Gericht

Betrüger: Teppichreinigung kostet Senioren 12.000 Euro

Vor dem Schöffengericht wird in Sachen Teppichwäsche verhandelt.

Vor dem Schöffengericht wird in Sachen Teppichwäsche verhandelt.

Foto: David-Wolfgang Ebener

Hagen.   Mitglieder einer weitverstreuten Sippe aus Leverkusen haben in Hagen arglose Senioren mit überteuerten Teppichreinigungen geprellt.

Sie sind telefonische Enkeltrick-Betrüger, fahrende Teppich-Händler und geben sich neuerdings gern als mobile Pelzankäufer aus – die Mitglieder einer weitverstreuten Sippe aus Leverkusen haben es bundesweit auf die Arglosigkeit und Hilflosigkeit älterer Menschen abgesehen, die sie trickreich und skrupellos ausnutzen. In Hagen waren sie als betrügerische Teppichwäscher unterwegs.

Am Dienstag standen ein Mitglied (31) des inzwischen bundesweit berüchtigten Familienclans G. und sein Gehilfe (37) vor dem Schöffengericht: Angeklagt wegen versuchten gewerbsmäßigen Betrugs (vier Fälle) sowie Wucher und Erpressung (jeweils drei Fälle). Erstgenannter wurde zu 19 Monaten Gefängnis (ausgesetzt zur Bewährung) verurteilt, der mitangeklagte Helfer zu einem Jahr Haft (ebenfalls zur Bewährung).

Betrüger lockten ältere Menschen mit Werbeprospekt

Ein farbiger Werbeprospekt einer Teppichwerkstatt aus Altenhagen, der Zeitungen und Werbeblättern im Sommer 2015 beigelegt worden war, versprach „qualitätsvolle Teppichwäsche und Reparatur“ und lockte mit einem günstigen Reinigungspreis „ab 5,79 Euro pro Quadratmeter“. Zudem war noch ein „100 Euro Gutschein“ beigefügt. So wurden arglose, vor allem ältere Kunden geködert.

Da war der Fall eines 88-jährigen Seniors, dem die beiden Angeklagten vorgegaukelt hatten, seine fünf Teppiche seien vom Mottenfraß befallen. Für angebliches „Reinigen, Spannen, Rückfärben, Ketteln und die Beseitigung von Mottenlöchern“ sollten dem alten Herrn 11.500 Euro abgeknöpft werden. Tatsächlich hätte der Wert der Arbeiten gerade mal 2186 Euro betragen, so ein Sachverständiger.

90-Jähriger musste für Reinigung seiner Perser 12.000 Euro zahlen

Ein 90-jähriger Hagener wurde von den beiden Angeklagten sogar robust gezwungen, für die Reinigung seiner acht Perser (26 Quadratmeter) stolze 12.000 Euro hinzublättern. Denn schließlich seien die edlen Teppiche von ihnen sogar „goldveredelt“ worden.

In einem anderen Fall war einer 86-jährigen Frau aus Schwelm „Mottenschutz fürs Haus“ angedreht worden, für den sie 8000 Euro zahlen musste. 1800 Euro wäre der reelle Preis gewesen. Zudem ein völlig unnötiges „Wundermittel“, denn ein Experte hat später bescheinigt, dass keinerlei Mottenfraß vorgelegen hat.

Einer der drei Verteidiger der beiden Angeklagten brachte es eher beiläufig auf den Punkt: „Der Bereich zwischen seriöser und unseriöser Teppichwäsche ist eine Grauzone.“

Betroffenen werden teilweise entschädigt

Von den vier Senioren, die im Juni und Juli 2015 auf die völlig überzogenen Preise hereingefallen waren, sind mittlerweile zwei verstorben. Ein heute knapp 93-jähriger Hagener wartete vor dem Gerichtssaal geduldig auf seine Zeugenaussage. Er brauchte nicht mehr vernommen zu werden. Denn das Gericht, die drei Verteidiger und die Angeklagten hatten eine Einigung erzielt: Bei vollem Geständnis gäbe es noch Bewährungsstrafe.

Beide Angeklagten räumten daraufhin alles ein. Die Betroffenen werden durch die gut 6000 Euro, die man bei den Angeklagten sichergestellt hatte, teilweise entschädigt. Richter Christian Dembowski: „Wir hoffen, dass das Urteil ein deutlicher Warnschuss war.“

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