Einwanderung

Diego Dinca: Ein junger Roma macht seinen Weg in Hagen

Integrationsarbeit in Hagen: Lajos Gabor, Sprach- und Kulturmittler und Bildungsmediator mit Vasile Dinca und Diego Dinca.

Integrationsarbeit in Hagen: Lajos Gabor, Sprach- und Kulturmittler und Bildungsmediator mit Vasile Dinca und Diego Dinca.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Viele Roma leben in Hagen, Vorurteile kursieren über sie. Doch Diego Dinca (23) zeigt die andere Seite. Er macht eine Ausbildung in der Apotheke.

Derzeit leben etwa 3400 Einwanderer aus Rumänien und 1700 aus Bulgarien in Hagen, der überwiegende Teil von ihnen gehört zu den Roma. Diese Volksgruppe begegnet seit jeher etlichen Vorurteilen. „Man sagt uns zum Beispiel nach, wir würden Menschen verkaufen“, berichtet Silvana Gashi, eine moslemische Roma aus Serbien, die seit 1992 in Deutschland lebt. Die Diskriminierung steht ganz offensichtlich der Integration im Wege, für die Roma ist es schwierig, faire Arbeit und anständige Wohnungen zu finden, Kinder können oft in der Schule nur mit Mühe den Anschluss halten.

Positive Beispiele sind (noch) selten, doch es gibt sie. Diego Dinca (23) stammt, wie so viele in Hagen lebende Roma, aus Toflea im Osten Rumäniens. In der Apotheke von Christian Fehske absolviert er zurzeit eine Ausbildung zum pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten.

Förderklasse, Bewerbungstrainig und viel Praxis

Der junge Mann hat sich, nachdem er mit den Eltern und drei Geschwistern nach Hagen kam und in einer kleinen Wohnung einquartiert wurde, auf die Hinterbeine gesetzt und eine an der Kaufmannsschulde angegliederte Internationale Förderklasse besucht sowie anschließend eine halbjährige Ausbildungsvorbereitung sowie mit Unterstützung des Jobcenters ein Bewerbungstraining durchlaufen. Nacheinander hat er sodann bei McDonalds, Burger King, Berendsen Textilservice und beim Hermes-Versand gearbeitet, wo er dem Fahrer die Pakete aufzusortieren half. Die meisten Probleme hat ihm die deutsche Sprache gemacht, doch Dinca hat sich durchgebissen und schließlich die begehrte Lehrstelle in der Apotheke erhalten. „Ich bin glücklich, wenn ich anderen Menschen helfen und Fragen beantworten kann“, sagt er, um sich sogleich zu verabschieden, denn die Mittagspause ist vorüber und er will auf keinen Fall zu spät zur Arbeit erscheinen.

Sprach- und Kulturmittler unterstützen die Roma

Als Roma eine Ausbildung in der Apotheke zu machen, sei etwas Besonderes, bestätigt Lajos Gabor (36), der ebenfalls aus Rumänien stammt und wie Silvana Gashi und sechs weitere Roma zu einem Team von Sprach- und Kulturmittlern gehört, die auf Honorarbasis für die Stadt Hagen bei der Integration ihrer Landsleute mitarbeiten. Sie verfügen über Büroräume und PCs und helfen Zuwanderern in allen Belangen des Lebens. „Wir füllen behördliche Papiere aus, helfen beim Amtsbesuch und bei der Kommunikation mit Krankenkassen und Schulen“, sagt Gashi, die sich vor allem um zugewanderte Frauen kümmert: „Sie kommen nach Deutschland, weil sie sich eine bessere Zukunft für ihre Kinder erhoffen.“

Bei Gabriele Schwanke vom Quartiersmanagement der Stadt laufen die Fäden zusammen, sie hat das Netzwerk, in dem Roma aus vielen europäischen Staaten miteinander verknüpft sind, aufgebaut. Ohne die Mitarbeit der Bildungsmediatoren aus den Herkunftsländern sei die Integration zum Scheitern verurteilt, sagt Schwanke: „Es ist ein himmelschreiender Unterschied, ob ich den zugewanderten Menschen etwas erzähle oder jemand, der ihre Sprache spricht und im besten Fall eine Art Vorbildfunktion für sie einnimmt.“

250.000 Euro aus Förderprogramm für die Stadt

Über ein Förderprogramm erhält die Stadt 250.000 Euro pro Jahr, um die Aktivitäten der Bildungsmittler zu finanzieren, aber auch für muttersprachliche Beratung oder die ärztliche Versorgung in Luthers Waschsalon.

Reinhard Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales, hofft darauf, dass die Förderung weiterläuft und sogar erhöht wird, denn es ist nicht damit zu rechnen, dass der Zustrom aus den armen Staaten Südosteuropas abreißt. Lajos Gabor beklagt, dass die traditionellen Handwerke in seiner Heimat von westeuropäischen Firmen und Baumärkten verdrängt worden seien. Einst habe er Dachrinnen gebaut und Töpfe hergestellt, beides sei nicht mehr gefragt, weil es bei den Discountern viel billiger zu haben sei. „Aber meine Kinder müssen eine Zukunft haben. Sie gehen in Hagen zur Schule. Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen.“

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