Erbsensuppenessen

Der Hasper Bolzen 2017 geht an das Hagener Rathaus

Im restlos gefüllten Saal des Vereinshauses St. Bonifatius stimmten sich die Hasper beim Erbsensuppenessen auf den Kirmeszug ein. 

Foto: Detlef Bracht

Im restlos gefüllten Saal des Vereinshauses St. Bonifatius stimmten sich die Hasper beim Erbsensuppenessen auf den Kirmeszug ein.  Foto: Detlef Bracht

Haspe.   Wegen des schleppenden Abarbeitens der Hasper Bauprojekte wurde das Hagener Rathaus im Rahmen der Kirmes mit dem Hasper Bolzen 2017 dekoriert.

Seine Bestandsaufnahme klang schon ein wenig abstrus: „In Haspe gibt es zu wenige Baustellen“, konstatierte Dietmar Thieser, in Personalunion Bezirksbürgermeister und Präsident des Hasper Heimat- und Brauchtumvereins (HHBV), am Samstag beim traditionellen Erbsensuppenessen im Vereinshaus St. Bonifatius. Ein Manko, das dem Baudezernat der Stadt Hagen in diesem Jahr den glanzlosen und vor allem wenig schmeichelhaften Hasper Bolzen einbrachte.

Begeisternd lasen die Laudatoren Werner Hahn und Siegfried Gras den Mitarbeitern des Rathaus-Ressorts mal launig und mal bissig, aber immer musikalisch im Namen des HHBV die Leviten. Letztlich mussten Dezernent Thomas Grothe und seine Fachbereichsleiterin Barbara Hammerschmidt ein wenig zerknirscht die zweifelhafte Trophäe in Empfang nehmen.

Vorrang für Hasper Angelegenheiten

Zuvor hatten der erfahrene Theaterbarde und sein Pianist vor den Augen der gut 200 Zuhörer ein erschreckend entlarvendes Zerrbild des Rathauslebens entstehen lassen, das für die Überbringer von Bauanträgen („Dieser Weg wird kein leichter sein“) von Stillstand geprägt ist. Ihre unmissverständliche, augenzwinkernde Forderung: Vorrang für alle Hasper Angelegenheiten. Helene Fischer ließ prompt grüßen: „Atemlos durchs Büro – was nur Haspe aus uns macht . . .“

Der verzweifelte Ausreden-Versuch von Grothe und Hammerschmidt, die planerische Untätigkeit rund um die Krankenhaus-Zufahrt und die Umgestaltung der Hasper Fußgängerzone sei der Idee geschuldet, Haspe an die Deutsche Alleenstraße anzubinden, mochte da kaum zünden. „Dieser Bolzen ist als Motivation und Anschub für die nächsten Jahre gedacht“, betonte Thieser bei der Übergabe, „wir haben das schon einmal so gemacht, danach fluppte alles, und das erwarten wir natürlich auch diesmal.“

Ansonsten entpuppte sich der Vormittag, der als humoristisches Vorglühen und kulinarische Stärkung für den sich anschließenden Kirmeszug dient, in diesem Jahr als ausgesprochen kurzweiliges Vergnügen. Das Moderatoren-Duo Udo Röhrig und Lothar „Lotti“ Weber gestaltete das zuletzt arg zähe Begrüßungsritual entrümpelt und humorig, so dass bereits nach fünf Minuten Iämpeströter Jürgen Wippermann („Das ist kein Amt zum Beschreiben, nur zum Genießen!“) die Bühne eroberte und die ersten Wachcholder-Hymnen ertönten.

Entrümpelte Brauchtumsliturgie

Auch die Brauchtumsliturgie rund um die Gäste aus Voerde, Gevelsberg und Schwelm fiel diesmal deutlich straffer aus, so dass Thieser sich zügig der Würdigung der Wachholderritter zuwenden konnte: Zu ehrenwerten Botschaftern des Hasper Brauchtums, deren honoriges Geschlecht der HHBV-Präsident bis zur Tafelrunde zurückleitete, wurden diesmal neben dem Iämpeströter auch Bürgermeister Horst Wisotzki, WP-Redakteur Martin Weiske, die Hasper Polizistin Martina Müller und HHBV-Vorstandsmitglied Nicole Damaszek ernannt. Mit dem Ritterschlag und der Löffel-Verköstigung wurde das Quintett vergattert, als Hüter der Tradition und des Kirmeswesens die Hasper Fahne hoch zu halten.

Zum Heimatkettenträger ernannte Thieser zudem seinen Vizepräsidenten Udo Röhrig: „Er hat sich sein Leben lang in und für Haspe engagiert.“ Der Küchenmeister und Mitbegründer des Brauchtumvereins Hackebämmels Enkel führte 16-mal als Bauer den Kirmeszug an. Für Röhrig wie für „Lotti“ Weber, die als HHBV-Vizepräsidenten aus dem Vorstand ausscheiden, war es zudem das letzte Erbsensuppenessen, das sie organisiert haben. Ein emotionaler Abschied, den ihnen der WP-Journalist Martin Weiske mit einer gefeierten ULK-Rede über die Hasper und Hagener Befindlichkeiten ein wenig versüßte.

Textsicheres Publikum

Ähnlich begeistert ging die Kirmesfamilie beim Sangesauftritt von Salvatore Bucco mit. Der Gastronom, der mit seiner Familie die Hasper seit knapp einem Jahr in der Reichsbank an der Kölner Straße kulinarisch verwöhnt, rollte gekonnt einen Italo-Musikteppich aus. Bereits beim zweiten Hit ließ das textsichere Auditorium die Sonne bei Capri im Meer versinken und bewies, dass die Hasper nicht bloß Doppelwachholder, sondern offenbar auch mediterrane Gene im Blut haben.

>>HINTERGRUND: ALLE WÜRDENTRÄGER

Bei den Festivitäten rund um die Hasper Kirmes wird beim Kommers sowie dem Erbsensuppenessen traditionell auch das Heer der um das Brauchtum verdienten Köpfe ergänzt. Hier ein Blick auf die Würdenträger 2017:Kirmesbauer: Michael Kröner; Iämpeströter: Jürgen Wippermann; Heimatkette: Udo Röhrig; ULK-Orden: Herrmann Lorberg; Wachholderritter: Jürgen Wippermann (Iämpeströter 2017), Horst Wisotzki jun. (Bürgermeister), Martin Weiske (Journalist), Martina Müller (Polizei) und Nicole Damaszek (HHBV-Vorstand); Verdienstmedaillen: Horst Flüshöh, Uwe Schmidt-Schröder und Herbert Gitt; Hasper Bolzen: Baudezernat der Stadt Hagen mit Stadtbaurat Thomas Grothe und Fachbereichsleiterin Barbara Hammerschmidt an der Spitze.

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