Gesundheit

Der Körper-Check: Redakteur muss 5,4 Kilo Fett verlieren

1Thorben Paulsen (rechts) checkt Redakteur Mike Fiebig (links) am Cardio-Scan durch.

1Thorben Paulsen (rechts) checkt Redakteur Mike Fiebig (links) am Cardio-Scan durch.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Mike Fiebig hat sich dem Körper-Check unterzogen, den Besucher des Gesundheitstages am 6. April auch machen können. Er musste sich wundern.

In meiner Basketballmannschaft sagen sie Kugelblitz zu mir. Sie meinen das ein bisschen wertschätzend, weil ich für einen 34-Jährigen noch recht fix bin. Ich mache mir aber nichts vor: Die Betonung liegt auf „Kugel“. Jetzt nicht, weil ich einen Bauch vor mir her trage oder keinen Hals mehr hätte. Sondern, weil ich körperlich eher der bin, der „Ailton“ in der Fußball-Bundesliga war.

Wäre ich eine Hose, wäre ich eine Zwischengröße. Kurze Beine, gedrungener Oberkörper und ja: mit 96 Kilo auf den Rippen. Ich würde nicht zu den ersten Kälteopfern gehören, wenn morgen die nächste Eiszeit ausbräche.

Das ist die optische Analyse. Aber wie steht es um meinen Körper wirklich? Thorben Paulsen, Diplom-Sport- und Gesundheitstrainer in der Bechelte, hat mich von meinen Zellen, meinem Herz bis zu meinem Fettgehalt in alle Einzelteile zerlegt. Ein Check, den Besucher des Gesundheitstages am 6. April in der SIHK ganz genau so machen können.

Das Gewicht

Er schimpft gar nicht über mein Gewicht. Ich hätte das erwartet. „Du versteckst die 96 Kilo gut. Du siehst nicht danach aus“, sagt er mir und legt nach: „Das Gewicht ist auch erstmal nicht wichtig. Mir ist wichtig, wie gesund dein Körper ist. Wie fit und wie er zusammengesetzt ist.“ Also ist es gar nicht schlimm wie Ailton zu sein? Die Sache schickt sich gut an – noch.

Das Herz

Ich nehme in einem Liegesesselplatz. Elektroden werden an Hände und Beine geklebt. Der „Cardio-Scan“ durchleuchtet mich nun. Ein Herz- und Stresscheck auf EKG-Basis, der Risikofaktoren des Herzens in Ruhe misst und bewertet. Er fertigt ein dreidimensionales Herzporträt und zeigt den Herzstress und den Fitnesslevel an. „Top, das ist top bei dir“, sagt Paulsen.

Ach, komm. Das muss er sagen. Er hat die Zeitung da. Er kann den Reporter körperlich nicht in Grund und Boden stampfen. „Nein, die niedrige Herzfrequenz und die Schlagkraft des Herzens zeigen, dass du seit vielen Jahren Ausdauer-Sport machst. Das Herz ist in Top-Form“, so Paulsen. Junge, Junge, der meint wirklich mich. Gut, all das Training und die Rennerei muss ja für was gut gewesen sein. Und wie steht es um den Stress?

„Dein Symphatikus ist zu dominant“, sagt der Sportfachmann. Ja, klar. Der Symphatikus. Natürlich der. Während ich mit blöden Sprüchen meine Unwissenheit übertünche, macht Paulsen deutlich, dass genau dieser hohe Wert eines Teiles meines vegetativen Nervensystems dafür sorgt, dass ich mich oft in Aufruhr fühle. Symphatikus und Parasymphatikus sind die Gegenspieler im Nervensystem. Ersterer verursacht eine Zunahme der Herzfrequenz, Zweiterer verlangsamt die Schlagrate. Bei einem gesunden Menschen variiert der zeitliche Abstand zwischen den Herzschlägen, damit das Herz auf äußere Einflüsse reagieren kann. Bei mir ist das so – Symphatikus hin oder her. Puh.

