Stadtverwaltung

Bei Angehörigen der Roma handelt es sich um EU-Zuwanderer

Sinan Munther, Anna Feder und Güler Kahraman.

Sinan Munther, Anna Feder und Güler Kahraman.

Foto: Michael Kleinrensing

Die Hagener Stadtverwaltung hat auf die steigende Zuwanderung aus Südosteuropa reagiert. Sie bietet u.a. Fortbildungen für Mitarbeiter an.

Die Hagener Stadtverwaltung hat sich auf die stetig steigende Anzahl von Zuwanderern aus Südosteuropa eingestellt. So hat das Kommunale Integrationszentrum Fortbildungen für Mitarbeiter organisiert. „Der Name sagt ja schon, wofür wir stehen“, sagt Güler Kahraman, die Leiterin der städtischen Einrichtung, „eine wesentliche Aufgabe ist es, den Menschen das Ankommen in Hagen zu erleichtern. Dafür schaffen wir auch die Voraussetzungen, indem wir den Mitarbeitern der Verwaltung, die mit Rumänen oder Bulgaren zu tun haben, mehr Hintergrundinformationen geben.“

Diskriminierungsgeschichte

Eines der Probleme: Bei Angehörigen der Roma handelt es sich dem Gesetz nach im Grunde um normale EU-Zuwanderer. Dass diese auch in den Herkunftsländern häufig ausgegrenzt und am Rande der Gesellschaft leben, spielt formal keine Rolle. „Viele haben eine Diskriminierungsgeschichte hinter sich – das betrifft auch den Umgang mit Behörden“, sagt Güler Kahraman, „wenn sie also auch gegenüber der deutschen Verwaltung eine große Skepsis entwickeln, so mag das damit zusammenhängen.

Für uns ist es wichtig, dass wir mit ihnen und nicht über sie reden. Es gibt in jedem Herkunftsland Menschen, die sich integrieren wollen oder auch nicht.“

Von Hilfesystemen nicht erfasst

Zumal ein weiteres Problem hinzukommt: Von den gängigen Hilfesystemen, die etwa Flüchtlinge auffangen, werden die Zuwanderer aus Südosteuropa häufig nicht erfasst.

Das merkt auch Anna Feder, die bei der Volkshochschule Integrationskurse anbietet und an einem der Workshops für Verwaltungsmitarbeiter teilgenommen hat: „Höchstens einer von 20 Kursteilnehmern kommt aus Rumänien. Vielleicht hat es damit zu tun, dass einige Bildungsangeboten gegenüber skeptisch eingestellt sind. Aber es mag auch daran liegen, dass organisatorische Probleme sie abhalten.“

Niederschwellige Angebote

Immerhin: Niederschwellige Angebote tragen erste Früchte. „Es ist ja nicht so, als würden wir diese Zuwanderungsgruppe gar nicht erreichen“, sagt Güler Kahraman, „aber das funktioniert häufig über aufsuchende Angebote in den Quartieren direkt. Wenn aber ohne jede Ankündigung die Ordnungsbehörden plötzlich auf der Matte stehen, löst das insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen in den Herkunftsländern gewisse Ängste aus.“

2019 plant das Kommunale Inte­grationszentrum weitere Aufklärungs-Angebote. „Die sollen auch den Bürgern offen stehen“, sagt Sinan Munther, der die Workshops organisiert hat. „Auf diesem Wege wollen wir das Miteinander fördern.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben