Rapper-Prozess

Befangenheitsantrag: Prozess gegen Nuhsan C. zieht sich hin

Der Rapper und sein Anwalt: Nuhsan C. (25) und Christof W. Miserè, der einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gestellt hat.

Der Rapper und sein Anwalt: Nuhsan C. (25) und Christof W. Miserè, der einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gestellt hat.

Foto: Jens Stubbe

Hagen.   Der Berufungsprozess gegen Nuhsan C. alias „Jigzaw“ vor dem Landgericht Hagen zieht sich hin. Der Rechtsanwalt hält das Gericht für befangen.

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Ein Befangenheitsgesuch gegen den Vorsitzenden Richter Dieter Krause hat am Donnerstag die Fortsetzung des Rapper-Prozesses nicht behindern können. Die achte kleine Kammer des Landgerichts stellte den Antrag von Anwalt Dr. Christof Miseré (Köln) erst mal zurück und verhandelte, sehr zum Ärger des Verteidigers, unverdrossen weiter. Alles andere, so argumentierte das Gericht, hätte eine längere Unterbrechung der Hauptverhandlung bedeutet.

Das öffentliche Interesse am Fortgang des Strafverfahrens gegen Nuhsan C. (25), alias „Jigzaw“, hat sich mittlerweile deutlich abgekühlt: Gerade mal sechs Fans oder Freunde aus dem Umfeld des Rappers bevölkerten am zweiten Verhandlungstag den gut bewachten Spezialgerichtssaal im Foyer des Justizhochhauses.

Rapper-Prozess in Hagen: Zuschauerraum menschenleer

Der Angeklagte, der es bislang sichtlich genossen hatte, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, wird nun schwindend weniger beachtet. In den vergangenen Wochen hat er auffällig an Körperfülle zugelegt. Nur hin und wieder wirft er einen kurzen Blick in den menschenleeren Zuschauerraum. Am ersten Prozesstag trug er ein weißes Hemd, jetzt ist er ganz in schwarz gekleidet.

Ein achtjähriges Kind wird in den Zeugenstand gerufen. Für den Jungen wurde eigens ein Türkisch-Dolmetscher bestellt. Doch der Übersetzer kann nicht helfen – der kleine Knirps ist ein Rumäne und spricht außerdem gutes Deutsch: „Ich habe nichts gesehen, weiß auch nichts davon.“

Zeuge schildert aggressiven Auftritt des Opfers

Als nächster Zeuge ist ein gerichtsbekannter Gemüsehändler (45) aus Wehringhausen an der Reihe. Er hatte von dem Vorfall einiges mitbekommen: „Der Lange (gemeint ist das polnische Opfer) war sehr aggressiv, hat rumgeschrien.“ Auch sei der „Lange“ sehr provozierend, mit ausgebreiteten Armen und offenen Händen, auf den Angeklagten zugegangen. Ein Messer war wohl nicht im Spiel: „Ich habe kein Messer gesehen.“

Hingegen habe Nuhsan C. etwas in der Hand gehabt: „Es sah aus wie ein Schlagstock. Er hat damit abgewehrt, einmal, zweimal zugeschlagen und ist dann weggelaufen.“

Arterielle Verletzung durch Arzt nicht bestätigt

Es war kein Schlagstock, es war die Machete. Dr. Ingo Kuhfuß (50), der den stark blutenden Geschädigten seinerzeit im Krankenhaus operiert hatte: „Die Schnittverletzungen gingen anderthalb Zentimeter tief in die Haut, bis ins Unterhautgewebe. Venen, Nerven oder Arterien waren aber nicht verletzt worden.“

Am nächsten Prozesstag soll über das Befangenheitsgesuch entschieden werden: Angeblich sei der Vorsitzende Richter schon jetzt von der Schuld des Angeklagten überzeugt und an einer objektiven Aufklärung des Geschehens nicht interessiert.

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