Solarenergie

Bürgerstromanlage Berchum: Gesellschafter sind besorgt

Karl-Friedrich Winterhager gehört zu den Gesellschaftern der Bürgerstromanlagen Berchum GbR.. Diese hat vor 12 Jahren die Module aufs Dach der Gebäude gesetzt.

Foto: Volker Bremshey

Karl-Friedrich Winterhager gehört zu den Gesellschaftern der Bürgerstromanlagen Berchum GbR.. Diese hat vor 12 Jahren die Module aufs Dach der Gebäude gesetzt. Foto: Volker Bremshey

Berchum.   Die Jugendbildungsstätte Berchum ist geschlossen. Auf deren Dach befindet sich die Solaranlage einer Bürgerstromanlagen GbR.

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Am Freitag der vergangenen Woche kam für die Jugendbildungsstätte der evangelischen Schülerarbeit von Westfalen (eSw) am Ergster Weg in Berchum das Aus (diese Zeitung berichtete). Da schloss die Einrichtung. Möglicherweise für immer, weil sich noch kein Interessent für diese Immobilie gefunden hat. Das hat möglicherweise Konsequenzen. Auch für Bürgerstromanlagen GbR aus Berchum. Einer der Gesellschafter ist Karl-Friedrich Winterhager. Der ist deshalb besorgt. „Ich sehe dort jetzt regelmäßig nach dem Rechten.“

Denn die Gesellschaft bürgerlichen Rechts hat vor nunmehr 12 Jahren eine Bürgerstromanlage auf das Dach der Jugendbildungsstätte gepflanzt. 240 Quadratmeter groß und rund 127 000 Euro teuer. Insgesamt sind es 180 Module, die zu Spitzenzeiten eine Leistung von 30,6 Kilowatt peak erbringen und deshalb bislang fast 400 000 Kilowattstunden Strom ins Netz des heimischen Energieversorger Enervie eingespeist haben.

Mehr als 30 Mitgesellschafter

Weil die vier Gesellschafter (siehe dazu Info-Box) die Investitionssumme nicht alleine stemmen wollten, stückelten sie diese in 127 Teile zu jeweils 1000 Euro und suchten zur Finanzierung des Projekts stille Mitgesellschafter. Mehr als 30 Männer und Frauen aus Berchum und Umgebung fanden im Jahr 2005 dieses Angebot interessant und erwarben Anteile in einer Höhe zwischen 1000 und 10000 Euro. Eine lohnende Investition, denn die Gesellschafter sind in der glücklichen Lage, wie Karl-Friedrich Winterhager sagt, zuletzt jährlich eine Rendite in Höhe von sechs Prozent auszuschütten.

Nicht nur deshalb sieht er die Schließung der Jugendbildungsstätte mit gemischten Gefühlen. Noch betreut ein Hausmeister die Gebäude am Ergster Weg, noch hält Winterhager einen Schlüssel in den Händen, um zum Ende des Monats die Sonnenenergie-Ernte im Dachgeschoss der Jugendbildungsstätte ablesen und nach Aachen an den Solarförderverein melden zu können. Noch. Denn niemand weiß aktuell, was die Zukunft bringen wird.

Für fünf oder sechs Häuser geeignet

Dabei betont er, dass die Zusammenarbeit mit den Insolvenzverwaltern aus Bochum konstruktiv ist, schließlich haben auch diese ein konkretes Interesse daran, dass die nun verwaisten Gebäude auch zukünftig sinnvoll genutzt werden.

Die Lebensdauer einer solchen Solaranlage wird vom Hersteller mit mindestens 25 Jahre beziffert. „Die Module sind robust und gehen nicht so schnell kaputt. Es sei denn, es tritt ein intensiver Hagelschlag auf.“ Nach zwölf Jahren ist diese Anlage somit noch in einem sehr guten Zustand. „Es ist deshalb durchaus möglich, diese abzubauen und auf fünf oder sechs Einfamilienhäuser zu verteilen“, weiß Karl-Friedrich Winterhager, „aber das ist mit Kosten verbunden. Wir wollen die Anlage aber nicht auf den Müll werfen.“

Die 180 Module nicht demontieren.

Deshalb setzt er darauf, dass die Gebäude am Ergster Weg weiterhin für die Jugendarbeit genutzt werden und in Absprache mit einem möglichen neuen Besitzer die 180 Module auf dem Gebäude bleiben dürfen und nicht demontiert werden müssen. Doch das ist Zukunftsmusik.

Wer sind die Gesellschafter der GbR?

Die Bürgerstromanlagen Berchum GbR hat ihren Sitz in Hagen.

Gesellschafter sind Dr. Helmuth Küffner, Clemens Lohkamp, Günter Keil und Karl-Friedrich Winterhager.

Gegenstand des Unternehmens ist u.a. die Vermarktung von Öko-Strom. Mit der Jugendbildungsstätte wurde deshalb ein Gestattungsvertrag zur Nutzung des Daches abgeschlossen.

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