Kommentar „Mein Hagen“

Das Mysterium der Hagener Radwege

WP-Redakteur Martin Weiske

WP-Redakteur Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Als durchaus erstaunlich empfindet es WP-Kommentator Martin Weiske, dass im Rathaus niemand weiß, wo in Hagen solitäre Radwege verlaufen.

Man stelle sich vor, eine Kommune feilt im Rahmen der viel gepriesenen Verkehrswende akribisch an einem zukunftsweisenden Radverkehrskonzept, weiß aber gar nicht, welche Zweiradtrassen in der Stadt bislang schon existieren.

Undenkbar?

Keineswegs. In Hagen, so musste die Verwaltung jetzt in der Bezirksvertretung Haspe beichten, ist dieser Ausdruck peinlichster Unkenntnis bittere Wirklichkeit.

Geständnisse des Rathauses

Auslöser für dieses entlarvende Geständnis war eine Anfrage der Grünen. Diese wollten im April mal wissen, wer nach dem Winter für die Beseitigung des Granulats auf den Radwegen zuständig ist.

Und – zack! – ein halbes Jahr später gibt es bereits die vorläufige mündliche Auskunft: Die Reinigung entlang der normalen Straßen übernimmt der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB), während bei den Kombi-Geh-/Radwegen die jeweiligen Anlieger mindestens alle 14 Tage fegen müssen.

Aber wer kümmert sich um die solitären Zweiradtrassen – beispielsweise im Lennetal? Also jene Verkehrswege, die im Rahmen der Verkehrswende eigentlich als idealtypisch angesehen und daher jetzt auch zwischen Wehringhausen und Haspe für einen Millionenbetrag neu gebaut werden.

Neukonzeption als Suchspiel

Wer macht denn dort bislang und künftig sauber?

Darüber, so räumt die Stadt jetzt ein, habe sich im Rathaus noch nie jemand Gedanken gemacht. Was man den Strecken ja leider auch ansieht.

Die erste Priorität lautet nun daher: Radwege erst einmal finden. Kein städtisches Kataster und keine Straßendatenbank gibt darüber bislang Auskunft. Die Verwaltung appelliert gar an die Hasper, ihnen bekannte Abschnitte zu melden, damit sich das Radwege-Mysterium entzaubern lasse.

Im Klartext: Der Weg hin zu einem zeitgemäßen Radverkehrskonzept für Hagen erscheint angesichts dieser Grundlagen-Daten noch unendlich weit. Dennoch könnte mit dem Fegen bereits bekannter Abschnitte durchaus schon einmal begonnen werden.

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