Autobahn

Brückenneubau belastet Verkehr auf A45 auf Jahre

Mit dieser Drohnen-Aufnahme gut zu sehen: Die Brücken Kattenohl und Brunsbescke liegen nah beieinander.

Mit dieser Drohnen-Aufnahme gut zu sehen: Die Brücken Kattenohl und Brunsbescke liegen nah beieinander.

Foto: Alex Talash

Hagen.  Der Neubau der Autobahnbrücken Kattenohl und Brunsbecke ist für die Baufirmen eine Herausforderung. Aber auch für die Fahrer. Ein Überblick.

Es ist die Großbaustelle vor der Großbaustelle. 4,5 bis 5 Millionen Euro werden derzeit schon an den Autobahnbrücken Kattenohl und Brunsbecke im Hagener Süden verbaut. Und dabei wird noch nicht ein einziger Pfeiler oder ein einziger Meter neue Fahrbahn gebaut. Nein, die breiten Straßen, die sich teils in Serpentinen durch den Wald schlängeln, und weitere Maßnahmen haben nur einen Zweck: Sie sollen ermöglichen, dass ab Mitte 2018 tatsächlich mit dem Bau der beiden Autobahnbrücken begonnen werden kann.

Drohnenflug über Hagens Brückenbaustellen

110 bis 115 Millionen Euro

Sie sind zwar beide kürzer als die nur wenig entfernt liegende Lennetalbrücke, die derzeit ebenfalls neu gebaut wird. Doch ihre abgelegene Lage, mitten im Wald mit steilen Hängen, macht dieses Bauprojekt äußerst anspruchsvoll. Und so sind die Neubauten dieser beiden Brücken viel mehr als nur die kleinen Schwestern der Lennetalbrücke. Keiner weiß das wohl besser als Michael Neumann vom Landesbetrieb Straßen NRW. Der Bauingenieur ist sowohl bei der Lennetalbrücke als auch bei den Brücken Kattenohl und Brunsbecke Projektleiter. „Die Wege hier sind steil und schwierig. Allein die Baustelle anzufahren, ist viel aufwändiger als im Lennetal.“

Von der Abfahrt Hagen-Süd aus können die Baufahrzeuge die Kattenohler Straße entlang fahren. Später wird es auch noch eine direkte Baustellenzufahrt von der Autobahn geben. Neben den inzwischen asphaltierten Baustraßen wird derzeit auch eine Regenwasser-Behandlungsanlage neben der A45 im Bereich „Kattenohler Straße – Wiethof“ gebaut. Eine weitere Anlage wird zusammen mit den Brückenbauarbeiten erstellt.

Dorthin wird all das Wasser, das sich auf den Brücken bei Niederschlag ansammelt, geleitet und aufbereitet. Zum einen, um bei Starkregen die Massen nicht direkt talabwärts in die Volme schießen zu lassen. Noch wichtiger aber: Das Wasser wird von möglichen Kraftstoffrückständen, die sich auf der Autobahn sammeln, gereinigt – den Umweltvorschriften wird damit genüge getan. Und: Vor der Kattenohler Brücke ist der Standstreifen in Richtung Frankfurt verstärkt, beziehungsweise ertüchtigt worden, damit hier während der Bauarbeiten der gesamte Verkehr in Richtung Süden und Norden vierspurig über eine Brückenhälfte laufen kann.

Brunsbecke ist der schwierigere Fall

Aber wie gesagt: Das ist nur das Vorspiel. Derzeit läuft das Vergabeverfahren für die eigentlichen Bauarbeiten, bis März 2018 soll ein Unternehmen den Zuschlag erhalten haben. Auf 110 bis 115 Millionen Euro werden die Neubau-Ausgaben geschätzt. Die Grafik oben zeigt das komplizierte Vorgehen: Mehrere Bauabschnitte und ganz unterschiedliche Verkehrsführung werden die Fahrer der vielen 1000 Fahrzeuge auf der Autobahn 45 in den nächsten Jahren beschäftigen.

