Premiere

"Die Farben der Liebe" im Lutz

Foto: WP Michael Kleinrensing

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Rhythmisches Trommeln, dazu ein eingängiger Beat. Traditionelle türkische Klänge mischen sich mit modernem Hip Hop. Wechseln sich ab und vereinen sich. Auf der Bühne stehen Koffer. Große und kleine, alte und neue.

In ihrem Inneren verbergen sie die Rollen der Hauptpersonen. Mutter, Vater, Tochter und Sohn. Im Hintergrund die bunt beleuchtete Altenhagener Brücke. „Die Farben der Liebe” heißt ein neues Gemeinschaftsprojekt des Lutz und der Hauptschule Altenhagen.

Im ausverkauften Lutz stand am Freitag die Premiere des Stückes an, das in das Konzept zum Kunstprojekt „Ebene 2” eingebunden ist. In dessen Rahmen haben das Lutz und die Hauptschule Altenhagen bereits ein Theaterprojekt realisiert, mit der jetztigen Inszenierung wurde die Zusammenarbeit fortgesetzt. Und wie damals im Stück „Ebene 2” überzeugten auch jetzt wieder junge Akteure mit einem ausdrucksstarken Spiel und Engagement. Regisseur Werner Hahn und Choreographin Diana Ivancic haben mit den Schülern ein Stück geschaffen, das mit viel Licht, Musik und Tanz ganz im Stil aktueller Musikvideos auf die Bedürfnisse eines jungen Publikums zugeschnitten worden ist. Locker und lebensfroh, zugleich auch nachdenklich und emotional werden darin alltägliche Probleme von Menschen mit Migrationshintergrund behandelt. Ob erste Liebe, Sehnsucht nach der Heimat oder häusliche Gewalt, stets geht es um Themen, die die Darsteller so oder so ähnlich auch von zu Hause kennen können. Als Vorlage diente der gleichnamige Jugendroman des türkischstämmigen Hageners Ali Arslan, der in den 80er Jahren aus seiner Heimat fliehen musste, weil er politisch verfolgt wurde. Seit den 90er Jahren ist Arslan in Hagen als Türkischlehrer tätig und schreibt in seiner Freizeit Kurzgeschichten, sowie Kinder- und Jugendromane. Der Roman erzählt eine fiktive Geschichte, inspiriert von Arslans langjähriger Arbeit an den Hagener Schulen. Ihm gelingt es, das Leben vieler Jugendlicher packend und realistisch darzustellen. Brillieren konnten am Freitag die Hauptdarsteller, darunter besonders Minire Racaj, die mit Hingabe die Mutter Elif Kaplan verkörperte, sowie Lara Filiz Cosgun, die die charakterstarke Tochter Ebru darstellte. Ihren Kampf um die Stellung einer türkischen Frau zwischen Tradition und Moderne präsentierten die beiden Mädchen besonders mitreißend. „Meine Gefährtin, meine Seele” entgegnet Mutter Elif ihrer Tochter ihm Stück, nachdem diese nach den Attacken des Vaters in ihre Familie zurückkehrt. Auslöser des Streits war die plötzliche Forderung des Vaters, dass seine Frauen Kopftuch tragen sollen. Der Vater besucht seit neuestem eine sogenannte Ordensmoschee, die selbst im türkischen Umfeld als Anlaufstelle für Fanatiker gilt. Die Tochter rebelliert, der Streit eskaliert. „Kinder müssen frei denken können, um sich frei zu entfalten”, lautet der Ratschlag eines Türkischlehrers an den Vater. „Und diese Grundsätze gelten in der demokratischen Türkei ebenso wie in Deutschland!” Das Kopftuch stehe aber für die Unterdrückung der Frau. Die Tochter als willenlose Marionette des Vaters, mit diesem bewegenden Bild veranschaulichten die Akteure die Situation. Doch der Vater lässt sich schließlich bekehren. Im Zwiespalt zwischen Leiten und Loslassen beweist auch er, dass er seine Tochter liebt - und zwar so, wie sie ist.

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