Industrieflächen

Böhfeld in Hagen steht nicht zum Verkauf für Gewerbe bereit

Landwirt Christoph Külpmann auf seinem Hof an der Einhausstraße in Hengstey. Auf seinen Feldern am Böhfeld plant die Stadt Hagen ein Gewerbegebiet, doch er möchte auf den Flächen expandieren. Foto:Michael Kleinrensing

Landwirt Christoph Külpmann auf seinem Hof an der Einhausstraße in Hengstey. Auf seinen Feldern am Böhfeld plant die Stadt Hagen ein Gewerbegebiet, doch er möchte auf den Flächen expandieren. Foto:Michael Kleinrensing

Hengstey.   Dass die 30 Hektar Wiesen am Böhfeld für Gewerbeflächen zur Verfügung stehen, erscheint äußerst fraglich. Die Besitzer möchten nicht verkaufen.

Die optimistischen Prognosen der Hagener Wirtschaftspolitiker, dass die landwirtschaftlichen Flächen des Böhfeldes zwischen Hengstey und der A1 sich in ein 29,3 Hektar großes Gewerbegebiet verwandeln lassen, könnten sich als planerisches Luftschloss entpuppen.

Zum einen hat keiner der relevanten Flächenbesitzer bislang irgendein Interesse signalisiert, sein Grundstück verkaufen zu wollen. Zum anderen läuft Anfang März die von der Stadt seit vier Jahren verhängte Veränderungssperre für das Areal ab.

Diese hat es bis heute verhindert, dass der dort ansässige Landwirt Christoph Külpmann einen formalen Bauantrag für seine seit Jahren geplanten, millionenschweren Erweiterungsinvestitionen stellen durfte. Der soll nach den städtischen Ausbremsmechanismen jetzt jedoch in Kürze folgen: „Ich werde mich als nächstes bei der Stadt um einen Termin bemühen, um das weitere Vorgehen konkret abzusprechen“, lässt der 33-jährige Agrarbetriebswirt keinerlei Zweifel, dass er die Zukunft seines Milchviehbetriebes mit derzeit 90 Kühen weiterhin entlang der Böhfeldstraße sieht.

Seit zehn Generationen in Familienbesitz

Bereits seit dem 17. Jahrhundert sind die Külpmänner im Ruhrtal als Landwirte heimisch. Das aktuelle Gehöft dient seit 1874 als Familiensitz, Christoph Külpmann führt den Betrieb inzwischen in der zehnten Generation. Damit diese Tradition eine wirtschaftliche Perspektive hat, muss der Landwirt die Haltung seiner Kühe zeitgemäß modernisieren.

Dazu gehören neben einer offenen Stallanlage auch eine Maschinenhalle, Futterlager sowie ein Güllebehälter. Und natürlich die möglichst angrenzenden Futter-Anbauflächen für Gerste, Weizen, Mais und Raps. Die bislang mit der Planungsverwaltung geführten Gespräche über eine komplette Verlagerung des landwirtschaftlichen Betriebes in eine andere Stadt haben nach Angaben von Külpmann zu keinerlei Ergebnis geführt: „Die Stadt hat sehr schnell gemerkt, dass dies extrem teuer wird.“

Vor diesem Hintergrund hat die Familie Külpmann, in deren Besitz sich etwa die Hälfte jener Potenzialflächen befindet, die die Stadt gerne als Gewerbe- und Industriegebiet ausweisen möchte, weiterhin keinerlei Interesse, auch nur einen Quadratmeter aufzugeben. Ähnlich hatte sich der Landwirt auch schon im November vergangenen Jahres im Rahmen einer Bürgeranhörung geäußert.

Keine Gespräche mit Anwohnern

Auf demselben Standpunkt beharrt auch die Familie Hofnagel, deren Heim an der Böhfeldstraße steht und die ebenfalls über einige Hektar am Böhfeld verfügt: „Mit uns hat noch nie jemand gesprochen und wir denken auch gar nicht daran zu verkaufen“, versichert Herbert Hofnagel im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ähnlich die Haltung der katholischen Kirche, die am Böhfeld ebenfalls über etwa elf Hektar verfügt. Hier besteht nach Angaben von Kirchenvorstand Burkhard Wehner einhelliger Konsens, dass man an dieser Stelle keinerlei Verkaufsinteressen verfolge. Somit ist eine wesentliche Voraussetzung für diese neue Gewerbefläche – nämlich eine realistische Veräußerungsabsicht durch die aktuellen Grundstücksbesitzer – gar nicht gegeben.

Zudem ist das Bebauungsplanverfahren der Stadt, für dessen Abarbeitung extra die am 6. März auslaufende Veränderungssperre verhängt wurde, noch immer nicht abgeschlossen. „Ein Grund hierfür sind die komplexen Eigentumsverhältnisse des Plangebietes und die schwierige Suche nach Alternativflächen für die von der Planung betroffene Landwirtschaft“, erläutert Stadtsprecher Michael Kaub das zähe Verfahren.

Enteignung wird ausgeschlossen

Eine Enteignung der Grundstücksbesitzer hat Baudezernent Thomas Grothe zuletzt bei einer Bürgeranhörung ausgeschlossen. Grundsätzlich gilt: Enteignungen kommen nur dann als letzes Mittel in Frage, wenn im Rahmen einer Abwägung das Wohl der Allgemeinheit höher zu bewerten ist und sich keine Alternativen abzeichnen.

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