Bildung

Autor Potofski in Hagen: „Wir haben die Schlacht verloren“

Ulli Potofski liest vor Kindern der Grundschule Goldberg aus seinen Büchern vor

Foto: Heuel

Ulli Potofski liest vor Kindern der Grundschule Goldberg aus seinen Büchern vor Foto: Heuel

Hagen.   Er schreibt Kinderbücher, obwohl er glaubt, dass Kinder nicht gern lesen: Ulli Potofski gab sich in der Stadtbücherei als Kulturpessimist.

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Er schreibt Bücher und liest aus ihnen vor, aber wenn er über das reflektiert, was er tut, dann kommt er zu einem nüchternen, ja pessimistischen Fazit: „Kinder wollen nicht mehr lesen. Wir haben die Schlacht verloren.“

Ulrich Potofski (66), Sportmoderator und Kinderbuchautor, will sich und anderen nichts vormachen. 80 Prozent aller Kinder in Deutschland wollten mit Büchern nichts zu tun haben, ist er überzeugt: „Das ist die Wahrheit. Es wäre Selbstbetrug zu glauben, dass es anders ist.“

Dennoch lohne es sich, gegen diesen kulturellen Wandel anzugehen, sagte Potofski gestern in der Hagener Stadtbücherei, wo er vor 75 Schülern der Goldberg-Grundschule den Sommer-Leseclub und die Lesemonster AG eröffnete: „Eltern sollten ihre Kinder immer wieder mal mit in die Ecke nehmen und ihnen etwas vorlesen.“

Real statt BVB

Denn mit dem Nicht-Lesen gingen auch Vorstellungskraft, Sprachkompetenz und Rechtschreibfähigkeit verloren – mithin einige der wichtigsten Errungenschaften, die wir besitzen: „Ich will eine Playstation nicht verteufeln, aber bei ihr ist alles vorgegeben. Sie besiegt die Phantasie.“

Beim anschließenden Vorlesen aus seinen Fußballbüchern hatte Potofski die Grundschüler mit seiner lockeren Art gleich für sich gewonnen. Dass Deutschland bei der Weltmeisterschaft sang- und klanglos in der Vorrunde ausgeschieden war, hatte viele der aus zahlreichen Nationen stammenden Goldberg-Kinder offenbar nicht sonderlich beeindruckt. Und als Potofski nach dem Lieblingsverein fragte, flogen die meisten Arme nicht bei Borussia Dortmund oder Schalke 04 in die Höhe, sondern bei Real Madrid. „Das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben.“

Besuch bei Lionel Messi

Begeistern lassen sich Kinder aber nach wie vor, man muss nur die richtigen Themen anschneiden. Und das gelang Potofski, als er von einem Besuch im Haus von Barcelona-Star Lionel Messi berichtete, wo er einen Werbespot gedreht habe. „60 Zimmer, drei Pools, ein Kino, ein Fußball- und ein Tennisplatz“, zählte er auf.

Die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, natürlich wollte der Großteil von ihnen Fußballprofi werden. Bis ihnen Potofski erzählte, welchen Nachteil seine Berühmtheit für Messi darstellt: „Er kann sein Haus nicht verlassen, er würde sofort erkannt und angesprochen, ja belästigt. Deshalb geht er nur verkleidet auf die Straße.“

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