Tierschutz

Debatte über Auftrittsverbot für Zirkustiere in Hagen

Dompteur Marek Jama vom Zirkus Charles Knie ist beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet worden. Auch am Höing sollen Kamele, Lamas, Kängurus  und Rinder in der Manege auftreten. Dagegen regt sich Protest.

Foto: Zirkus Knie

Dompteur Marek Jama vom Zirkus Charles Knie ist beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet worden. Auch am Höing sollen Kamele, Lamas, Kängurus und Rinder in der Manege auftreten. Dagegen regt sich Protest. Foto: Zirkus Knie

Hagen.   Tierschützer protestieren, die Grünen bringen ein Auftrittsverbot ins Gespräch: Das Gastspiel des Zirkus Knie in Hagen sorgt für Diskussionen.

Noch ist kein Pflock auf dem Otto-Ackermann-Platz am Höing in den Boden gerammt worden. Und noch knabbert kein Zebra an den Grashalmen, die in den Randbereichen aus dem Boden wuchern. Und trotzdem ist die Diskussion um ein Verbot von Zirkussen, die mit Wildtieren in Hagen auftreten wollen, in vollem Gange.

Auf der einen Seite der Tierschutzverein, der für den 4. Juni, 13.30 eine Demonstration ankündigt, die Fraktion der Grünen, die mit einer Anfrage im Umweltausschuss an die Verwaltung herangetreten ist. Und nicht zuletzt die Stadt, die feststellt: „Eine artgerechte Haltung zahlreicher Wildtiere (z.B. Giraffen, Nashörner, Flusspferde) in reisenden Zirkusbetrieben ist aus tierärztlicher und zoologischer Sicht nicht möglich.“

Mit 90 Tieren durch Deutschland

Auf der anderen Seite der Zirkus Charles Knie, der sich selbst als „Europas Top-Zirkus“ bezeichnet, der nach eigenen Angaben mit 90 Tieren durch Deutschland reist und dessen Tiertrainer zum Teil beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet wurden.

„Wir sind einer der meist kontrollierten Tierbetriebe Deutschlands“, sagt Zirkussprecher Patrick Adolph. „Wir geben pro Jahr rund 45 Gastspiele. Wir melden uns beim zuständigen Veterinär an und werden begutachtet.“

Rein rechtlich ist die Lage komplex. Denn laut Verwaltung geht es nicht in erster Linie um eine artgerechte Haltung, sondern darum, dass die Betriebe Mindeststandards erfüllen müssen. Das gelinge nahezu jedem größeren Zirkus. Die Stadt wiederum überwache vor Ort, dass sich die Zirkusse an die Vorgaben hielten. „Daher liegt keine rechtliche Handhabe vor, Zirkusbetrieben mit Wildtieren bereits im Vorfeld generell Auftritte zu untersagen.“

Erfolg für Zirkus vor Gericht

Kommunen, die genau das versucht hätten, seien gescheitert.

Erfolgreich war unter anderem der Zirkus Charles Knie gegen die Stadt Hameln, die zuletzt das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht angerufen hatte (Az. 10 ME 4/17). „Der Verband der Zirkusunternehmen beschäftigt sich bundesweit mit Fällen“, so Patrick Adolph.

Ansonsten setzt der Zirkus Charles Knie auf Transparenz: „An den Vormittagen und in den Pausen der Vorstellungen können sich unsere Besucher ein Bild davon machen, wie wir die Tiere halten. Die Fraktion der Grünen laden wir herzlich ein, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen und mit unseren Tiertrainern zu diskutieren“, sagt Adolph. Auch gegen Demonstrationen habe man nichts einzuwenden. Allerdings sehr wohl gegen Beschimpfungen von Besuchern, Zerstörung von Plakaten oder Schmierereien an Wohnwagen. „Das haben wir alles schon erlebt.“

Einladung an die Kritiker

Immerhin: Die Einladung wollen die Grünen annehmen. „Wir sehen diese Diskussion nicht ideologisch“, sagt Hans-Georg Panzer, Grünen-Ratsherr und Vorsitzender des Umweltausschusses. „Unser Blick gilt dem Wohl der Tiere. Vielleicht geht es zu weit zu sagen, dass Tiere ganz generell nicht im Zirkus verloren haben. Aber mir kann niemand erklären, wie man eine Giraffe artgerecht halten will. Das ist schon in Zoos problematisch. Bei Zirkus-Betrieben kommt aber noch der ständige Transport hinzu.“ In der Fraktion habe man bereits darüber diskutiert, sich selbst ein Bild zu machen. Von daher käme die Einladung gelegen.

>> HINTERGRUND: Peta mischt sich ein

Hunde, Ziegen, Katzen, Zwergenten, Füchse, Laufenten, Minischweine, Truthähne, Gänse, Papageien und Tauben dressiert Jochen Träger-Krenzola. Daneben sind Zebras, Kamele, Lamas, Pferde, Kängurus und verschiedene Rinderarten in der Manege des Zirkus Charles Knie zu sehen.

Die Tierrechts-Organisation Peta fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus. Die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führten zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

Immer wieder muss sich auch der Zirkus Knie mit Vorwürfen von Peta auseinandersetzen.

Dabei verweist die Organisation auf Gerichtsurteile aus Bayern, die ein Verbot stützten.

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