Waldschäden

Die vergessene Millionen-Rechnung des Hageners Hans de Myn

Hans de Myn ist Waldbesitzer aus Hagen. Im vergangenen Jahr schickte er Armin laschet eine Millionen-Rechnung.

Hans de Myn ist Waldbesitzer aus Hagen. Im vergangenen Jahr schickte er Armin laschet eine Millionen-Rechnung.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Seit einem Jahr wartet der Waldbesitzer auf eine angemessene Antwort auf eine 10-Millionen-Euro-Rechnung, die er Armin Laschet geschickt hat.

Es ist September. Und zwar 2020. Corona hin oder her. Politische Agenden hin oder her. Bis zum heutigen Tag habe der Hagener Waldbesitzer Hans de Myn, so sagt er selbst, keine hinreichende Antwort auf eine Proformarechnung in Höhe von 10,3 Millionen Euro erhalten, die er NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im September 2019 geschickt hat. Zumindest keine, die inhaltlich auf das Problem eingehe, dass Hans de Myn deutlich angesprochen habe: die volkswirtschaftliche Leistung der heimischen Wälder.

Waldbesitzer wollte mit hoher Rechnung auf Katastrophe im Wald aufmerksam machen

Rückblick: De Myn wollte mit seiner Forderung auf die „Katastrophe“ aufmerksam machen, die in den heimischen Wäldern geschehe. Als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Hagen-Ruhrtal ist de Myn mitverantwortlich für mehr als 3000 Hektar Wald von mehreren Waldbauern. „Meine Rechnung entspricht aus meiner Sicht dem tatsächlichen Wert des Waldes für die Volkswirtschaft und das Allgemeinwohl“, sagt de Myn.

In seiner Argumentation stützte er sich auf ein Gutachten, wonach jeder Hektar im Hagener Waldgebiet einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 2800 Euro habe. De Myn: „Wenn es mit dem Borkenkäferbefall, allein mit Blick auf Hagen, so weiter geht, dann steht bald keine einzige Fichte mehr. Es ist zwar mittlerweile eine „Task Force Wald“ auf Landesebene gebildet worden. Aber die kümmert sich nur um die Symptome, nicht um die Lösungen.“

Mittel zur Bespritzung des Holzes seien gar nicht auf dem Markt derzeit

Das vom Borkenkäfer befallene Holz müsse eigentlich raus aus den Wäldern. Dieser Abtransport koste die Waldbesitzer rund 25 Euro pro Kubikmeter Holz. Dann müsse das befallene Holz bespritzt werden. Die Mittel dazu seien aber aktuell gar nicht auf dem Markt zu kriegen. „Dazu kommt, dass der Absatz des Holzes im Moment gleich null ist. Nur ein wenig Export nach China läuft noch“, sagt Hans de Myn, der sich zusätzlich darüber ärgert, dass es ab 2021 keine Bezuschussung mehr für die Betreuung der Waldflächen durch Förster geben wird. „70 Prozent dieser Kosten tragen bislang Brüssel, das Land oder der Bund. Demnächst wird das nicht mehr so ohne Weiteres gehen.“

Ministerin versichert: Bald soll es eine Antwort geben

Dass de Myn keine Antwort auf seine Rechnung erhalten habe, lässt das Pressereferat des Umweltministeriums so nicht stehen. Er habe schriftliche und telefonische Rückmeldungen erhalten. „Die Hinweise und Vorschläge von Herrn de Myn berühren auch die europäischen und bundesweiten Förderregularien. Über den Fortgang werden wir Herrn de Myn unterrichten“, so Referatssprecher Malte Wetzel. Unterdessen hat Hans de Myn auf einer Waldbauern-Veranstaltung NRW-Umweltministerin Ursula Heinen Esser getroffen und auf sein Schreiben angesprochen. „Sie hat mir versichert, dass ich bald eine genauere Antwort auf meine Hinweise und Vorschläge erhalten werde.“

Reaktion des Landes: Waldpakt stärke die Waldbesitzer

Am 10. Dezember 2019 hat die Landesregierung mit Verbänden aus Forst- und Holzwirtschaft, Naturschutz und Berufsvertretung den gemeinsamen Waldpakt „Klimaschutz für den Wald - unser Wald für den Klimaschutz“ unterzeichnet. Darin, so teilt das Pressereferat des Umweltministeriums mit, sei das Instrument einer „Baumprämie“ verankert. „Vereinbart wurden zudem umwelt- und baupolitische Initiativen u.a. zur Förderung der nachhaltigen Holznutzung. Bereits im Jahr 2018 hatte das Umweltministerium die regelmäßig tagende Task-Force-Käfer eingerichtet. In diesem Gremium werden neben den aktuellen biologischen und technischen Fragen zur Ausbreitung und Bekämpfung der Käfer auch Möglichkeiten zur Unterstützung/Förderung der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer beraten“, heißt es in der Erklärung.

Mittel in Höhe von 26 Millionen Euro stünden für die Waldbauern zur Verfügung

Für die Hilfe bei der Schadensbewältigung, der Wiederbewaldung und bei weiteren forstlichen Maßnahmen stelle das Land umfangreiche Mittel zur Unterstützung der Waldbauern zur Verfügung – insgesamt 26 Millionen Euro in diesem Jahr.

Die Unterstützung basiere auf drei Säulen: Unterstützung bei der akuten Schadensbewältigung, Unterstützung bei der Wiederbewaldung und fachliche Hilfen. „Über die Extremwetterrichtlinie stehen 2020 Mittel in Höhe von rund 21 Millionen Euro zur Verfügung“, so Referatssprecher Malte Wetzel. Hierüber könnten die Überwachung der Borkenkäferpopulation, die Aufarbeitung befallenen Holzes, der Holztransport in Trocken- und Nasslager sowie die Anlage von Holzlagerplätzen gefördert werden. Daneben stünden für die Umsetzung der Forstförderung im Jahr 2020 Mittel in Höhe von 5,2 Millionen Euro zur Verfügung. Hiermit werden unabhängig von den Schäden Naturschutzmaßnahmen, Wegebau sowie Erstaufforstungen und Pflanzungen gefördert.

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