Kleingärten

Der Gesamteindruck zählt

Stolz präsentierten sdie Kleingärtner ihre Parzellen.                                                                                         Foto: Kleinrensing

Stolz präsentierten sdie Kleingärtner ihre Parzellen. Foto: Kleinrensing

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.   41 Kleingartenanlagen hat Hagen aufzubieten. Auf der Suche nach „den schönsten“ war eine achtköpfige Bewertungskommission in der gesamten Volmestadt unterwegs.

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41 stolze Kleingartenanlagen hat Hagen aufzubieten. Auf der Suche nach „den schönsten“ war am Samstag eine achtköpfige Bewertungskommission in der gesamten Volmestadt unterwegs. Der Begutachtungs-Marathon führte zu gepflegten Rabatten, im Wind schwingenden duftenden Blüten und zu gestutzten Hecken, die sich wie Kreuzgänge um die Parzellen ziehen.

Wir haben zwei Punktrichter auf ihrer Etappe begleitet: Marianne von Cieminski (Lünen) und Alois Bredl (Castrop-Rauxel) sind bereits seit acht Uhr morgens auf den Beinen. Mit flinken, geschulten Blicken durchstreifen sie gerade die etwas versteckt liegende Anlage „Im Alten Holz“ in Halden. In den vergangenen Jahren konnte der Verein mit seinen 64 Garteneinheiten schon mehrfach Auszeichnungen einheimsen.

Die Kavallerie der Büsche, gepflanzt in zwei Reihen, die Blätter sind sauber heruntergeschnitten, dort, wo weiße und blaue Hortensien Tupfer setzen und lila Hibiskusblüten sich öffnen. Frau von Cieminski hat ihr Klemmbrett griffbereit und macht sich eifrig Notizen. Worauf achtet die Kleingarten-Bewerterin als erstes? „Auf alles“, antwortet sie kurz und knapp. Der Gesamteindruck einer Anlage zählt: ihr Eingangsbereich, die Wege, die Gemeinschaftseinrichtungen, Kinderspielplätze und Ruhezonen mit Sitzbänken.

Ökologische Aspekte

In Zeiten von Bio-Gemüse und der Sehnsucht nach unverfälschter Natur punkten bei den einzelnen Gärten mehr und mehr ökologische Aspekte: Gibt es Nistgelegenheiten für Vögel, Feucht- und Trockenbiotope für Kröten, Fische und Insekten? Komposthaufen? „Gärtnern wie zu Großvaters Zeiten“, schwärmt Punktrichter Alois Bredl, „ist heutzutage wieder gefragt.“

Eine ganz andere Frage ist, wie die Laube aussieht und ob die Parzelle auch tatsächlich vorschriftsmäßig genutzt wird. In Deutschland ist das alles im Bundeskleingartengesetz und den Landesverordnungen klein-klein geregelt.

Ein Drittel der Parzelle, die 400 Quadratmeter groß sein sollte, ist für Mischkulturen aus Obst und Gemüse vorgesehen. Ein weiteres Drittel für Stauden und Blumen, so genanntes Grabeland. Ein letztes Drittel der Fläche können Rasenflächen, Freizeitgeräte und das Gartenhäuschen einnehmen. Die Laube darf aber, auch das ist gesetzlich festgeschrieben, „einschließlich überdachtem Freisitz höchstens 24 Quadratmeter groß“ sein.

Allen bürokratischen Vorschriften zum Trotz: Die ungestümen grünen Kabinette, es gibt sie dennoch! Gestaltet nach einem gärtnerischen Sinn für Dramaturgie und Pflanzenschutz. Mit einem greisen Obstbaum, der, behütet in die Jahre gekommen, schwer an seinen schrundigen Ästen schleppt. „Dies Gefühl, die Hand auszustrecken, einen Apfel zu pflücken, hineinzubeißen und zu wissen, dass man da was Gesundes isst“, sagt Gartenexperte Roland Rietig, „und es schmeckt auch einfach besser.“

Rietig ist Bezirksfachberater für Hagens gut 3500 Kleingärtner, hält jeden Mittwoch eine zweistündige Sprechstunde ab, die regen Zuspruch findet. Ratlose Gartenfreunde kommen mit Bodenproben oder einem Stückchen Holz mit Wurm bei ihm vorbei, fragen den „Sorgenfachmann“ um Rat.

Derweil sind die beiden Punktrichter in der Kleingartenanlage am Grenzweg (Loxbaum) angelangt. Hier hält Alois Bredl an einer idyllischen Oase inne: Nahe am Gartenhaus reflektiert ein Tümpel den Himmel, er ist von dichtem Schilf überwuchert und von einer kleinen Mauer aus Bruchsteinen liebevoll eingefasst. Ein Ort stummen Erstaunens. „Diese alten Steine“, lobt Bredl und zückt sein Klemmbrett, „sind was für unsere natürlichen Helfer, die Insekten.“

Dann streckt er begeistert seinen (Gärtner)daumen empor.

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