Interview

Weberg zeigt im Streit um Schlossspiele kein Verständnis

Dario Weberg bei der Auftaktveranstaltung der Schloss-Spiele

Dario Weberg bei der Auftaktveranstaltung der Schloss-Spiele

Foto: Marc Miertzschke

Hohenlimburg.   Zehn Tage Hohenlimburger Schlossspiele sind nicht rentabel – der künstlerische Leiter Dario Weberg im Interview.

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Die Mitteilung des Fürstenhauses, dass die Schlosspiele ab 2018 nicht mehr in der bewährten Form ablaufen sollen, haben die treuen Besucher der kulturellen Festspiele auf der Höhenburg erschüttert – auch den Schlossspiel-Leiter Dario Weberg. In einem Interview mit dieser Zeitung nimmt er zum geplanten Vorhaben des Fürsten Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg Stellung.

Herr Weberg, wann haben Sie von den Plänen des Fürstenhauses erfahren und wie war Ihre erste Reaktion?

Dario Weberg: Die Pressemitteilung ging zeitgleich an die Medien und den Vorstand des Vereines, der mich umgehend in Kenntnis setzte. Meine erste Reaktion ist wie meine nachhaltige Reaktion: Unverständnis mit einer großen Portion Verärgerung.

Steht das Schlossspiel-Programm für 2017 schon im Groben?

Der Slogan und auch die Entscheidung für die im Mittelpunkt stehende große Theaterproduktion stehen. Im Groben steht auch das gesamte Programm, bis auf ein-, zwei Kinderstücke, die ich noch auswählen möchte. Näheres möchte ich auf unserem „Helfer-Danke-Schön-Treffen“ im Werkhof Ende Januar verkünden.

Wann müssen Sie mit der Planung für die Schlossspiele 2018 beginnen?

Seit ich die künstlerische Leitung von Dr. Peter Schütze Ende 2014 übernommen habe und damit die Verantwortung für die inhaltliche Planung, ist es mir und dem Verein nicht leicht gemacht worden, frühzeitig und planungssicher zu arbeiten. Das hat zum Einen die Ursache in den Renovierungsarbeiten am Schloss, zum Anderen an der strategischen Ausrichtung des Fürstenhauses. Dieses wirft immer wieder neue Wünsche und Forderungen in die Planungen, die es erschweren, langfristig und seriös zu planen. Aus diesem Grunde haben wir bereits im Interesse der Schlossspiele Hohenlimburg mit der Planung 2018 begonnen und die Verhandlungen mit dem Fürstenhaus Bentheim-Tecklenburg aufgenommen, in denen wir uns momentan noch nicht abgeschlossen befinden.

Würde sich der barocke Schlossgarten für Veranstaltungen im Rahmen der Schlossspiele eignen?

Für einzelne Veranstaltungen im Rahmen der Schlossspiele sicherlich. Zum Beispiel der ökumenische Gottesdienst, der in dieser Form auch schon stattgefunden hat. Ich kann mir diesen Veranstaltungsort als Ort gut vorstellen, aber nur für Veranstaltung ohne großen technischen Support, und das auch nur bedingt, siehe Wetter. Würden alle Veranstaltungen, auch Schauspiel, Jazz, Klassik dort stattfinden, würden wir auf alles verzichten, was den Charakter, die Atmosphäre, den Geist und das Besondere dieses Events ausmacht. Es heißt ,Schloss-spiele-Hohenlimburg’, wobei die Betonung auf ,Schloss’ und ,Hohenlimburg’ liegt. Diesen Vorschlag von Fürst Bentheim, die Schlossspiele generell in den Garten zu verlegen, habe ich aus künstlerischer Sicht abgelehnt. Stellen Sie sich mal vor, der wunderbare Weihnachtsmarkt mit seiner fantastischen Atmosphäre fände im barocken Schlossgarten statt, undenkbar!

Halten Sie ein Zehn-Tage-Programm der Schlossspiele mit einem Wochenende für rentabel?

Nein. Der finanzielle und organisatorische Aufwand des Vereines steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Die Wochenenden sind besonders wichtig, auch der Sonntag. Der Aufwand nur allein für das Schauspiel ist so immens und zudem durch Sponsoren gefördert, dass die Produktion mindestens, was auch schon wenig ist, fünf bis sechs Mal gespielt werden muss.

Das Helfer-Team benötigt auch ,freie’ Tage, um Vorstellungen organisatorisch vorzubereiten. Schon in diesem Jahr sind wir an die Grenzen unserer Kapazität gestoßen. Was die freiwilligen Helfer leisten, ist unvorstellbar. Eine Verkürzung auf zehn Tage würde das Gesamtkonzept torpedieren.

Wie bewerten Sie diesen (geplanten) Einschnitt in die heimische Kultur? Lässt sich mit dem Fürstenhaus wohl noch reden?

Ich bewerte diesen (geplanten) Einschnitt in die heimische Kultur sogar noch drastischer als die Einschnitte, die unsere heimische Kultur ohnehin schon zu ertragen hat, denn hier wird bürgerliches und ehrenamtliches Engagement zum Wohle der Gemeinschaft und der Hagener Bürger - manche sprechen auch von Hohenlimbürgern - und deren Kultur nicht nur erschwert, sondern als ,Störfaktor’ in einer wirtschaftlichen Ausrichtung gesehen. Das hat sich noch nie vertragen. Schon gar nicht, wenn beide Partner mit einem so großen Pfund wuchern können.

Wir müssen miteinander reden und das werden auch tun, denn in der Vergangenheit war die Beziehung des Vereines zum Fürstenhaus immer von großem Respekt und Vertrauen geprägt, sonst hätte es diese Schlossspiele nicht über 60 Jahre gegeben. Wir müssen aufeinander zugehen, um das Beste für alle Beteiligten zu erreichen.

Zur Information

Wie ausführlich berichtet, plant das Fürstenhaus, die Schlossspiele ab 2018 nicht mehr drei Wochen einschließlich Wochenenden lang im Innenhof des Schlosses stattfinden zu lassen.

Die Schlossspiele sollen nur noch zehn Tage mit nur einem Wochenende andauern. Der Schlossgarten und das Schlossrestaurant stehen für Veranstaltungen zur Verfügung, der Fürstensaal jedoch nicht mehr.

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