Die größere Herausforderung ist dabei das Teilprojekt Brunsbecke. Nicht allein, weil sie mit 540 Metern die längere der beiden ist. Vielmehr bereitet der Umstand Schwierigkeiten, dass sie aus nur einem Stück besteht. „Das würde man heute nicht mehr so machen“, sagt Projektleiter Michael Neumann. „Der Neubau wird auch aus zwei Teilen bestehen.“ Aber damit es dazu kommen kann, muss ein Verfahren wie derzeit bei der Lennetalbrücke angewendet werden. Das heißt: Neben der Talbrücke Brunsbecke werden in Fahrtrichtung Dortmund Behelfspfeiler gebaut, auf diese wird dann die erste Brückenhälfte gebaut.

Ist sie fertig gestellt, dann wird – wie derzeit auf der Lennetalbrücke – der gesamte Verkehr in beiden Richtungen auf jeweils zwei Fahrstreifen über die neue Brücke auf den Behelfspfeilern geführt. Die alte Brücke Brunsbecke kann dann komplett abgerissen werden.

Die neuen Pfeiler werden gebaut, ebenso wie die Fahrbahn in Richtung Frankfurt. Zum Schluss wird dann, wie bei der Lennetalbrücke für das Jahr 2019 vorgesehen, die Fahrbahn Richtung Dortmund auf die neuen Pfeiler geschoben.

Vergleichsweise einfach wird es dagegen bei der Brücke Kattenohl, die schon jetzt aus zwei Teilen besteht. Hier kann ein Brückenteil nach dem andern abgerissen und neu gebaut werden (zunächst ist der Brücken-Teil Richtung Dortmund an der Reihe). Der gesamte Verkehr in Richtung Nord und Süd wird dann jeweils zweispurig über die andere Brücken-Hälfte geführt. Für beide Brücken gilt: Sie werden als so genannte Stahlverbundbrücken gebaut.

Abriss ohne Sprengungen

So kompliziert wie der Neubau werden wird, wird auch der Abriss der alten Brückenteile. Die riesigen Betonbauwerke müssen vor Ort zerkleinert und über die teils steilen Baustraßen oder auch über die A45 abgefahren werden. Das alles wird mit dem Einsatz von Abrissbaggern und großen Kränen geschehen, eine Sprengung von Brückenpfeilern, wie teilweise auch an der Lennetalbrücke geschehen, ist aktuell nicht vorgesehen.

>>> 3 FRAGEN AN PROJEKTLEITER MICHAEL NEUMANN

1. Schon jetzt staut sich der Verkehr auf der A 45 vor der Lennetalbrücke oft bis zu den Brücken Brunsbecke und Kattenohl. Wäre es da nicht besser,die Baustelle zu verschieben, bis die Lennetalbrücke – voraussichtlich im Jahr 2019 – fertig ist?

Michael Neumann ( Straßen.NRW): Der Stau ist nicht schön, aber wir werden die Planungen nicht ändern. Wir haben schlicht und einfach nicht die Zeit dafür. Die gesamten Brückensanierungen entlang der Autobahn 45 sind eng getaktet, wir werden die kommenden 15 bis 20 Jahre hier bauen. Zum einen soll der Verkehr während der Baumaßnahmen weiter fließen können, zum anderen werden die Baustellen so disponiert, dass die Sauerlandlinie nicht zu einer einzigen riesigen Dauerbaustelle mutiert. Daher werden wir zum Beispiel nahe beieinander liegende Talbrücken als Brückenpärchen“ realisieren und nicht hintereinander bauen.

Über einen Teil der Brücke Kattenohl, die wegen ihres Zustands erneuert werden muss, wird während der Umleitungsphase der gesamte Verkehr in beide Richtungen geführt – inklusive der regelmäßigen Staus. Wird die Brücke das überhaupt aushalten?

Neumann: Ja, das ist alles berechnet worden. Falls notwendig werden die alten Brücken vorab ertüchtigt, so dass sie die geplanten Verkehrsführungen aushalten können. Die Brücke Kattenohl genauso wie die Brücke Brunsbecke sind ja nicht einsturzgefährdet. Sie müssen aber in den nächsten Jahren erneuert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sie irgendwann so beschädigt sind, dass sie gar nicht mehr oder stark eingeschränkt genutzt werden können. Das wäre für eine so viel befahrene Autobahn wie die Sauerlandlinie eine Katastrophe.

Die Brücken, die nun abgerissen werden sollen, haben etwa 50 Jahre gehalten haben. Wie lange halten die neuen Brücken?

Neumann: Die neuen Brücken haben voraussichtlich eine Nutzungsdauer von mindestens 60 bis 70 Jahren.

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