Bauprojekt

Bodelschwinghplatz in Hagen soll ein Schmuckstück werden

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Mit Mitteln aus dem Projekt Soziale Stadt wird der Bodelschwinghplatz in Wehringhausen neu gestaltet. Die Anwohnerinnen Christa Schmidt (links) und Irina Lachtenberg (rechts) – hier mit Stephan Peddinghaus (Gründer Stern) – beobachten die Entwicklung.

Mit Mitteln aus dem Projekt Soziale Stadt wird der Bodelschwinghplatz in Wehringhausen neu gestaltet. Die Anwohnerinnen Christa Schmidt (links) und Irina Lachtenberg (rechts) – hier mit Stephan Peddinghaus (Gründer Stern) – beobachten die Entwicklung.

Foto: Jens Stubbe

Wehringhausen.   Ein Garten, ein Spielplatz, Bänke – der heruntergekommene Bodelschwinghplatz in Wehringhausen wird saniert. Jetzt sind Hausbesitzer gefragt.

Wenn Christa Schmidt aus dem Fenster blickt, sieht sie seit 47 Jahren auf das Drei-Kaiserdenkmal. So lange lebt die 75-Jährige am Bodelschwinghplatz in Wehringhausen. Seit einigen Tagen graben Bagger den Platz um. Baudezernent Thomas Grothe, Bezirksbürgermeister Ralf Quardt und weitere Verantwortungsträger griffen gestern zum Spaten – symbolisch. Unter dem kritischen Blick einer der ältesten Anwohnerinnen des Platzes.

„Na ja“, sagt sie und blickt auf den gelben Bagger, der hinter dem Denkmal arbeitet, „ich hoffe, dass es freundlicher, dass es schöner wird. Aber die eigentlichen Probleme sind doch andere.“

Kein Mangel an Problemen in Wehringhausen

An Problemen mangelt es rund um den Platz an der ehemaligen Hauptverkehrsachse Wehringhauser Straße wahrlich nicht – heruntergekommene Immobilien, Müllberge, Zuwanderer aus Südosteuropa. „Bis weit nach Mitternacht ist hier im Sommer Lärm. Schreiende Erwachsen, brüllende Kinder“, sagt Christa Schmidt und ihre Nachbarin Irina Lachtenberg, die künftig beim „Urban Gardening“ im hinteren Bereich des Platzes mitwirken will, nickt. „Da war der Krach durch den Verkehr früher nichts dagegen.“

Und obwohl der Platz und die Straße in den letzten Jahren immer mehr heruntergekommen sind, hat es Christa Schmidt nie weggezogen. „Mein Mann ist doch geborener Wehringhauser“, sagt sie.

Direkte Verbindung zum Freizeitgelände Bohne

Jetzt tut sich was vor ihrer Tür. Auf dem Bodelschwinghplatz, an der Wehringhauser Straße und am Fußgängertunnel in Richtung Augusta­straße. Ein Schmuckstück soll entstehen. „Wir schaffen eine direkte Verbindung zur sogenannten Bohne“, erklärt Baudezernent Thomas Grothe mit Blick auf den neuen Park und das Freizeitareal, das sich zwischen der Häuserzeile und der Bahnhofshinterfahrung befindet.

Verbunden ist das öffentliche Invest – insgesamt rund 1,3 Millionen Euro – mit der Erwartung, dass auch private Immobilienbesitzer unter den neuen Rahmenbedingungen bereit sind, in ihre Häuser zu investieren.

Stadt plant Ankauf von Problemhäusern

Immerhin: Einige Vermieter hätten sich, so sagt es Peter Stahlhut, Projektleiter Soziale Stadt, dazu bereit erklärt. „Einige der Immobilien hier befinden sich in der Zwangsversteigerung. Andere können wir als Stadt im Rahmen des Programms Problemimmobilien kaufen, um weitere Bettenlager zu verhindern.“ Die feste Zusage für Fördermittel habe man. Der Bewilligungsbescheid ist allerdings noch nicht eingetroffen.“

Christa Schmidt schlendert derweil ein paar Schritte über die Baustelle. Sie will die Entwicklung genau beobachten.

>>HINTERGRUND: GELD AUCH FÜR TUNNEL

  • 5670 Quadratmeter umfasst das Areal Wehringhauser Straße, das jetzt umgekrempelt wird. 1,182 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Hinzu kommen noch einmal 103 000 Euro, die in die Sanierung des Fußgängertunnels fließen, der den Platz über die Augustastraße mit dem oberen Teil von Wehringhausen verbindet.
  • Dabei wird nicht einfach umgesetzt, was sich das Büro „Lützow 7“ aus Berlin ausgedacht hat. Berücksichtigt werden auch Ideen der Anwohner, die sich in zwei Planungswerkstätten im Jahr 2015 eingebracht haben. Eingebunden ist auch der Fachbereich Stadtentwicklung, -planung und Bauordnung. Im Mai 2018 sollen die Arbeiten beendet sein.
  • Die Fläche soll wesentliche offener als bislang gestaltet werden. Rund um den Brunnen entstehen Staudenrabatten und ein Sitzrondell. Über eine Effektbeleuchtung wird der Drei-Kaiser-Brunnen in Szenen gesetzt. Für Kinder bis sechs Jahre entsteht ein Spielbereich (Ältere finden Angebote auf dem Gelände „Bohne“). Dazu gibt es einen „Urban-Gardening-Bereich“. Anwohner sollen sich unter dem Motto „Grüner Stern“ auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern einbringen. Von einem „besonderen Charakter zwischen Großstadtflair und Natur“ ist die Rede.
  • Ein Schandfleck ist bislang der Fußgängertunnel unter der Bahntrasse in Richtung Augustastraße. Die Trinker- und Drogenszene trifft sich hier. Die Unterführung soll durch eine Beleuchtung, einen helleren Boden und professionelle Graffiti aufgewertet werden. Das Gefälle wird reduziert, der Tunnel künftig barrierefrei. Als Blickfang dient ein großer Leuchter aus Edelstahl im Brückenbogen. Auch in die Neugestaltung sind Bürgerideen eingeflossen.
  • Parkende Autos haben künftig auf dem Bodelschwinghplatz nichts mehr verloren. Zusätzliche Stellplätze werden nach dem Abschluss der Bauarbeiten auf dem Platz an der Wehringhauser Straße eingerichtet. Die bisherige Fahrbahnbreite wird deshalb auf sechs Meter reduziert.

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