am 4. April war er am Dortmunder Flughafen festgenommen worden, als er nach Rumänien ausreisen wollte, mit 40 .500 Euro im Gepäck. 15 .000 Euro lagen in einem Banksafe, 22 .000 Euro auf dem Girokonto. Das Geld hat der Fiskus gepfändet.

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