Kommentar

Die sind kriminell, nicht cool

Michael Koch, Redaktionsleiter.

Foto: Michael Kleinrensing

Michael Koch, Redaktionsleiter. Foto: Michael Kleinrensing

Ein brutaler Profi-Boxer und ein gewalttätiger Gangster-Rapper sorgen für Schlagzeilen. Sie sind aber kein Stück cool, sondern nur kriminell.

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Da geschieht eine Gewaltattacke vor den Augen von Hunderten Zuschauern beim Fritz-Kahl-Turnier in Eilpe. Mehrer Männer stürmen auf das Spielfeld, verletzen einen Trainer und einen Linienrichter. Am Ende kommt nur einer vor Gericht, weil die anderen nicht identifiziert werden können. Und der erhält auch nur eine Bewährungsstrafe. Da sticht ein vorbestrafter Gewalttäter einen Mann auf dem Wilhelmsplatz nieder. Er flüchtet, brüstet sich im Internet in Rap-Videos noch mit der Tat und verhöhnt die Ermittlungsbehörden und den ganzen Staat.


Zwei Fälle, die binnen weniger Tage unsere Leser bewegt haben. Sie haben nichts miteinander zu tun und wecken doch das gleiche Gefühl: Warum wird nicht hart bestraft, wer sich nicht an Gesetze hält? Warum lässt sich der Staat das gefallen? Das Gefühl ist verständlich. Kritik an Polizei und Justiz ist legitim, allerdings muss sich auch die Gesamtgesellschaft fragen, was sie dazu beiträgt.


Hätte es nicht viel mehr Zeugenaussagen beim Fritz-Kahl-Turnier geben müssen? Ich will niemanden anklagen. Ich weiß nicht, ob ich selbst als Zeuge ausgesagt hätte, wenn ich Angst gehabt hätte, dann selbst irgendwann Ziel der Angreifer oder ihrer Helfershelfer zu werden. Gleichwohl: Auf diese Angst setzen diese brutalen Kriminellen. Mit der Folge, dass der Angeklagte, der sich als Profi-Boxer bezeichnet, als freier Mann den Gerichtssaal lächelnd verlassen konnte. Und Nuhsan C., der Messerstecher vom Wilhelmsplatz? Der fühlt sich sicherlich auch stark, weil er im Netz so viele Unterstützer findet, die seine gewaltverherrlichende Musik gut, die die Grenzverletzung vielleicht sogar spannend finden.


Die, die es am meisten betrifft, werden diese Zeilen leider nicht lesen. Trotzdem muss man immer wieder daran erinnern: Brutale Profi-Boxer und aggressive Gangster-Rapper sind nicht cool, sie sind kriminell. Wir müssen aufpassen, dass sich keine (Jugend)-Kultur entwickelt, die das anders sieht. Michael Koch

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