Justiz

Automatensprengung: Über sechs Jahre Haft für Bandenmitglied

Die Explosion riss die Türen aus der Verankerung.

Die Explosion riss die Türen aus der Verankerung.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Boele.   Ein Mitglied der Bande, die einen Geldautomaten in die Luft gesprengt hatte, wurde zu einer Strafe von sechs Jahren und vier Monaten verurteilt.

Ein Mitglied der vierköpfigen Bande, die in der Adventszeit in Boele einen Geldautomaten der Deutschen Bank in die Luft gesprengt hatte, wurde vom Landgericht verurteilt – zu sechs Jahren und vier Monaten Gefängnis.

Die 6. Große Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Bettina Wendlandt erkannte auf „Herbeiführen einer Explosion, Sachbeschädigung und Einbruchsdiebstahl“. Der Angeklagte (31), ein gebürtiger Marokkaner mit niederländischem Pass, nahm das nicht unbeträchtliche Strafmaß äußerlich gelassen auf.

Enorme Druckwelle

Rückblende: Am 10. Dezember um 3.54 Uhr morgens gab es an der Schwerter Straße 156 in Boele einen ohrenbetäubenden Knall. Scheiben zersplitterten, Anwohner wurden aus dem Schlaf gerissen. Durch die enorme Druckwelle der starken Explosion war die Fassade der Bankfiliale aus ihrer Verankerung herausgebrochen worden.

Kurz zuvor hatten die Mitglieder einer Automaten-Sprengbande ein Gemisch aus Acetylen und Sauerstoff in zwei Geldausgabeschächte eingeleitet und zur Explosion gebracht. Die Täter konnten zunächst eine Geldkassette erbeuten, die mit knapp einer Viertelmillion Euro aber gut befüllt war.

Riesiger Sachschaden

Mindestens genauso hoch wie die vermeintliche Beute war der angerichtete Sachschaden: Weit über 100 000 Euro an den Geldautomaten und am Gebäude der Deutschen Bank, aber auch gut 100 000 Euro Schaden in der darüberliegenden Praxis einer Augenärztin, in der durch die Explosion teure medizinische Geräte zertrümmert worden waren. Die Ärztin selbst, die monatelang nicht praktizieren konnte, beziffert ihren Verdienstausfall mit 30 000 Euro. „Die Kammer geht von einem Schaden im hohen sechsstelligen Bereich aus“, so Gerichtssprecher Jens Berndt.

An ihrer Beute hatten die Automatensprenger nur sehr kurze Zeit Freude: Sie liefen zu einem nahen Parkplatz, auf dem sie ihr Fluchtauto, einen Audi, abgestellt hatten und warfen die Stofftasche mit der erbeuteten Geldbox in den Kofferraum. Schon näherten sich die Blaulichter von Polizeiautos. Die Täter gaben Gas, rasten mit offenstehender Heckklappe fluchtartig los. Dabei verloren sie die Geldkassette, einen Hammer an der Hagener Straße und auf dem Boeler Ring die Kofferraumwanne.

Verräterische Tropfspur

Etwa eine Stunde nach der Explosion war der Angeklagte der Polizei zu Fuß ins Netz gegangen: Beamte konnten ihn an der Feldmühlenstraße in Bathey festnehmen – mit stark blutender Schnittverletzung an der Hand. Eine verräterische Blut-Tropfspur führte bis zum einen Kilometer entfernten Tatort.

Fast sieben Monate lang hatte der Festgenommene seine Tatbeteiligung bestritten. „Gegen Ende der siebentägigen Beweisaufnahme gab der Mandant zu, für 1000 Euro Schmiere gestanden zu haben“, so Strafverteidiger Thorsten Merz. In einer Amsterdamer Bar sei er von den Haupttätern angeworben worden. Die konnten bislang nicht identifiziert werden. Denn er kannte angeblich nur zwei davon mit Spitznamen, so Anwalt Merz: „Den ,Fietsche’ und den ,Kahlen’.“

>>> HINTERGRUND: Nichts nachzuweisen

  • Den ursprünglich angeklagten gewerbsmäßigen Diebstahl konnte die Kammer im Urteil jedoch nicht feststellen. Warum?
  • „Eine gesetzliche Voraussetzung dafür ist, dass man sich zur fortgesetzten Begehung von Straftaten verabredet hat“, so Gerichtssprecher Jens Berndt. „Das war nicht nachzuweisen.“

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