Lieblingsplatz

Bernd Poth ist die gute Seele am Schießstand Ehringhausen

Bernd Poth mit Quintus auf der Bank.

Bernd Poth mit Quintus auf der Bank.

Foto: Hubertus Heuel

Breckerfeld.   Wenn du kein Jäger wirst, bist du kein richtiger Poth, hat sein Onkel früher öfter zu Bernd Poth gesagt. Und der ist natürlich Jäger geworden.

Sein Platz ist auf der Bank. Weit schweift der Blick hinüber nach Heedfeld, wo Bernd Poth die Post austrägt, vorne ist Epscheid zu sehen, hinter den Eschen liegt Breckerfeld. „Dies ist ein schöner Ort, um die Heimat zu genießen“, sagt Poth (59).

Die Bank steht unweit des Schießstandes der Kreisjägerschaft Ennepe-Ruhr in Ehringhausen. Auch das Leistungs- und Ausbildungszentrum der heimischen Jäger befindet sich in dem unscheinbaren Zweckbau mit dem Hirschgeweih über der Eingangstür. Poth ist nahezu täglich hier, er ist Kreisschießobmann, organisiert die Abläufe im Haus, betreut die Technik und stellt den Jahresplan für die zwölf Hegeringe auf, deren Mitglieder regelmäßig ihre Treffsicherheit nachweisen müssen.

Im Wald stets an der Leine

Und Quintus, der zwei Jahre alte Deutsch Drahthaar, ist immer an seiner Seite. „Wir sind unzertrennlich“, sagt Poth. Auf dem Schießstandsgelände darf sich der Hund frei bewegen, doch wenn es in den Wald geht, nimmt Herrchen ihn an die Leine. Zwar hört Quintus aufs Wort, aber das mit den Hunden im Wald sei ja ein, Poth will es mal diplomatisch ausdrücken, „allgemeines Problem“.

Kürzlich sind im Revier Bühren-Epscheid in nur acht Tagen vier Kitze von Hunden gerissen worden. Doch es sind nicht bloß diese blutigen Zwischenfälle, die Poth nichts von frei laufenden Hunden halten lassen: „Ich habe viele Bekannte, die wollen beim Spaziergang nicht von Hunden beschnüffelt werden“, sagt er und verliert die diplomatische Contenance: „Das liegt am Egoismus vieler Hundebesitzer.“

Jagen ist Familientradition

Zurück zum Schießstand. Das Gelände, auf dem sich die Heimstatt der Jäger befindet, gehörte früher zu einem Steinbruch, der sich im Besitz der Familie Poth befand. Hier wurden Steine zum Bau der Häuser in Breckerfeld gebrochen. Und Bernd Poths Vorfahren schossen hier einst ihre Jagdgewehre ein.

In nicht allzu weiter Entfernung liegt der Gründerhof der vor ca. 120 Jahren aus Dortmund gekommenen Sippe, der heute von André Poth bewohnt wird. Das Jagen ist eine alte Familientradition. „Mein Onkel hat zu mir gesagt: Wenn du kein Jäger wirst, dann bist du kein richtiger Poth“, berichtet Bernd Poth, der inzwischen auch seine Frau Heike mit dem Jägervirus infiziert hat. Sie ist gerade dabei, ihren Jagdschein zu erwerben.

Und auch mit der Stadt Breckerfeld und ihren großen und kleinen Weilern sieht sich die Familie eng verbunden: „Ich fühle mich hier rundum wohl“, sagt Poth: „So gerne ich auch Urlaub mache – wenn ich dann nach Hause zurückkehre und die Heimat wiedersehe, freue ich mich jedesmal.“

Der letzte Fasan

Bernd Poth verlässt seinen Platz auf der Bank und öffnet die Tür zum Schießstand – Quintus immer an seiner Seite. Die Schränke im Unterrichtsraum sind vollgestellt mit ausgestopften Tierpräparaten, auch mit Arten, die es im heimischen Raum gar nicht (mehr) gibt. Der letzte Fasan, erinnert sich Poth, wurde in Breckerfeld vor 40 Jahren geschossen: „Die Vögel finden hier keine Hecken mehr und keine Gelegenheit zum Brüten.“

Wer die schwierige Jägerprüfung bestehen will, muss Waffenkenntnisse besitzen und sich als guter Schütze erweisen. Gefordert sind unter anderem zwei Treffer von fünf Versuchen beim Schuss auf den 60 Meter entfernten laufenden Keiler. Nicht nur mit Flinte und Büchse, auch mit der Pistole muss ein Jäger umgehen können, obwohl sie eigentlich bei der Jagd kaum eingesetzt wird: „Die Kurzwaffe benötigt man bei der Nachsuche im ­Dickicht oder um ein krank geschossenes Tier zu erlösen“, so ­Poth.

Landschaftswächter

Manchen Jagdscheinaspiranten gehe es jedoch gar nicht um das Töten von Wildtieren. Neulich habe ein Ehepaar aus Witten die Prüfung abgelegt: „Die beiden wollen gar nicht schießen. Sie wollen die Natur mit all ihren Facetten kennenlernen, und das geht kaum besser, als wenn man die Ausbildung zum Jäger absolviert.“

Bernd Poth geht selbst häufig genug ohne Gewehr in den Wald. Er ist ehrenamtlicher Landschaftswächter und dafür zuständig, Verstöße gegen den Artenschutz, wilde Müllkippen oder sonstige Eingriffe in die Natur festzustellen und den Behörden zu melden.

Ein schöner Ort

Er hat den Schießstand jetzt abgeschlossen und sich wieder auf die Bank gesetzt. Deutschland sei ein Freizeit-Land, und davon sollten alle – Spaziergänger, Jogger, Mountainbiker, Jäger und Reiter – profitieren: „Andererseits muss sich jeder von ihnen in der Natur einigermaßen benehmen.“

Dann fällt sein Blick auf die Breckerfelder Landschaft, seine Heimat: „Gottseidank zerkriegen wir uns hier oben nicht.“ Er will damit sagen, dass die Welt in Breckerfeld noch in Ordnung ist. Und die Bank ein schöner Ort, um diese intakte Welt zu genießen.

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