Jetzt geht der Blick auf die Bausteine meines Körpers. Elektroden werden umgeklebt. Der Scanner misst jetzt, wie ich zusammengesetzt bin. Nach wenigen Sekunden steht das Ergebnis.

Der Wasseranteil

Jetzt hat Paulsen mehr Redebedarf. „Du trinkst viel zu wenig“, sagt er. Stimmt. Körperwasser-Anteil : 52,8 Liter oder 55 Prozent. 65 sollten es aber sein. Das Problem laut Paulsen: „Muskeln bestehen zu 80 Prozent aus Wasser. Wenn du zu wenig trinkst, dann fehlt dir direkt die Grundlage, mehr Muskeln aufzubauen. Und umgekehrt: Durch Muskeltraining wirst du dein Wasserspeicherpotenzial erhöhen. Das eine bedingt das andere.“

Das Fett

Dass ich so ein kompakter Typ bin, liegt übrigens nicht an den viel zitierten schweren Knochen. Meine wiegen nur 9,1 Kilo. Nein, Butter bei die Fische. Fettfreie Masse habe ich „nur“ 72,4 Kilo. 23,6 Kilo meines Körpers bestehen aus Fett.

Das sind etwas mehr als fünf Kilo zu viel – sagt das Gerät. „Die Marschroute ist recht einfach in deinem Fall“, sagt Paulsen. Es bräuchte eine Gewichtsreduzierung von 5,4 Kilogramm bei gleichzeitiger Erhöhung des Muskelmasse-Anteils.“ Davon habe ich nämlich bislang 33,8 Kilo oder 35 Prozent. Optimal wären mehr als 39.

Die Sache mit den Muskeln ist eine Frage der Disziplin. Ich muss, sagt Paulsen, keine Eisen biegen und keine Klaviere schleppen. Tägliche körperstabilisierende Übungen reichen in meinem Fall aus. Unterarm­stütz. Sit-Ups. Kniebeugen. Es reicht schon aus, die Muskelapparate um Schlüsselgelenke wie Knie, unterer Rücken, Arme oder Nacken zu stärken.

Die Fitness der Zellen

Nach der Pleite mit dem Fett-Gehalt – da komme ich gleich noch mal zu – nun sehr erfreuliche Nachrichten. Der Zellfitnesswert ist top. Mit einer Widerstandsmessung wird ein „Phasenwinkel“ erhoben. Der Phasenwinkel beschreibt die Leistungsfähigkeit der Zellen und gibt an, wie jung, frisch und kräftig die einzelnen Zellen sind. Mein Wert: 8,1. Optimal ist alles über 7,5.

Die Ernährung

„Über die Wasserzufuhr haben wir ja gesprochen“, erklärt Paulsen mit Blick auf meine Ernährung, die er angesichts der Körperzusammensetzung für hinreichend ausgewogen hält. Was mir immens fehlt sind Proteine. Eier, Fleisch, Gemüse, Joghurt, Hülsenfrüchte, Müsli, Mandeln, Käse. Ja, esse ich alles mal, aber scheinbar nicht besonders konstant in meiner Alltagsernährung. Dazu kommt: Viel zu oft gibt es Snacks in der Mittagspause, die mit Blick auf Schnelligkeit und weniger auf Ausgewogenheit gekauft werden.

Zur Ehrlichkeit gehört auch. Zum Bierchen nach dem Training muss man mich nicht prügeln. Und zu unserem Süßigkeitenschrank habe ich eine langjährige Nach-22-Uhr-Beziehung. Da werden schnell hohe Kalorienzahlen, Zucker und Fette aufgenommen, die die vernünftige Tagesbilanz mit drei, vier Bissen zerstören können. Das muss weniger werden.„Bei dir ist nicht die große Veränderung nötig. Es sind kleine Dinge“, sagt Paulsen.

Irgendwie beruhigend. Ich melde mich, wenn die 5,4 Kilo runter sind.

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