Kriminalität

Brutaler Goldräuber gefasst – Überfallopfer ist erleichtert

Goldschmiedemeisterin Rosemarie Witthüser-Freitag hat sich durch den brutalen Überfall nicht unterkriegen lassen. Auch wenn sie ihr Geschäft nun Ende August schließen wird: Sie liebt weiter ihren Beruf.

Foto: Michael Kleinrensing

Goldschmiedemeisterin Rosemarie Witthüser-Freitag hat sich durch den brutalen Überfall nicht unterkriegen lassen. Auch wenn sie ihr Geschäft nun Ende August schließen wird: Sie liebt weiter ihren Beruf. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Sie ist erleichtert: Goldschmiedin Rosemarie Witthüser-Freitag war Opfer eines brutalen Überfalls. Jetzt wurde ein 35-jähriger Täter gefasst.

Sie war das Opfer des brutalen Raubüberfalls, schwebte zeitweise in Lebensgefahr doch jetzt kann Rosemarie Witthüser-Freitag aufatmen: „Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet. Es ist großartig, dass die Polizei den Täter gefasst hat.“ Denn der Fall, der in Hagen und darüber hinaus für Entsetzen gesorgt hat, scheint geklärt: Ein 35-jähriger Serbe ist dringend tatverdächtig, die 77-jährige Goldschmiedin am 20. August 2016 in ihrem Geschäft am Bergischen Ring brutal niedergeschlagen und Goldschmuck im Wert von rund 300 000 Euro geraubt zu haben.

Der verheiratete Vater zweier Kinder sitzt bereits in der Justizvollzugsanstalt in Hamburg: Im Dezember 2016 hatte er auf ähnliche Weise einen Juwelier in der Hansestadt überfallen. Dafür ist er inzwischen zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Letztlich war es diese Tat, die zur Klärung des Hagener Überfalls führte.

Den Stein hat Martin Winckel ins Rollen gebracht. Er betreibt den von seinem Vater in Hagen ins Leben gerufene und inzwischen international agierenden „Juwelier-Warndienst“, ein Präventionsnetzwerk, das Goldschmiede und Juweliere vor Kriminellen warnen soll. Winkel analysiert dafür Massen von Polizeimeldungen. Und so stieß er auch auf den Überfall in Hamburg: „Da habe ich sofort gespürt: Das hat etwas mit Hagen zu tun.“

Denn die Parallelen waren frappierend: Wie bei dem Überfall auf Rosemarie Witthüser-Freitag, so schlugen auch hier die Täter an einem vermutlich ruhigen Samstagvormittag zu. Auch hier lag das Geschäft abseits der Fußgängerströme. Auch hier gingen die Täter sofort äußerst brutal vor und konzentrierten sich bei der Beute auf schwere Goldstücke. Allerdings konnte in Hamburg eine Zeugin der Polizei den entscheidenden Hinweis auf die Fluchtrichtung geben. In einer U-Bahn-Station konnten der 35-jährige Serbe und ein 27 Jahre alter Landsmann festgenommen werden. Der Juwelier-Warndienst machte die Hagener Polizei auf den Fall aufmerksam. Und in der Tat: Letztlich war es diese Spur mit der Nummer 107, die den Durchbruch brachte.

DNA-Spuren überführen Täter

Die zeitweise zehnköpfige Ermittlungsgruppe um Ingo Scheid, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Mordkommission, bat die Hamburger Kollegen um eine DNA-Entnahme bei den beiden Tätern. Und bei dem 35-Jährigen gab es einen eindeutigen Treffen: Seine DNA passt zu Blutspuren, die am Bergischen Ring gefunden wurden. Der 35-Jährige hatte sich bei der brutalen Attacke auf Rosemarie Witthüser-Freitag selbst verletzt.

„Durch den bundesweiten Austausch mit den anderen Polizeibehörden wären wir sicher auf den Fall gestoßen“, so Scheid. „Aber der Hinweis vom Juwelier-Warndienst hat die Ermittlungen beschleunigt.“

Der 27 Jahre alte Hamburger Mittäter war wohl nicht an der Hagener Tat beteiligt. Jedenfalls fanden sich keine DNA-Spuren. Gleichwohl geht Ingo Scheid fest davon aus, dass es Mittäter gab: „Der 35-jährige Serbe hat sonst keinen Bezug zu Deutschland, er ist wohl nur zur Begehung von Straftaten eingereist. Aber das Goldschmiede-Geschäft am Bergischen Ring ist so klein und liegt so versteckt, da muss es Mittelsmänner vor Ort gegeben haben.“ Doch gebe es derzeit keine Spur zu weiteren Tätern und der Serbe schweige.

Für Rosemarie Witthüser-Freitag, die keine Erinnerung an die Tat hat und Ende August ihr Geschäft schließen wird, ist es dennoch sehr beruhigend, dass der Haupttäter nun sitzt: „Ich werden auch heute noch jeden Tag von Menschen auf den Überfall angesprochen.“

>> HINTERGRUND: Beute wohl eingeschmolzen

Die Polizei hatte nach dem Überfall eine Vielzahl von Spuren abgearbeitet. Eine war mit Spürhunden bis nach Mülheim verfolgt worden. Eine dortige Fahrschule geriet kurz ins Visier, weil ein Werbeblatt am Tatort lag.

Die Beute bleibt verschwunden. Sowohl die Polizei als auch Martin Winckel vom Juwelier-Warndienst gehen davon aus, dass das Gold sofort eingeschmolzen wurde, um die Spuren zu verwischen.

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