Maut

Bei dieser Straße kassierten Hagener Behörden dreimal ab

Dieses Fachwerkhaus aus dem Jahr 1747 stand schon Anfang des 19. Jahrhunderts: Damals kassierten die Behörden zwischen Haspe und Voerde dreimal Maut.

Dieses Fachwerkhaus aus dem Jahr 1747 stand schon Anfang des 19. Jahrhunderts: Damals kassierten die Behörden zwischen Haspe und Voerde dreimal Maut.

Foto: Michael Kleinrensing

Haspe.   Das war richtig kostspielig: Auf einer Straße zwischen Hagen und Voerde kassierten die Behörden gleich dreimal ab.

Die Fernstraßenmaut ist in Deutschland zur Zeit ein heißes Thema. Für frühere Generationen war es jedoch selbstverständlich, dass die Benutzung öffentlicher Fernstraßen kostenpflichtig war.

Auf der 1824/1825 erbauten kommunalen Kunststraße zwischen dem damaligen Dorf Haspe und Voerde, der heutigen L 702, gab es sogar gleich drei Mautstellen. Wer auf der Verlängerung dieser Kunststraße weiter nach Milspe wollte, musste noch zwei Mal Wegegeld bezahlen.

Berichte aus Aktenbänden des Stadtarchivs Hagen

An den Mautstellen versperrten damals so genannte Barrieren (Schranken) den Weg. Sie wurden von dem dort stationierten Wegegeldeinnehmer erst geöffnete, wenn ihm die fällige Maut bezahlt worden war. Davon berichten mehrere heute im Stadtarchiv Hagen aufbewahrte Aktenbände.

Die ab 1788 in Preußen gebauten Kunststraßen, die später allgemein Chausseen hießen, besaßen eine befestigte Fahrbahndecke aus einer Tragschicht zerschlagener Steine und eine meist aus einem Sand-Lehngemisch bestehenden Deckschicht. Die Fahrbahn war zur Mitte hin gewölbt, so dass das Wasser zu beiden Seiten abfließen konnte, wo sich Abzugsgräben befanden.

Maut für Bau und Unterhaltung der Straße

Zum Schutz vor der Sonne wurden zu beiden Seiten der Chaussee häufig Bäume, vorwiegend Pappeln, gepflanzt. Nach heutigen Maßstäben waren die Chausseen bloße Schotterwege. Doch gegenüber den bisherigen Fernwegen, bei denen es sich um gänzlich unbefestigte und meist tief ausgefahrene Erdwege handelte, stellten sie einen enormen Fortschritt dar.

Bauherr der Chaussee zwischen Haspe und Voerde mit einer Verlängerung nach Milspe war die damalige Bürgermeisterei Enneperstraße, zu der außer Haspe auch Voerde und Milspe gehörte. Die Bürgermeisterei hatte die Kunststraße finanziert und wollte mit der Maut die Bau- und Unterhaltungskosten wieder hereinholen. Allerdings konnte sie als Eigentümer der Straße dort Maut zwar erheben, doch deren Höhe nicht eigenmächtig und willkürlich festsetzen. Vielmehr musste man sich dabei nach dem – gestaffelten – staatlichen Chausseetarif richten.

Viele Faktoren fließen in Berechnung der Maut ein

Dieser war am 5. Juli 1822 von der zuständigen Regierung in Arnsberg veröffentlicht worden. Danach berechnete sich die Höhe der jeweiligen Maut nach der zurückgelegten Wegstrecke und variierte dabei entsprechend der Art der Fahrzeuge (Frachtwagen, Bauernkarren, Kutschen, Schlitten), der Breite der Wagenräder und der jeweiligen Anzahl der Zugtiere. Aber auch wer nur mit unbespannten Tieren (Pferd, Maultier, Ochse, Kuh, Esel) die Chaussee benutzen wollte, musste Maut entrichten. Kostenlos war die Benutzung der Chaussee allerdings für Fußgänger.

In der Erkenntnis, dass ein freier Verkehrsfluss von großem Vorteil für Wirtschaft und Handel ist, wurde in Preußen die Maut auf allen staatlichen Fernstraßen zum 1. Januar 1875 abgeschafft. Auf den sonstigen mautpflichtigen Straßen blieb sie zum Teil aber noch bis in das 20. Jahrhundert hinein erhalten.

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