Busverkehr in Hagen

Bürger-Wut: Linie 527 soll sich durchs Felsental quetschen

Und hier soll jetzt der Bus durchfahren: Ein Teil der Protest-Bürger auf dem Bürgersteig der Straße „Im Felsental“.

Und hier soll jetzt der Bus durchfahren: Ein Teil der Protest-Bürger auf dem Bürgersteig der Straße „Im Felsental“.

Foto: Michael Kleinrensing

Emst.  Bus-Ärger auf Emst: Über 200 Anwohner sind wütend wegen der Verlegung einer Buslinie in eine viel zu enge Straße. Die Straßenbahn hält dagegen.

Wie schon vor einem Jahr in Altenhagen gibt es erneut massiven Protest mit Blick auf die Buslinie 527 – und zwar in der Straße Im Felsental. Ab dem 15. Dezember soll durch die enge und steile Wohnstraße 68-mal am Tag die 527 rollen. Für die Anwohner ist das aus mehreren Gründen unmöglich.

Attraktiver soll das Hagener Busnetz werden. Per Ratsbeschluss stellt die Kämmerei nun jährlich 2,57 Millionen Euro mehr zur Verfügung, um einen festen, verlässlichen Linientaktverkehr auf den Hauptachsen zu etablieren sowie vorzugsweise in den Abend- und Nachtstunden das Angebot attraktiver zu gestalten. Die geforderte „gleichmäßige Vertaktung“ von der Hagener Stadtmitte ins Wasserlose Tal soll dabei mit den Linien 518 und 519 erreicht werden, die von der Hengsteyseestraße in Herdecke bis nach Emsterfeld im 15-Minuten-Takt verkehren.

Die Linie 527 soll ab dem 15. Dezember neu den Bereich Emst entlang der Straßen „Am Waldesrand“ und „Felsental“ im 30-Minuten-Takt durchfahren. Die Haltestelle „Baufeldstraße“ wird entfallen.

Da halten mindestens 200 Bürger in der Straße Im Felsental aber wütend dagegen. „Eine Verstärkung der Linie 519 bringt keinerlei Ersatz für die Bürger, denn die Haltestellen bleiben wie gehabt. Alle Wege sind weiter als bisher und auch weiter als für die Bewohner des Waldesrands. Im Felsental ist angesichts der Straßenbreite von nur vier Metern gar kein Begegnungsverkehr möglich“, ärgert sich Melanie Müller-Wiehl, Sprecherin einer Protest-Gruppe von Bürgern auf Emst.

Trotz ähnlicher topographischer Lagen in Hagen fahre nirgends durch so eine enge Straße ein Bus. Wenn nun Busse über die Bürgersteige ausweichen müssten, sei die Sicherheit der Fußgänger und Kinder gefährdet und die Bürgersteige gingen kaputt. Müller-Wiehl: „Zu deren Instandhaltung sind wir Anwohner verpflichtet.“

Viele Anwohner seien auf Parkraum angewiesen, da die Grundstücke keine Möglichkeiten böten und ein Ausweichen in die Nachbarschaft unzumutbar sei. Die zu schmalen Bürgersteige, das starke Gefälle und die Tatsache, dass die Bewohner von Alt-Emst vom Busnetz abgeschnitten würden, verschlimmere die Situation zusätzlich.

Die Straßenbahn vertritt da zur großeren Verwunderungen der wütenden Bürger eine ganz andere Meinung: „In den letzten Jahren erreichen uns immer wieder Kundenwünsche aus der Großwohnsiedlung „Am Waldesrand“ mit dem Wunsch einer Busanbindung, da dieses Gebiet auf einem Berg liegt. Der demografische Wandel leistet seinen Beitrag dazu“, erklärt Rieke Hölscher, Sprecherin der Hagener Straßenbahn.

