Der Ecuador-Austausch hat sie tief geprägt

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Hagen. Ein Schüleraustausch vor drei Jahren hat Fiona Dorn für ihr weiteres Leben geprägt. Sie verbrachte ein Jahr in Ecuador, sah die Armut und die Chancenlosigkeit vieler Kinder in dem südamerikanischen Land, und mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass sie ein vom Schicksal begünstigter Mensch ist: „Ich habe das Glück, in Deutschland geboren worden zu sein. Und ich will von diesem Glück etwas abgeben.“

Vom eigenen Glück etwas abgeben, weitergeben: Fiona Dorn hat sich nach dem Aufenthalt in Ecuador vorgenommen, für andere Menschen da zu sein. Am Hildegardis-Gymnasium, wo sie in diesem Jahr ihr Abitur abgelegt hat, hat die 18-jährige Schülerin diesen Vorsatz in die Tat umgesetzt und sich in den vergangenen Monaten in der Flüchtlingsklasse der Schule eingebracht. Fiona hat mit den Kindern aus Syrien, Afghanistan und anderen Gegenden der Erde zweimal pro Woche Deutsch geübt, Hausaufgaben gemacht oder gespielt: „Vor allem Monopoly, dabei können die Kinder sehr gut auf spielerische Weise unsere Sprache lernen.“

Für ihr Engagement wurde Fiona vom Hagener Zonta-Club der YWPA-Preis verliehen (YWPA bedeutet: young women in public affairs). Die Auszeichnung ehrt junge Frauen, die sich in Schule und Ehrenamt in besonderer Weise engagieren. Christian Haase, Schulseelsorger am Hildegardis-Gymnasium, hat Fiona in der Flüchtlingsklasse erlebt: „Helfen tut auch dem Helfer selbst gut. Er gewinnt an Erfahrungen und Begegnungen.“

Der YWPA-Preis ist mit 500 Euro dotiert – Geld, das Fiona gut gebrauchen kann. Denn im September wird sie für ein freiwilliges soziales Jahr nach Ghana fliegen, um in Gomaa Afransi, einem 3000 Einwohner großen Dorf zwei Autostunden von der Hauptstadt Accra entfernt, Englischunterricht zu erteilen. Der Aufenthalt in dem westafrikanischen Staat wird zwar vom Entwicklungsministerium bzw. dessen Freiwilligendienst „Weltwärts“ unterstützt, doch 2400 Euro muss Fiona selbst aufbringen, um ihr Entwicklungshilfeprojekt zu stemmen. Sie wird in einer Gastfamilie wohnen, muss aber auf Komfort verzichten – eine Internetverbindung gibt es zum Beispiel nicht in Gomaa Afransi: „Damit kann ich leben“, sagt die Schülerin mit den Leistungsfächern Mathematik und Physik: „Es macht mir nichts aus, wenn der Lebensstandard nicht so hoch ist.“

Suche nach Studienplatz

Die Zeit zwischen den letzten Tagen an der Schule und dem Beginn ihres ghanaischen Abenteuers verbringt Fiona mit Nachhilfeunterricht und der Suche nach einem Studienplatz für das Jahr 2017, wenn sie aus Afrika zurückkehrt. Wo immer ihr Lebensschwerpunkt auch liegen wird, der Einsatz für andere Menschen wird wohl ein Teil ihres Ichs bleiben. Das Leben steht der jungen Frau offen, und sie weiß das: „Ich möchte nutzen, was mir offen steht. In welche Richtung es geht, weiß ich noch nicht genau, aber ich möchte es nutzen.“

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