Handwerk

Azubi- und Fachkräftemangel – Dachdecker schlagen Alarm

Das Innungsteam der Hagener Dachdecker: David Jakobs, Heinrich Hilker, Stefanie Bock, Timo Walther und Reinhard Linn (von links)

Foto: Michael Kleinrensing

Das Innungsteam der Hagener Dachdecker: David Jakobs, Heinrich Hilker, Stefanie Bock, Timo Walther und Reinhard Linn (von links) Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Zehnprozentiger Azubi-Rückgang jedes Jahr. Und die Dachdecker in der Stadt haben noch weitere Probleme. Dabei sind die Bücher voll.

Gute und weniger gute Nachrichten für Stefanie Bock. Warum gut? Weil die Dackdeckermeisterin aus Wetter jetzt Obermeisterin der Dachdecker-Innung Hagen, Wetter, Herdecke und Breckerfeld ist. Warum weniger gut? Weil Stefanie Bock und ihr Innungsteam – um mal im Handwerker-Bild zu bleiben – wahrlich dicke Bretter zu bohren haben.

Die Ausgangslage

Die Auftragsbücher der 23 in der Innung organisierten und rund 40 nicht-organisierten Dachdecker-Betriebe in Hagen sind rappelvoll. Die Konjunktur brummt und auf den Dächern brummt es auch. Doch mittlerweile knackt es auch im Gewerk Dach, das bislang von den negativen Tendenzen, die das Bauhauptgewerbe zum Beispiel erlebt, verschont geblieben ist. Die Probleme sind jetzt da.

Der Azubi-Schwund

Pro Jahr gibt es einen Azubi-Rückgang bei den Dachdeckern von zehn Prozent. „Während man früher die Qual der Wahl hatte, telefonieren wir den Leuten heute hinterher“, sagt Dachdeckermeister Heinrich Hilker, der als Lehrlingswart tätig ist und wie seine Kollegen beklagt, dass sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber handwerklichen Berufen komplett geändert habe. „Man kann auch ein sehr gutes Leben führen, wenn man kein Abitur hat. Nämlich im Handwerk. Zudem ist unser Beruf sehr modern und anspruchsvoll geworden. Unter anderem durch viele energetische und bauphysikalische Aspekte.“ Zur Einordnung: Ein Geselle verdiene nach der Ausbildung 20 Euro netto die Stunde. Hilker: „Das muss man als kaufmännischer Angestellter erst mal verdienen.“

Der Organisationsgrad

Ein weiteres Problem vor dem die neue Obermeisterin Stefanie Bock und ihre Kollegen stehen: der Organisationsgrad der Betriebe. „Nicht jede Firma ist in der Innung“, sagt Bock. Wer dort nicht vertreten ist, gehöre auch nicht zu den Betrieben, die ihren Beruf besonders fördern, entwickeln und repräsentieren wollen. „Das besondere Bekenntnis zum Berufsbild fehlt dann“, sagt Bock. Je weniger Betriebe dies zeigen, desto geringer auch die Strahlkraft auf mögliche Azubis und Fachkräfte.

Dennoch, und das ist ärgerlich für organisierte Betriebe (was ja auch Geld kostet), profitieren alle anderen Dachdeckereien von der Innung. Ein Beispiel ist die qualitativ hoch angesiedelte Dachdeckerschule in Eslohe im Sauerland, wo in Blöcken der Schulteil für Hagens Dachdecker-Azubis stattfindet. Sie ist für alle Betriebe da und setze deutschlandweit höchste Standards, erklärt Heinrich Hilker.

Die Ziele

Stefanie Bock und das Team haben viel vor. „Wir wollen, zum Beispiel durch die Ausbildungsmesse, versuchen, die Ausbildung weiter zu gewährleisten, die kollegiale Haltung zwischen den Betrieben in Hagen fördern und auch dafür sorgen, dass der Meisterbrief weiter verpflichtend bleibt, wenn man eine Dachdeckerei führt.“

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