Wirtschaft

"Douglas-Vater" Jörn Kreke feiert seinen 70. Geburtstag

Foto: WP Michael Kleinrensing

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Hagen. Er ist Träger des Deutschen Marketingpreises, des Deutschen Handelspreises und des Verdienstordens des Landes NRW, ferner Ehrendoktor der Fernuniversität Hagen und Förderer sozialer und kultureller Projekte. "Douglas-Vater" Jörn Kreke feiert am heutigen Mittwoch seinen 70.Geburtstag.

Er wolle nicht in den Himmel gehoben werden, keine Lobeshymnen hören, ich solle „den Ball bloß flach halten”. Schließlich sei er im Grunde doch nur ein erfolgreicher Einzelhändler - nicht mehr und nicht weniger. „Douglas-Vater” Jörn Kreke wird heute 70.

Flops, Glück und verlässliche Partner

Vollblutunternehmer, Einzelhandelspionier, Träger des Deutschen Marketingpreises, des Deutschen Handelspreises und des Verdienstordens des Landes NRW, ferner Ehrendoktor der Fernuniversität Hagen, Förderer von Kunst und Kultur und Sponsor etlicher sozialer Projekte - es fällt nicht leicht, Dr. Dr. h.c. Jörn Kreke als ganz normalen Kaufmann zu beschreiben.

„Dabei hab' ich bestimmt nicht immer die richtigen Entscheidungen gefällt und hab' auch Flops gelandet. Doch ich hatte das Glück, mit verlässlichen Partnern an meiner Seite arbeiten zu können, hatte bei vielen Geschäften das richtige Näschen, und ich hab' eine Familie, die mir Kraft gibt”, blickt der Aufsichtsratsvorsitzende der Douglas Holding auf die vergangenen Jahre zurück.

Seine Tochter Jacqueline habe ihn dazu gedrängt, endlich ein Buch über seinen privaten und beruflichen Werdegang zu schreiben. Zu seinem 70. Geburtstag liegt das Buch, das Kreke nicht selbst verfasst, sondern durch den ehemaligen Herausgeber der FAZ - Dr. Hugo Müller Vogg - in Gesprächsform hat schreiben lassen, nun vor. Titel des Gesprächsbandes: „Die Douglas-Story - Jörn Kreke über Handel mit Herz und Verstand”.

Ausstrahlung und Willensstärke

Seine charismatische Ausstrahlung und Willensstärke spürt jeder, der ihm begegnet. Auch darauf geht Müller-Vogg ein. Und auf seine „ein wenig komplizierten Familienverhältnisse”. Denn Jörn Kreke erzählt offen über seinen leiblichen Vater - Herbert Eklöh (Kreke: „Früher habe ich ganz bewusst vernebelt, dass er mein Vater war. Familienverhältnisse wie bei uns waren früher ja auch eher die Ausnahme”).

Zum Hintergrund: Als Jörn Kreke 1940 in Köln geboren wurde, war seine Mutter Erne noch mit dem Arzt Bernd Kreke verheiratet. Jahre später ließen sich die beiden scheiden. Jörn und sein jüngerer Bruder wuchsen im Umfeld von Herbert Eklöh auf. Jörn Kreke: „Wenn ,Tom' in Köln war, lebte er mit uns zusammen. In Hagen war und blieb er verheiratet.” Apropos ,Tom': Wenn die Rede auf Herbert Eklöh kommt, spricht Jörn Kreke nie von „meinen Vater”, sondern über „Tom” oder „Senior”, allerdings schwingt stets Bewunderung in seiner Stimme mit. „Tom” habe ihn geprägt, ihm die Faszination am Handel nahe gebracht, durch ihn sei er 1963 zu Hussel gekommen. „Obwohl”, räumt Kreke ein, „ich war in meiner Familie sowieso von Einzelhändlern umzingelt. Und schon als Kind hat mir Kaufmann spielen Riesenspaß gemacht”.

1969 - im Alter von gerade mal 29 Jahren - übernahm er von Herbert Eklöh den Vorstandsvorsitz bei Hussel, im gleichen Jahr gab er den Startschuss für den Erwerb der Douglas- und Hanhausen-Parfümerien - der Beginn der Erfolgsstory.

Kreke, der Pionier, stieß in neue Bereiche vor, übernahm andere Einzelhandelsgeschäfte, baute diese um und aus und setzte auf Internationalisierung. 1989 wurde der Konzern in Douglas Holding umfirmiert.

Lifestyle-Konzern

Heute besteht der Lifestyle-Konzern aus fünf Bereichen: Douglas (Parfümerien), Hussel (Süßwaren), Thalia (Bücher), Christ (Schmuck, Uhren) und Appelrath-Cüpper (Mode) und erzielt einen Jaresumsatz von mehr als 3 Milliarden Euro.

Aber zurück zum eloquenten Gesprächspartner Kreke: Ihm zuzuhören, macht einfach Spaß. Wenn er von seiner mit „Ach und Krach” gebauten Mittleren Reife spricht (später hat er mit Leidenschaft in den USA studiert und 1965 in Frankfurt promoviert), ungeschönt über seinen größten, existenzbedrohenden Flop mit „Micron” in Amerika in den 70er Jahren redet (Kreke: „Ich war zu leichtgläubig und bin Betrügern auf den Leim gegangen”), sein Erfolgsrezept - eine Mischung aus unternehmerischem Gespür und Glück - verrät, rennt die Zeit dahin.

„Früher wurden Deals per Handschlag besiegelt, und das Thema war erledigt”, erinnert sich Kreke. Heute große Transaktionen ohne Top-Berater durchzuführen, sei undenkbar, „das ist schade”.

Familienmensch

Und der Familienmensch Jörn Kreke?

„Silvester 1961 - ich war 21 - hab' ich Gisela im ,Weindorf' in Köln gesehen. Sie fiel mir sofort auf.” Seit 46 Jahren sind die beiden verheiratet.

Stolz und zufrieden sei er gewesen, als er 2001 den Vorstandsvorsitz der Douglas Holding an seinen Sohn Henning übergeben habe, „und er es nicht nur machte, sondern auch konnte”. Glücklich sei er, wenn er Zeit mit seinen acht Enkeln verbringe.

Zukunftswünsche? „Meine Amtszeit im Aufsichtsrat läuft im März 2013 - dann bin ich genau 50 Jahre im Unternehmen tätig - ab. Gemäß unserer Corporate-Governance-Grundsätzen ist eine Wiederwahl nicht möglich.” Somit ziehe er sich zwar aus dem aktiven Douglas-Geschäftsleben zurück, doch das bedeute nicht, dass er sich gemütlich zurücklehne. „Sofern ich bis dahin gesund bleibe, engagiere ich mich auch weiterhin im Freundeskreis der Fernuni, im kulturellen Bereich und auf dem Elbers-Freizeit-Areal, wo es jetzt endlich voran geht.”

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