Fußball

Die Geschichte der verrückten Bratwurstbräter

Taktik-Schulung im Clubheim auf der Waldlust. „Ab heute wird Pressing gespielt.“

Taktik-Schulung im Clubheim auf der Waldlust. „Ab heute wird Pressing gespielt.“

Foto: Michael Kleinrensing

Wehringhausen.   Es ist nicht mehr so ganz leicht, diese Mädels nett zu finden. Sie haben die Faxen dicke vom „Immer-nur-auf-die-Zwölf-kriegen.“ Die Zeit, als man auf die Waldlust gefahren ist und die freundlichen Verlierer mal eben mit 12:0 weggebügelt hat, ist nämlich vorbei. Doch auch wenn sie den Fußball jetzt ernster nehmen beim Roten – Entschuldigung: Rosa Stern Wehringhausen – sollen die Werte, die diesen ganz besonderen Club ausmachen, weiter gepflegt werden.

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Hier stehen die Kerle mit den Kindern an der Hand am Spielfeldrand. Ein aufgeschürftes Knie ist hier keine Verletzung, sondern ein Arbeitsnachweis und Regen beim Spiel ist erst richtiger Regen, wenn sich Hagel darunter mischt. Clara spielt hier gemeinsam mit Cara. Die mit dem „L“ ist 50. Und die ohne gerade 15.

Zwischen Bratwurststand und Spielfeldrand

Na und?

Die Idee zu einer Frauen-Truppe reifte zwischen Bratwurststand und Spielfeldrand. Wenn die Männer kickten, sorgten die Mädels fürs Drumherum. Doch irgendwann - so ist das bei Sportlern - da wird man gallig. Da willst du selber kicken. Ran an die Murmel.

Zack, zack, die Mädels zählten durch. Wer hat wann Zeit? Und wer macht den Coach? Fertig war die Truppe.

Jetzt ist aus den Bratwurstbrätern eine 20-köpfige Mannschaft geworden. Die erste Saison war wie ein Film mit Bud Spencer und Terrence Hill. Überall wo sie auftauchten, gab es etwas auf die Nuss. Nur dass die anderen immer Bud Spencer und Terrence Hill waren. Wie unfair.

Die Haue bekamen die Rosa Sterne. Über 100 Gegentore. Nur zehn Stück selbst gemacht. Fünf davon gingen auf das Konto von Anne Hazenfuß. Eine Goalgetterin? Muss man fast so sagen.

Der Trainingsplatz ist eine journalistische Goldgrube. Wer sich hier mit Zettel und Stift hinstellt, erfährt eine gute Geschichte nach der anderen. So wie die von Kathrin Lemke. 29. Eine hübsche junge Frau. Sie ist hier Kapitänin. Ihr sportlicher Werdegang: vom Ballett zur Grätsche. Von zarter Besaitung ist dabei nichts zu spüren. Sie mag es „wenn man sich auf Asche mal richtig lang macht“ und wenn der Platz im Herbst „so motschig ist, dass überall der Dreck spritzt.“

Diese Ballerina ist knallhart im Nehmen

Während sich die Trainingsgruppe vor einigen Tagen in gefühlten fünf Metern Neuschnee über die Waldlust pflügt, macht Clara – die mit dem „L“ – ein Päuschen. Letztes Jahr hat sie für die Rosanen noch den Beckenbauer gemacht. Schön Libero. Mit allen Freiheiten.

Dabei ist ihr auch ihr Traumtor, sagen wir mal „passiert“. Volle Kanne abgezogen von der Mittelinie. Bumm. Drin. Ob das geplant war? Das ist nicht wichtig.

Matthias Schmieder und Steven Kleffmann haben das Sagen bei den Rosa Sternen. Ihr Ziel: stetige sportliche Weiterentwicklung und die Pflege der Werte, die den Roten Stern Wehringhausen ausmachen: Respekt, Fairplay und Spaß.

„Die Mädels können gut zuhören“

Die beiden Trainer tragen selbst den roten Stern im Herzen. Die beste Eigenschaft ihres Teams? „Die Mädels können gut zuhören.“ Oje, was fast jede Frau von ihrem Mann einfordert, wird hier tatsächlich auch noch vorgelebt. Noch nicht mal beim Sport hört Frau auf, Frau zu sein. Ja wir Männer wissen es, wir dürfen uns alle eine Scheibe davon . . .

Eine Vision, ja die haben sie bei den Rosanen. „Als wir angetreten sind, dachten wir so an die Bezirksliga. Vielleicht innerhalb von fünf Jahren“, sagt Kapitänin Lemke. Dass das spielerische Niveau steigt, soll nicht heißen, dass Aktionen wie der männliche Flitzer neulich nicht mehr vorkommen. Auch die Kiste Bier für die Gegner wird weiter hingestellt. Spaß, und Fairplay. Das ist, worum es geht.

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