Laienreanimation

Defibrillator streikt beim Erste-Hilfe-Training

„Laienreanimation kann jeder.“ Die HSG Hohenlimburg hatte zur Fortbildung Jens Schilling (rechts) eingeladen. Dabei fiel auf, dass der „Defi“ in der Rundturnhalle nicht funktioniert.

„Laienreanimation kann jeder.“ Die HSG Hohenlimburg hatte zur Fortbildung Jens Schilling (rechts) eingeladen. Dabei fiel auf, dass der „Defi“ in der Rundturnhalle nicht funktioniert.

Foto: heinz-werner schroth

Hohenlimburg.  Es sollte eine Fortbildung für die HSG Hohenlimburg sein. Dabei fiel auf, dass der Defibrillator in der Rundturnhalle nicht funktioniert.

Es war eigentlich eine Routineveranstaltung. Eigentlich. Denn der Hagener Jens Schilling, Gesundheits- und Krankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, wollte als Gast der Handballer der HSG Hohenlimburg noch einmal deutlich machen, dass „Laienreanimation jeder kann“. Mit Herzdruckmassage und mit dem Einsatz eines Defibrillators.

Doch dann passierte in der Rundturnhalle Im Kley etwas, was eigentlich nicht passieren soll. Nein, nicht passieren darf. Denn der Defibrillator war an diesem Abend krank. Möglicherweise sogar tot. Denn die Kontrolllampe leuchtete nicht grün, sie zeigte rotes Licht. Die logische Konsequenz: Das Gerät war nicht einsatzfähig.

„Dafür kann es mehrere Gründe geben. Möglicherweise war die Batterie leer; möglicherweise hat sich das Gerät nach einem Selbsttest aufgrund eines Fehlers abgeschaltet“, weiß Reanimationsfachmann Jens Schilling. Deshalb mahnt er an, dass die „Defis“ eines bestimmten Herstellers regelmäßig kontrolliert werden müssen. „Denn nur ein funktionierender Defibrillator kann im Ernstfall ein Menschenleben retten.“

Sponsor nicht informiert

Was von den Vereinen vielfach nicht beachtet wird, ist der Wartungsmodus. Schilling: „Im Abstand von zwei Jahren muss ein solches Gerät zur Kontrolle zum Hersteller eingeschickt werden. Das dauert drei oder vier Tage, dann ist es wieder zurück.“

Deshalb soll jeder Verein oder jeder Schule mindestens einen Verantwortlichen benennen, der regelmäßig auf den „Defi“ guckt. So, wie er es zum Beispiel in der Turnhalle am Volmewehr für die Handballer des TuS Volmetal praktiziert.

Wiederbelebungs-Kurs
Wiederbelebungs-Kurs

Was Jens Schilling aber ebenso wichtig ist, ist, dass jeder Verein regelmäßig Reanimations-Schulungen für die Mitglieder durchführt. „Einmal im Jahr sollte ein Gruppe geschult werden, denn wenn die Brustdruck-Herzmassage und der Einsatz des Defibrillators reibungslos funktionieren, hat ein Betroffener eine Überlebenschance von fast 60 Prozent.“

Und war sagt die Stadt zur Kontrolle der Geräte? „Für deren Betreuung in den städtischen Sportstätten ist die Stadt nicht zuständig“, sagte Clara Berwe vom Presseamt der Stadt Hagen gestern. „Die liegt im Aufgabenbereich der Vereine.“

So in der Rundturnhalle und auch im Kirchenbergstadion. Denn auch dort gibt es zwei „Lebensretter“, die der Elseyer Apotheker Wolf-Rüdiger Tews finanziert hat. Der erklärte sich sogar bereit sich zu kümmern, wenn die Batterie ausgetauscht werden müsse, um die Kosten dafür zu übernehmen. „Mich hat bislang aber noch niemand informiert. Ich selbst oder einer meiner Mitarbeiter kann aber nicht im Abstand von zwei Wochen zur Rundturnhalle gehen oder ins Kirchenbergstadion fahren, um dort die Batterien zu kontrollieren. Da muss ich mich auf die Vereine oder auf die Hausmeister verlassen.“ Dass diese bei ihrer täglichen Arbeit nicht mal einen Blick auf di e Kontrollleuchte des Defibrillators werfen und notfalls Alarm schlagen können, wundert ihn dann schon. „Das ist für mich unverständlich.“

In Henkhausen ein Leben gerettet

Kontrolle wird beim Hohenlimburger Schwimmverein, der in seinem vereinseigenen Bad in Henkhausen gleich zwei Defibrillatoren angebracht hat, großgeschrieben. Ein Gerät kam vor einem halben Jahr zum Einsatz, als eine Handballerin urplötzlich im Schwimmbad zusammenklappte und durch den „Defi“ und die tatkräftige Erste Hilfe einer Vereinskollegin gerettet werden konnte.

Was aber geschieht mit einem eingesetzten Defibrillator, einem, der ein Menschenleben gerettet hat? „Den haben wir zum Hersteller zurückgeschickt. Dieser hat das Gerät für einen Kostenaufwand von 180 Euro wieder einsatzfähig gemacht. Das ist gut eingesetztes Geld“, sagt Heinz-Werner Schroth, Geschäftsführer des Hohenlimburger Schwimmvereins.

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