Weiter den Wasserturm anbinden

Um weiterhin den Bereich Wasserturm anzubinden, komme nur eine Verlegung der Linie über die Straße am Waldesrand und Felsental in Betracht. Während der Bereich der Straße „Am Waldesrand“ gut ausgebaut sei, sei das kurze Stück durch die Straße „Felsental“ schmaler, jedoch übersichtlich.

Sofern sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten würden (Durchfahrtsbreite: drei Meter, Halteverbot auf einer Länge von fünf Metern zum Kreuzungsschnittpunkt, Halteverbot 15 Meter vor und hinter dem Haltestellenschild) seien auch hier keine Probleme zu erwarten. Anders sei es auf dem Abschnitt „Im Eichenwald“ zwischen den Einmündungen „Am Berghang“ und „Felsental“, wo die Linie 527 bereits problemlos verkehre. Dieser Abschnitt sei nicht breiter als die Straße „Felsental“, jedoch weitaus unübersichtlicher. Probleme habe es hier jedoch nie gegeben.

Der Straßenbahn sei kein Protest bekannt. Es hätten sich sogar Bürger gemeldet, die sich über die Anbindung der Siedlung „Am Waldesrand“ freuen würden. Das ist schlicht falsch“, sagt Müller-Wiehl, „meine Beschwerde und die einer anderen Familie sind an die Straßenbahn gegangen. Meine Beschwerde war im Arbeitskreis ÖPNV und in der Ratssitzung auf der Agenda.“

Arbeitskreis bedauert, dass Meinungen von Bürgern und Politik auseinandergehen

Stellvertretend für den „Arbeitskreis ÖPNV“ in Hagen hat Achim Kämmerer (CDU) auf die Beschwerde der Emster Bürger reagiert. Am 29. Oktober habe man sich in der Sache beraten.

Vertreter aller Ratsfraktionen, der Verwaltung und der Straßenbahn hätten sich für die Verlegung in dieser Form ausgesprochen. Es ergebe sich durch die Verstärkung der Linie 519 bei der Erschließung von Emst die Chance, die 527 früher vom Wasserlosen Tal abbiegen zu lassen und den dicht besiedelten Bereich „Am Waldesrand“ mit seinem hohen Fahrgastpotenzial zu erschließen.

Neben kritischen Stimmen habe es eine Vielzahl von Bürgern gegeben, die die Änderung begrüßen würden. Insbesondere die Berglage und das hohe Alter der Bewohner sei entscheidend. Kämmerer erklärt: „In vielen Bereichen in Hagen gibt es diese Engpässe in der Weise, dass Begegnungsverkehr zwischen Bussen nur eingeschränkt möglich ist. Dies wird durch entsprechende Gestaltung des Fahrplans und durch Kommunikation der Busfahrer untereinander gelöst.“

Bürger haben von angeblichen Testfahrten nichts bemerkt

Es habe unter anderem Testfahrten gegeben. „Ich bedauere, dass in dieser Frage Ihre Auffassung und die weiter Teile der Stadtpolitik nicht deckungsgleich sind“, so Kämmerer. Testfahrten, so erklären es die verdutzten Anwohner, habe man zu keiner Zeit bemerkt.

Im vergangenen Jahr ist ein ähnlicher Optimierungsversuch auf derselben Linie bereits nach hinten losgegangen. Die Busanschlüsse nach Emst über das Wasserlose Tal sollten verbessert werden – auf Kosten der Anwohner im Drerup-Viertel in Altenhagen, die zu Gunsten einer 15-Minuten-Taktung Richtung Emst abgeschnitten werden sollten.

Nach heftigem Bürgerprotest räumte der Hagener Umweltausschuss ein, dass dem ÖPNV-Arbeitskreis ein Fehler unterlaufen sei und diese Entscheidung, die der Rat auf den Weg gebracht hatte, fachlich einfach nicht gut gemacht gewesen sei. Am Ende blieb alles wie es war. Zur Freude der Bürger

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