Gericht

Beweisantrag wirbelt alles durcheinander

Foto: Uwe Schaffmeister / WAZ Fotopool

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Hohenlimburg.Im so genannten „Axträuber-Prozess“ hatte das Gericht für gestern eigentlich die Plädoyers von Verteidiger und Staatsanwältin vorgesehen. Vielleicht wäre es nachmittags sogar noch zum Urteil gekommen. Ein überraschender Beweisantrag durchkreuzte diese Planung.

Für „Axträuber Nummer 1“ steht bereits jetzt viel auf dem Spiel. Im derzeit laufenden Verfahren, das am 11. Februar vor der 4. Strafkammer des Landgerichts begann, geht es um zwei Überfälle mit einem Gipserbeil auf Tankstellen in Ahlen und Kamen, sowie eine wilde (und lebensgefährliche) Verfolgungsfahrt mit der Polizei, die als „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ gewertet wird. Ein zunächst noch angeklagter Überfall auf eine Spielhalle in Hohenlimburg war vom Gericht zwischenzeitlich eingestellt worden. Er fiele auch nicht mehr schwer ins Gewicht, denn allein für einen einzigen Raub mit Waffen sieht das Gesetz schon eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis vor.

Gestern gab Vorsitzender Richter Dr. Frank Schreiber im Prozess offiziell bekannt, das inzwischen weitere Anklageschriften gegen den Elseyer beim Gericht vorliegen. Darin werden ihm noch sechs Überfälle auf Tankstellen in Kamen, Lippetal, Gütersloh, Schwerte-Lichtendorf, sowie auf die Shell-Station an der Elseyer Straße vorgeworfen.

Sollte es in allen angeklagten Fällen zu einer Verurteilung kommen, dürfte den Familienvater ein Strafmaß erwarten, das den Zeitraum von zehn Jahren Haft locker übersteigen könnte. Und das bei einer Gesamtbeute, die gerade mal 5000 Euro betrug. Zudem müsste der 40-Jährige damit rechnen, in sein Heimatland Türkei abgeschoben zu werden.

Die einzige Chance, der horrenden Straferwartung noch zu entkommen, wäre eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten. Verteidiger Ralf Bleicher (Dortmund) setzt dabei auf eine „pathologische Spielsucht“. Doch Psychiater Dr. Bernd Roggenwallner bescheinigte dem Mann aus Elsey eine „vollumfängliche Schuldfähigkeit“ und vermochte keinerlei Suchterkrankung zu erkennen .

Das Gutachten, aber auch der Sachverständige, werden nun vom Anwalt überraschend angegriffen. Dr. Roggenwallner sei nicht „auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft“, sein Gutachten gehe „von falschen Voraussetzungen aus“, so dass „Zweifel an seiner Sachkunde und Geeignetheit“ bestünden, heißt es in einem Beweisantrag, indem ein „ergänzendes Gutachten“ eines anderen Sachverständigen gefordert wird. Heute um 11 Uhr wird die Kammer sagen, was sie davon hält.

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