Die Gemeinde in den Gesang mit einbezogen

Hagen.   Das Weihnachtsoratorium von Bach hat Konkurrenz bekommen: In der Ev. Jakobuskirche Breckerfeld führte Heike Marquardt am Samstagabend das Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“ op. 90 von Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) auf. Der Ev. Jakobus-Chor Breckerfeld, der Kantatenchor Gevelsberg und der Wittener Bach-Chor bildeten ein ausgewogenes, textgetreu interpretierendes Klangvolumen von euphorischen Jubel-Fanfaren bis zu Akkorden friedevoller Geborgenheit.

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Das Weihnachtsoratorium von Bach hat Konkurrenz bekommen: In der Ev. Jakobuskirche Breckerfeld führte Heike Marquardt am Samstagabend das Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi“ op. 90 von Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) auf. Der Ev. Jakobus-Chor Breckerfeld, der Kantatenchor Gevelsberg und der Wittener Bach-Chor bildeten ein ausgewogenes, textgetreu interpretierendes Klangvolumen von euphorischen Jubel-Fanfaren bis zu Akkorden friedevoller Geborgenheit.

Kräftiger Hirtenchor

Im Sopran wurden mühelos große Höhen erreicht, auch der Alt setzte sich mit Strahlkraft durch, die Männer gaben Bodenhaftung und sangen einen kräftigen vierstimmigen Hirtenchor. Cornelia Winter, Sopran, Dagmar Linde, Alt, Thomas Jakobs und Bruno Michalke, Tenor, Thomas Herberich und Tobias Scharfenberger, Bass, besetzten ihre Solo-Partien und Solistenquartette, oft im Wechsel mit dem Chor, mit flexiblem Timbre. Die Capella instrumentale Gevelsberg, ein Streicher-Team plus Orgel-Positiv, unterstützte die Sängerinnen und Sänger mit ausdrucksvoller Hintergrundmalerei oder hob in Zwischenmusiken die Stimmung des Geschehens hervor.

Ein Novum: Auch die Zuhörer (die Gemeinde) wurden in die Gestaltung dieses Konzerts mit einbezogen. Der Theologe Friedrich Spitta hatte die Texte aus Bibelworten und geistlichen Liedern zusammengestellt. So begann das Oratorium wie im Gottesdienst mit einem majestätischen Orgelvorspiel (Gerhard Marquardt) zu dem Choral „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“ (Melodie: Vom Himmel hoch, da komm ich her), in den die Gemeinde einstimmte. Bindeglied zwischen Zuhörern und Ausführenden war das ausdrucksvolle Dirigat von Heike Marquardt, das dem Publikum das Tempo und lang ausgehaltene Noten nach Zeilenenden zuwies.

Im ersten Teil (Die Verheißung) wechselten sich Solisten (Bibelworte) und Chor ab. Die Melodie des Liedes „O Heiland, reiß die Himmel auf“ wanderte durch die Stimmen, von den anderen sanft umkreist. Das Publikum setzte mit Versen aus dem Choral „Wie soll ich dich empfangen“ den Schlusspunkt. Im zweiten Teil (Die Erfüllung) näherte sich die Kompositionsweise der Praxis Bachs an: Die Weihnachtsgeschichte, beginnend mit dem Engel Gabriel bei Maria, wurde von Jakobs in Rezitativen zu Positiv-Begleitung „erzählt“, mit innigen Koloraturen bei der Ausmalung des Namens „Maria.“

Schwebende Tongirlanden

Auch der Bote Gottes (Alt) betonte die Rolle der „Holdseligen“ und „Gebenedeiten“ mit schwebenden Tongirlanden. Die Sopranistin verkörperte dagegen die schlichte „Magd des Herrn“. Der Chor verkündete das Geschehen mit dem Choral „Es ist ein Ros entsprungen“, zu dem die Streicher nach jeder Zeile sanfte flächige Akkorde lieferten. Ein Zwischenspiel (Positiv und Violoncello) leitete über zu dem liebreichen Duett „Joseph, lieber Joseph mein“ mit dem Bassisten Herberich, der dem oft als Nebenfigur verkannten Vater eine gefühlvolle Rolle zuwies.

Plastisch drückte das Tremolo der Streicher die Furcht der Hirten bei der Erscheinung des Engels aus. Euphorische Freude strahlte der Chor der Engel aus: „Ehre sei Gott in der Höhe“ mit hoch aufjubelndem Sopran zu starken Orchester-Akzenten. „Die Anbetung“ begann mit einer Hirtenmusik im Pastoralstil zu einem betörend singenden Oboen-Solo (Claudia Lahaye), vom Violoncello beantwortet.

Majestätisches Orgelnachspiel

Das Lied „Als ich bei meinen Schafen wacht“ mit Tenor-Solo (Michalke) und Chor der Hirten wich in seiner schattigen Molltonart von der bekannten Melodie ab. Höhepunkt vor dem letzten Gemeinde-Choral, mit zwei Versen aus „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ zum Anfang zurückkehrend, waren Doppelchor und Cantus-firmus-Chor (die Solisten) „Also hat Gott die Welt geliebt“. Ehrfürchtiger Jubel besang die Bedeutung der Weihnachtsgeschichte.

Ein majestätisches Orgelnachspiel beendete ein ergreifendes Werk, das in seinem konsequenten Durchlauf und genialen Wechsel von Chor, Solisten und Orchester-Einwürfen faszinierte. Das Publikum war begeistert und freute sich über die Wiederholung des Chorals „Nun singet und seid froh“ als Zugabe.

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